Mehr als Minimalvariante ist nicht drin

Loffenau (stj) – Die Gemeinde Loffenau schließt im Zuge des Breitbandausbaus durch den Landkreis nur ihr Rathaus und ihre Gemeindehalle mit an. Für mehr ist aktuell kein Geld da.

Schilder wie dieses im Laufbachtal zeugen vom Breitbandausbau des Landkreises, der sich gerade durch das Murgtal zieht. Foto: Stephan Juch

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Schilder wie dieses im Laufbachtal zeugen vom Breitbandausbau des Landkreises, der sich gerade durch das Murgtal zieht. Foto: Stephan Juch

Neben den Schulen und den Gewerbegebieten, die durch den Breitbandausbau des Landkreises Rastatt über das sogenannte Backbone-Netz einen Glasfaseranschluss erhalten, haben viele Murgtäler gehofft, ihre Anwesen würden bald ebenfalls mit Turbo-Internet versorgt werden. Doch daraus wird vielerorts erst mal nichts. Denn eine Mitverlegung, die über die Kommunen finanziert werden müsste, ist teuer. Und viele Gemeinden sind derzeit klamm, auch wegen der Corona-Auswirkungen.

Dabei zeigt gerade die Pandemie, wie wichtig eine flächendeckend gute Internetversorgung ist, an der es vielerorts im Murgtal hapert. Unterversorgte Bereiche gibt es auch in Loffenau. Dort hat der Gemeinderat jüngst trotzdem entschieden, im Zuge des Landkreis-Ausbaus, der voraussichtlich im Juni 2021 in den Ort kommt, nur das Rathaus und die Gemeindehalle mit anzuschließen. Mehr als diese Minimalvariante ist finanziell nicht drin, heißt es von Verwaltungsseite: 671.000 Euro würde es Loffenau kosten, alle Gebäude entlang der Backbone-Trasse mit anzuschließen, 434.000 Euro, wenn man sich auf eine Straßenseite konzentrieren würde. Auch die Option, erst mal nur entsprechende Netzverteiler entlang der Trasse anzuschließen, um später je nach Bedarf weitere Bereiche abdecken zu können, fand keine Mehrheit im Gemeinderat – auch deshalb, weil dafür die Straße nochmals geöffnet werden müsste. Zu den 96.000 Euro, die das zunächst kosten würde, kämen zusätzliche Gelder für eine Bauleitung hinzu.

Mit der nun beschlossenen Minimalvariante nutzt die Gemeinde Reservekapazitäten an der Landkreis-Trasse, weshalb die Kabeltrassen und Verteiler für den Anschluss von Rathaus und Gemeindehalle den Haushalt insgesamt nur mit 6.000 Euro belasten. Ansonsten erfolgt in Loffenau keine weitere Mitverlegung.

Damit steht man im Landkreis bei weitem nicht alleine da. Kämmerin Daniela Tamba hat im Gemeinderat eine Auflistung des Landratsamts präsentiert, wonach in folgenden Kreiskommunen ebenfalls keine Mitverlegung erfolgt: Kuppenheim, Durmersheim, Ötigheim, Bischweier, Iffezheim Forbach, Gaggenau; eine Teilmitverlegung findet in diesen Gemeinden statt: Muggensturm, Steinmauern, Bühlertal, Bietigheim, Elchesheim-Illingen, Hügelsheim, Weisenbach und Gernsbach.

Murgtäler vielerorts enttäuscht

Die Papiermacherstadt zum Beispiel nutzt die Chance der Mitverlegung der entsprechenden Infrastruktur in der Nordstadt und finanziert den Ausbau mit einem Kostenvolumen von 120.000 Euro. Die Baukosten für den Anschluss der städtischen Einrichtungen (allen voran die Stadtwerke in der Hillaustraße) schlagen mit 100.000 Euro zu Buche, 20.000 Euro werden zur Verfügung gestellt für die Mitversorgung privater Grundstücke, die im direkten Bereich der Glasfasertrasse liegen.

Während sich also die Bürger dort über baldiges Turbo-Internet freuen können, schieben sie andernorts Frust. Zum Beispiel in Obertsrot, wo es zuletzt im Ortschaftsrat Stimmen der Enttäuschung gab. Es sei nicht zu verstehen, dass die Hausanschlüsse außen vor bleiben, obwohl die Obertsroter Straße im Zuge der Tassenarbeiten des Landkreises sowieso schon aufgegraben wurde. Die Stadt aber möchte mit Blick auf die auch in Gernsbach angespannte Haushaltslage auf etwaige Fördermittel des Bundes warten, ehe weitere Ausbauaktivitäten in die Wege geleitet werden. Das kann aber dauern. Bisher waren die Anbindungen eines Orts sowie von Gewerbegebieten und Schulen an das Backbone-Netz förderfähig. Dafür gibt es 50 Prozent Zuschuss vom Bund und noch einmal 40 Prozent vom Land. Dieses Förderprogramm wird vom Eigenbetrieb Breitbandversorgung im Landkreis Rastatt genutzt. Nicht nur im Murgtal werden die Kommunen ein Auge darauf haben, welche weitergehenden Zuschussmöglichkeiten sich für sie auftun.

„Wir sind im Kernort noch gut versorgt über Vectoring“, zeigt sich Loffenaus Bürgermeister Markus Burger erleichtert, um nachzuschieben: „Aber irgendwann wird das auch nicht mehr ausreichen.“

In Loffenau kommen zusätzlich zur Schule und zum Gewerbegebiet zunächst nur das Rathaus und die Gemeindehalle in den Genuss des Turbo-Internets. Mehr kann sich die Gemeinde aktuell nicht leisten. Foto: Stephan Juch

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In Loffenau kommen zusätzlich zur Schule und zum Gewerbegebiet zunächst nur das Rathaus und die Gemeindehalle in den Genuss des Turbo-Internets. Mehr kann sich die Gemeinde aktuell nicht leisten. Foto: Stephan Juch


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