Menschen aus der Region erinnern sich an David Bowie

Von Katrin König

Bühl/Baden-Baden (kkö) – Verneigung vor einer Stilikone der Rockpopszene: Verschiedene Menschen aus der Region erinnern sich an David Bowie, der am 8. Januar 75 Jahre alt geworden wäre.

Menschen aus der Region erinnern sich an David Bowie

•Wäre am 8. Januar 75 Jahre alt geworden: Der britische Musiker David Bowie. Foto: Markus Beck/dpa

David Bowie hat mit seinen Songs, seinem Charisma, seiner musikalischen Wandlungsfähigkeit und den schrillen Bühnenfiguren, die er jahrzehntelang kultivierte, Generationen geprägt. Sein Tod am 10. Januar 2016, zwei Tage nach seinem Geburtstag, hinterließ nicht nur in der Musikszene eine Lücke – Millionen von Fans trauerten um ihren Star. An diesem Samstag wäre David Bowie 75 Jahre alt geworden. In einer BT-Retrospektive schildern Menschen aus der Region, wie der Künstler sie berührte, beeinflusste und faszinierte.

Für Sänger, Produzent und Entertainer Marc Marshall (Foto: Katrin König) ist Bowie „ein absoluter Hero, ein Genie“. Leider sei er ihm nie persönlich begegnet. „Seine Persönlichkeit war mit so viel Mut, Kreativität und Neugier ausgestattet, dass er in der Lage war, immer wieder Epochales zu leisten.“ Für Marshall waren die ersten Berührungen mit dem Musiker Songs wie „All The Young Dudes“, den Bowie für die Band „Mott the Hoople“ schrieb, und seine enge Zusammenarbeit mit Marc Bolan von „T. Rex“, laut Marshall eine der ersten Glamrockbands, die großen Einfluss auf den Briten gehabt habe. Bis heute bewundert er Bowies Fähigkeit, sich zu mystifizieren. „Keinen Mainstream zu bedienen, sein Ding zu machen und am Ende genau den Geschmack von Millionen Menschen zu treffen, ist und bleibt eine Ohrfeige für Angepasstes und Langweiliges in der Entertainment-Branche.“ Als großartig wertet er auch, wie Bowie sich als „Act“ an die Börse brachte. Und einen ganz persönlichen Bezug schöpft Marshall aus einer zufälligen Begebenheit: „In den Jahren 1976 bis 1978 produzierte Bowie in den Hansastudios in der Köthenerstraße in Berlin, genau wie mein Vater Tony. Man stelle sich das einmal vor: Songs wie ‚Heroes‘ und ‚Schöne Maid‘ am gleichen Ort produziert – das ist doch eine grandiose Message.“

Der Bühler Sänger Peter Teichmann bezeichnet die Musik Bowies als „große Kunst“. Er habe „Heroes“ schon auf Deutsch gecovert - jenen Song vom erschütternden Kinoklassiker „Christiane F.: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ aus dem Jahr 1981. „Der Film fasst die sogenannten Berliner Jahre zusammen, in denen Bowie selbst drogenabhängig war. Er hatte ja auch eine Kneipe in Berlin, die er ‚Bowie‘ nannte. Jene Zeit mit Iggy Pop war wohl mit seine innovativste.“ Bowies Einfluss auf die Popkultur, resümiert Teichmann, sei enorm, vor allem habe er immer wieder experimentiert und sich neu erfunden.

Wenn Moderator Christian Simon (Foto: Sebastian Herm) sich an Bowie erinnert, denkt er zuerst an dessen Kult-Hit „Heroes“, an das Video „Dancing In The Street“ mit Mick Jagger und an Bowies Berliner „Underground-Zeit“. „Ich habe in den Jahrzehnten meiner Fernseh– und Radiozeit viele Weltstars kennengelernt, leider nicht David Bowie. Allerdings habe ich viel über ihn gehört.“ Paul McCartney, mit dem Simon 15 Jahre zusammenarbeitete, habe zum Beispiel über ihn gesagt: „David war ein großer Künstler, ein Star, und ich erinnere mich an die unvergesslichen Momente, die wir zusammen erlebten. Seine Musik spielt eine wichtige Rolle in der britischen Musikgeschichte, und ich denke mit Stolz an ihn und seinen großen Einfluss, den er auf die Menschen in aller Welt ausübte.“ Dem schließt Simon sich an, denn: „Bowie prägte Stationen der populären Musik. Wie sein Äußeres veränderte sich auch immer wieder sein Sound. Er ist ein Stück Zeitgeschichte und eine Stilikone der internationalen Rockpop-Szene.“

