Mehr als eine Million Besucher

Baden-Baden (kam) – Die Pandemie trifft viele Sehenswürdigkeiten. Sie registrieren weniger Gäste. Der Nationalpark Schwarzwald hat dagegen erstmals die Marke von einer Million Besucher geknackt.

Die Daten nutzt der Nationalpark für sein Konzept der Besucherlenkung, das unter anderem wichtig ist für das Miteinander von Mensch und Natur. Foto: Daniel Müller/Nationalpark

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Die Daten nutzt der Nationalpark für sein Konzept der Besucherlenkung, das unter anderem wichtig ist für das Miteinander von Mensch und Natur. Foto: Daniel Müller/Nationalpark

Was haben der Nationalpark Schwarzwald und Schloss Heidelberg sowie die Insel Mainau gemeinsam? Das Schutzgebiet und die beiden attraktiven Sehenswürdigkeiten spielen bei der Besucherzahl inzwischen in einer Liga. Dabei hat der 2014 gegründete Nationalpark Schwarzwald erstmals die Jahresmarke von einer Million geknackt.

Basis für dieses Ergebnis sind Werte der jüngsten Besucherzählung sowie Daten der fest installierten Zählsysteme im künftigen Urwald zwischen Baden-Baden und Freudenstadt. Einen feinen Unterschied gibt es schon: In historischen Stätten und auf der Blumeninsel im Bodensee sank der Zuspruch zuletzt wegen Auswirkungen der Corona-Pandemie, der Nationalpark konnte hingegen trotz der Einschränkungen im öffentlichen Leben Steigerungen verbuchen. Der Trend ist eindeutig und auch in anderen Naherholungsgebieten zu erkennen: Die Menschen suchen in diesen Zeiten verstärkt Ausgleich in der freien Natur. Mit jahreszeitlichen manuellen Zählaktionen an bestimmten Tagen wie zuletzt Mitte Oktober prüft der Nationalpark Schwarzwald die Genauigkeit seines fest installierten Zählschrankennetzes, erläutert Dominik Rüede. Im Nationalpark ist er für das Besuchermonitoring zuständig.

Größter Andrang am Wochenende

Am 17. Oktober erfassten Helfer an insgesamt 68 Zählpunkten in dem rund 10.000 Hektar großen Schutzgebiet sechs Stunden lang alle vorbeikommenden Gäste. Unterm Strich waren es 8.600. Damit fällt dieser Oktobertag in die Rubrik eines sehr gut besuchten Tages im Nationalpark. Für Rüede spricht das Ergebnis aller erfassten Daten zudem eine klare Sprache: Das Interesse am Urwald von morgen hat weiter zugenommen. Für den Zeitraum zwischen Juli 2020 und Juni 2021 leitet er eine Gesamtbesucherzahl von 1,064 Millionen ab.

Im Vorjahreszeitraum lag der Wert bei rund 834.000, im ersten Erhebungsjahr bei 778.000. Am höchsten war das Besucheraufkommen stets am Wochenende sowie jeweils im Monat August. Höher als in den Vorjahren lag es zudem im November und Dezember vor einem Jahr – also zur Zeit des Corona-Lockdowns.

Besonders hoch in der Gunst der Nationalparkgäste stehen der Ende 2003 eröffnete Lotharpfad an der Schwarzwaldhochstraße zwischen Schliffkopf und Alexanderschanze und der Premium-Wanderweg Wasserfallsteig bei Oppenau. Beide Attraktion verbuchten im Zeitraum zwischen Juli 2020 und Juni 2021 rund 130.000 Besucher. Im Vorjahreszeitraum waren es etwa 100.000. Zuwächse gab es auch am Luchspfad am Plättig bei Baden-Baden und am Seibelseckle mit den Zugängen zum Dreifürstenstein und zur Hornisgrinde, dem höchsten Berg im Nordschwarzwald, sowie auf dem rund 900 Meter hohen Ruhestein.

Dort wurde im Sommer das Nationalparkzentrum eröffnet. Zahlen zu den Besuchern nennt der Nationalpark nicht. Sprecherin Franziska Lemoine begründet das auf Anfrage mit dem Hinweis, dass das Zentrum bislang noch nicht unter normalen Bedingungen in Betrieb war. Vor der dreiwöchigen Pause im November seien die unter Corona-Vorgaben zur Verfügung stehenden Kapazitäten der zentralen Anlaufstelle des Nationalparks jedoch oft ausgebucht gewesen.

Die Herbstzählung vermittelte zudem einen Eindruck vom Einzugsgebiet des einzigen baden-württembergischen Nationalparks. Etwa 50 Prozent der geparkten Fahrzeuge führten ein Kennzeichen aus der Nationalparkregion mit den Landkreisen Freudenstadt und Rastatt sowie dem Ortenaukreis und dem Stadtkreis Baden-Baden. Etwa ein Drittel der Wagen kamen aus dem restlichen Teil von Baden-Württemberg, etwa 15 Prozent aus anderen Bundesländern und rund fünf Prozent aus dem Ausland.

Die erfassten Daten der Besuchererhebungen nutzt der Nationalpark auch als Grundlage für sein Konzept der Besucherlenkung. Beliebte Wege können attraktiv gehalten und beworben werden, erläutert die stellvertretende Leiterin Britta Böhr. Andere Bereiche könnten dagegen ruhiger bleiben. Das sei wichtig für das Miteinander von Mensch und Natur.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Bernd Kamleitner

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Erstellt:
15. Dezember 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

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