Mercedes-Benz: Wohin rudert das Werk in Rastatt?

Rastatt (tas) – Die Arbeitnehmervertreter im Gesamtbetriebsrat sind derzeit in Gesprächen über „Zielbilder“ an den deutschen Standorten involviert.

Die A-Klasse Limousine läuft seit 2019 in Rastatt vom Band: Unternehmenschef Ola Källenius sieht die Zukunft aber eher im Luxussegment. Foto: Mercedes-Benz

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Die A-Klasse Limousine läuft seit 2019 in Rastatt vom Band: Unternehmenschef Ola Källenius sieht die Zukunft aber eher im Luxussegment. Foto: Mercedes-Benz

Der Verbrenner war das Lebensargument für die Kompakt-Modelle von Mercedes-Benz, doch mit der zunehmenden Elektrifizierung der Fahrzeugflotte werden die leichteren und sparsameren Modelle in der Produktpalette des Stuttgarter Autobauers immer unwichtiger, um die vorgegebenen Ziele in der CO2-Bilanz zu erreichen.
Das ist eines der Argumente von Mercedes-Chef Ola Källenius, sich künftig mehr auf Luxusautos zu konzentrieren. Doch Luxusautos sind genau das, was im Mercedes-Benz-Werk Rastatt nicht produziert wird. Der mittelbadische Standort ist die Wiege der kompakten A- und B-Klasse und das Führungswerk im globalen Produktionsnetzwerk für Kompaktfahrzeuge.

Wohin also rudert das Werk künftig, und was bedeutet das für die rund 6.500 Beschäftigten vor Ort? Klar ist: Im Einstiegssegment soll die Zahl der Karosserievarianten von sieben auf vier sinken, dafür aber soll die Technik der Modelle aufgewertet werden.

Noch nichts konkret

„Im Moment gibt es viele Interpretationen“, sagt Murat Sür, der Betriebsratsvorsitzende des Rastatter Standorts, gegenüber dem Badischen Tagblatt. Egal, wohin der Konzern steuere, „wir werden als Arbeitnehmervertreter alles versuchen, um zukunftsfähig zu sein, um die Beschäftigung am Standort zu sichern.“ Die Arbeitnehmervertreter im Gesamtbetriebsrat seien derzeit in Gesprächen über „Zielbilder“ an den deutschen Standorten involviert. Hier gebe es aber noch nichts Konkretes zu berichten.

Konkreter wird auch Källenius bisher nicht. Auf die Frage, ob A-und B-Klasse auf mittlere Sicht auf der Streichliste des Konzerns stehen, gibt der Mercedes-Boss keine klare Antwort. „Ich überlasse den Rest ihrer Vorstellungskraft“, sagte er in dieser Woche vor Journalisten. In den Medien wird schon länger über ein mögliches Ende der beiden Kompaktklassen spekuliert, und die Produktionserfahrungen der vergangenen zwei Jahre untermauern diese Sichtweise.

Bänder stehen immer wieder still

So sorgen beispielsweise die anhaltenden Lieferkettenprobleme in der Automobilindustrie, die Verknappung auf dem Markt für elektronische Bauteile dafür, dass die Bänder im Rastatter Mercedes-Benz-Werk immer wieder stillstehen, so auch in dieser Woche, aktuell wird aufgrund fehlender Halbleiter kein Fahrzeug produziert, Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit.

Priorität bei der Versorgung mit den knappen Komponenten haben derzeit die hochpreisigen Mercedes-Modelle wie S-Klasse, E-Klasse, Maybach, GLC oder AMG GT. Schon deshalb, weil sie unter dem Strich höhere Gewinne abwerfen als die kompakten Modelle. Das zeigt auch der Blick auf die Bilanz des Unternehmens. Wegen der Chipkrise wurden im vergangenen Jahr zwar fünf Prozent weniger Autos abgesetzt als 2020. Der Gewinn jedoch explodierte geradezu, auch weil vor allem teure Premiummodelle ausgeliefert wurden.

Dass Källenius Lust darauf hat, mehr im Luxussegment aktiv zu sein und weniger bei den kompakten Einstiegsmodellen, hatte sich bereits ein halbes Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 angedeutet. Damals berichtete das „Handelsblatt“, dass zwei von vier Modellen, die am Standort Rastatt gefertigt werden, mittelfristig aus der Modellpalette gestrichen werden sollen. Källenius: „Wir sind ein Luxusunternehen.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

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Erstellt:
20. Mai 2022, 14:28 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 25sec

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