Mensch und Roboter: Großes Thema der Kunst

Baden-Baden (cl) – Die Maschine nach menschlichem Ebenbild beschäftigt zurzeit Literatur, Kino und Kunst. Und Kazuo Ishiguro stellt im Roman „Klara und die Sonne“ die Frage nach echter Menschlichkeit.

Louisa Clements KI-Puppen ähneln ihr haargenau und bevölkern die Kunsthalle Gießen.  Foto: Rolf K. Wegst/Kunsthalle Gießen

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Louisa Clements KI-Puppen ähneln ihr haargenau und bevölkern die Kunsthalle Gießen. Foto: Rolf K. Wegst/Kunsthalle Gießen

Computer, digitale Technik, smarte Maschinen sind allgegenwärtig. Auch die Entwicklung einer Maschine nach menschlichem Ebenbild, der ewige Forscher- und Tüftlertraum, rückt dank künstlicher Intelligenz näher. Viele aktuelle Werke in Literatur, Hörspiel, Film und auch in der Kunst, nicht nur der Medienkunst, beschäftigen sich derzeit mit dem Thema. Dabei stellt sich die Frage nach der Menschlichkeit, danach, was das Menschsein ausmacht, und was unser Umgang mit künstlichen Wesen über uns Menschen aussagt.

Im Roman „Klara und die Sonne“ des japanischen Literatur-Nobelpreisträgers Kazuo Ishiguro ist die Erzählerin ein Androiden-Mädchen – Klara ist eine fast schon „menschliche“ KF, die darauf programmiert ist ganz besonders einfühlsam und empathisch zu sein. Sie soll der einsamen, kranken Josie eine treue Freundin auf Zeit sein – aber Klaras hohe Erwartungen an die Menschen werden nicht erfüllt.

In Japan werden, anders als in Europa, humanoide Roboter bereits in der Pflege eingesetzt, in den Kinderzimmern haben computergestützte Spielsachen fast schon selbstverständlich Eingang gefunden. Auch bei uns ist der menschlich wirkende KI bereits real. So soll die nächste Generation etwa der am Karlsruher KIT beheimateten humanoiden Armar-Roboter in naher Zukunft das Klinikpersonal im Krankenhaus unterstützen und bereits Patienten vom Empfangsbereich zu den Stationen führen.

Der Schriftsteller Ishiguro entwirft eine Welt, die KI noch viel weitergehender, partnerschaftlicher nutzt: als Begleiter für Heranwachsende und sogar, das wird nie ausgesprochen, aber stets angedeutet, wird der Mensch mit digitaler Technik optimiert: Sprich in der gehobenen Bürgerschicht ist es Usus dem eigenen Nachwuchs mittels in den Kinderhirnen implantierten Optimierungschips intelligenter zu machen und ihnen bessere Noten damit bessere Zukunftschancen zu ermöglichen. Aber die Eingriffe gehen nicht immer gut aus. Einige Kinder werden schwer krank, sterben – und da wäre eine KF wie Klara als Ebenbild und Ersatzkind denkbar. Sein ungeheuerliches Romanthema behandelt Ishiguro gar nicht reißerisch, sondern mit beeindruckender Zurürkhaltung und berührender Schilderung – in der am Ende KF Klara „humaner“ erscheint als die menschlichen Protagonisten. Kazuo Ishiguros nachdenkliches Roboter-Mädchen Klara jedenfalls geht einem am Ende des Romans nicht mehr aus dem Kopf.

Maria Schraders Film testet den Androiden für die Partnervermittlung

Die philosophische und gesellschaftspolitische Seite der KI-Forschung behandelt auch der Film. In Sandra Wollners Debütfilm „The Trouble with Being Born“, der jetzt neu ins Kino kommen soll, lebt ein Mann mit der Nachbildung seiner vor zehn Jahren verschwundenen Tochter, was bald verstörende Züge annimmt. Die Fake-Tochter Elli wird in dem deutsch-österreichischen Spielfilm, der bereits im Februar 2020 auf der Berlinale Premiere feierte, von ihrem Erbauer Georg beinahe fanatisch geliebt, ehe sie eines Tages spurlos in den Wald verschwindet, wo dereinst auch seine echte Tochter verloren ging.

Die Regisseurin und Schauspielerin Maria Schrader geht in ihrem neuen Film „Ich bin dein Mensch“ das Thema nicht ganz so düster, sondern als Alternative zur Partnervermittlung. Eine Frau testet den Prototypen eines Androiden, der als perfekter Beziehungspartner auf den Markt kommen soll, aber noch Macken hat. Schrader romantische Komödie über künstliche Intelligenz und den idealen Freund und Liebhaber lief im vergangenen Februar im Hauptwettbewerb der Berlinale.

Die Künstlerin Louisa Clement spielt mit der glatten Oberfläche, die so mancher Instagramm-Nutzer seiner Netz-Persönlichkeit sozusagen „aufgehübscht“ verleiht – und führt den Gedanken weiter aus. Sie hat Puppen nach ihrem Ebenbild bauen lassen – dichtes dunkelblondes Haar, ähnliche Statur – und sie mit Informationen über sich selbst gefüttert. Clements Doubles können auch sprechen, den Kopf bewegen und das Gesicht verziehen. 20 kleine Motoren steuern die Mimik und können lernen, sich so von ihrer Schöpferin zu emanzipieren. Clements Ausstellung „Double Blind“ läuft bis 11. Juli in der Kunsthalle Gießen.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
22. Juni 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 54sec

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