Aus Sicht von Matthias Kugler (Foto: Stephanie Schweigert) von der SWR3-Musikredaktion gehört Bowie zu den einflussreichsten und am stärksten stilprägenden Musikern der Popmusikgeschichte – vor allem, weil er sich immer wieder neu selbst inszeniert habe. „Und er war ein künstlerisches Jahrhunderttalent: Sänger, Songwriter, Multi-Instrumentalist, Produzent, Maler und Schauspieler.“ Musikalisch, so Kugler, habe Bowie so ziemlich alles ausprobiert: Glam-Rock und Hippie-Songs, Soul, Heavy Metal und Pop. „Ohne ihn hätte es vielleicht nie Punk, New Wave oder Gothic Rock gegeben. Und was ich auch sehr eindrucksvoll fand an ihm: Wie er sich optisch verändert hat. Mal gab er den Außerirdischen Ziggy Stardust, dann den bleichen ‚Thin white Duke‘ oder den Astronauten ‚Major Tom‘. Und er hatte definitiv Stil – was seine Kleidung wie auch was seine Frisuren anging.“ Kugler prägte besonders Bowies Zeit in den 80ern, weil er mit damaligen Songs und Hits wie „Let’s Dance“, „China Girl“ oder „Absolute Beginners“ aufwuchs. „Als Teenager fand ich seine Musik faszinierend. Irgendwie unnahbar und oft kühl, aber trotzdem unglaublich kreativ und anziehend. Viele Kritiker bezeichnen jenes Jahrzehnt als sein musikalisch schwächstes: Ich nicht!“ Natürlich schätze er zudem Bowies Frühwerk und seine „Berliner Phase“. „Auch seine späten Jahre bis zu seinem Tod waren voller Genialität und Tiefe. Musik hat aber stets mit Emotionen und Erinnerungen zu tun. Und wenn ich heute zum Beispiel ‚This Is Not America‘ höre, ein Lied voller Melancholie und Schönheit, das er 1985 zusammen mit der Pat Metheny Group veröffentlichte, wird mir klar: David Bowie fehlt. Der Musikwelt und der Menschheit.“

Rockgitarrist Sebastian Dracu (Foto: Ronny Krautz) ist absoluter Bowie-Fan. Dessen Musik, sagt er, sei unglaublich umfang- und facettenreich. „Die vielen Alben spiegeln verschiedenste Seiten von ihm selbst als auch verschiedenste Musikstile wieder.“ Besonders Bowies rockige Zeiten gefallen Dracu. „Diamond Dogs“ oder auch „Rebel Rebel“ seien „verdammt gute Rocksongs“. Darin zeige sich durch den Sound von Gesang, Stromgitarre und Schlagzeugbeats wohl „die“ klare Linie in Bowies Lebenswerk. „Ungebändigte Power, Freiheit und Freigeistigkeit. Bowie hat es nie wirklich interessiert, wie andere Rockmusik machen. Selbst in seinen poppigeren Phasen hat er es beibehalten, so unverfälscht wie möglich zu sein.“ Das, befindet Dracu, sei gerade heute „wie ein Diamant in einem Haufen Kuhmist“. Kein anderer großer Weltstar „könnte, dürfte und würde sich das erlauben“.

Zu Bowies Einfluss auf die Popkultur sagt er: „Wenn die aus der Provinz nach Berlin gezogenen Hipster-Kiddies sich zum Partymachen glitzernde Lamettastreifen ins Gesicht kleben, haben wir das Bowie zu verdanken. Er hat in den letzten fünf Jahren ein wahres Revival erlebt, von seinem Emoji bis zu T-Shirts. Dieser widerliche Ausverkauf wird aber seiner Bedeutung nicht gerecht.“ Dracu erinnert sich noch an seinen ehemaligen Professor für populäre Musik: „Er nannte Bowie den wahrscheinlich bedeutungsvollsten Popstar überhaupt. Androgyn, kontrovers, ein musikalisches Genie, eine Modeikone.“ Bowie habe zudem neue Werte in das Herz der Gesellschaft transportiert, etwa die Infragestellung der eigenen Sexualität. „In seiner Zeit ein starkes Stück.“ Bowie sei ein Popstar, wie man ihn sich heute nicht mal mehr erträumen könnte, sagt er, und wünscht: „Alles Gute zum 75. Geburtstag nach oben in die Sterne!“