„Meine Gastronomen wünschen sich eine sofortige Ausgangssperre“

Murgtal (mm) – Gastronomieberater Jörg Marschner aus Gaggenau stellt sich den Fragen des Badischen Tagblatts zur aktuellen Krisen-Situation und betont: „Wenn der Großindustrie mit Milliarden geholfen wird, muss das auch bei Kleinunternehmern möglich sein!“

Jörg Marschner. Foto: pr

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Jörg Marschner. Foto: pr

Die Corona-Krise stellt die Gastronomie vor große Herausforderungen, auch im Murgtal ist der Fortbestand einiger Wirtschaften ungewiss. BT-Redakteur Markus Mack hat Gastronomieberater Jörg Marschner aus Gaggenau zur aktuellen Situation befragt. Marschner arbeitet für die Brennerei Scheibel in Kappelrodeck. Auf Wunsch schult er Personal oder moderiert entsprechende Veranstaltungen daheim in seiner „Geisterstube“ in Bad Rotenfels.

BT: Die Gastronomie ist durch die Corona-Krise stark eingeschränkt. Hilfe wird seitens der Regierung versprochen. Wie kann diese konkret aussehen?

Jörg Marschner: Steuersenkungen von 19 Prozent auf sieben Prozent (ähnlich wie bei den Hotelübernachtungen), Kurzarbeitergeld, Unterstützung bei Miete und Pacht oder Strom zum Beispiel; auch finanzielle Soforthilfen (etwa den Vorjahresgewinn geteilt durch die Wochen der Schließung minus 20 Prozent) wären eine denkbare Möglichkeit, die Betroffenen zu entlasten.

BT: Wenn den Gastronomen die finanziellen Rücklagen fehlen, können Einschränkungen für sie den wirtschaftlichen Ruin bedeuten. Was muss der Staat da unternehmen? Zudem brauchen auch Angestellte finanzielle Sicherheit. Wie kann diese gewährleistet werden?

Marschner: Lohnfortzahlung fürs Personal, damit das Personal erhalten bleibt für eine Wiedereröffnung. Zudem müsste es kostenfreie Darlehen geben. Die Angestellten müssen überleben können ohne neue Jobs zu suchen, die danach im Hotelfach noch dringender benötigt werden.

Steuersenkungen von 19 Prozent auf sieben Prozent

BT: Kredite oder Darlehen, sind das gangbare Wege? Die müssen ja irgendwann dann auch wieder zurückgezahlt und vorher erwirtschaftet werden?

Marschner: Für die „Kleinen“ nein, da Kredite oder Darlehen in der Anfangszeit der Wiedereröffnung nicht zurückbezahlt werden können, da in der Regel zunächst der Umsatz gering ist. Besser wäre zum Beispiel der Wegfall der Grundsteuer. Für Eigentümer und für Pächter wäre eine Pachthilfe toll.

BT: Die Gastronomie ist ein Stück Lebensqualität. Sehen Sie nach der Krise eine deutliche Beeinträchtigung der Angebote, wenn nur die „Großen“ und wirtschaftlich Starken überleben?

Marschner: Es kann nicht sein, dass der Großindustrie mit Milliarden geholfen wird und der „Kleinunternehmer“ die Zeche zahlt. Meine Gastronomen wünschen sich eine sofortige Ausgangssperre (vier bis sechs Wochen) für alle, damit der Virus stark eingedämmt werden kann. Vielleicht sind es dann nur wenige Wochen anstatt mehrere Monate Umsatzverlust.

BT: Sind Ihnen Überlegungen von Gastronomen aus der hiesiegen Region bekannt über drohende Geschäftsschließungen?

Marschner: Klar ist, Eigentümer können nicht so einfach aufgeben beziehungsweise müssen erhalten bleiben, Pachtbetriebe können leichter aufgeben.

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Erstellt:
20. März 2020, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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