Mercedes EQC im BT-Test

Baden-Baden (fde) – Der Mercedes EQC ist das erste reine Elektroauto mit Stern. Dank intelligenter Routenplanung ist das E-SUV auch langstreckentauglich, wie der Test der BT-Motorredaktion zeigt.

In 5,1 Sekunden sprintet der Koloss aus dem Stand auf Tempo 100. Foto: Fettig

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In 5,1 Sekunden sprintet der Koloss aus dem Stand auf Tempo 100. Foto: Fettig

Schon auf den ersten Blick erkennen selbst weniger autoaffine Menschen, dass es sich beim Mercedes EQC um einen Vertreter der Elektrofraktion handelt. Und dazu hätte es nicht mal das verräterische E auf dem Kennzeichen gebraucht. Dabei sind die äußerlichen Unterschiede zum Plattform-Spender GLC gar nicht mal so groß, trotzdem hat der EQC gerade durch seinen markanten Kühlergrill mit seinem durchgezogenen LED-Leuchtband einen futuristischen Touch bekommen. Das erste reine Elektroauto mit Stern ist seit knapp zwei Jahren auf dem Markt. Die BT-Motorredaktion hat das Elektro-SUV getestet.

Exakt 258 Kilometer beträgt die Strecke vom Verlagssitz in Baden-Baden ins rheinland-pfälzische Mendig. Die Dienstreise ist die optimale Gelegenheit, die Langstreckenqualitäten des EQC zu testen. Reicht eine Akkuladung? Gibt es ausreichend Lademöglichkeiten unterwegs? Wie lange muss man für einen Ladestopp einplanen? All das sind Fragen, mit denen man sich bei einem E-Auto im Vorfeld längerer Ausfahrten zwangsläufig auseinandersetzen muss. Bei einem Verbrenner gibt es derartige Gedankenspiele nicht.

Werksangabe zum Verbrauch optimistisch

462 Kilometer gibt Mercedes auf dem Datenblatt als maximale Reichweite an. Ein Ladestopp ist auf der Ausfahrt demnach mindestens nötig. Wie so oft ist die Werksangabe allerdings nur theoretischer Natur: Rund 340 Kilometer sind laut Anzeige im volldigitalen Cockpit möglich. Die maximal mögliche Reichweite ist in der Praxis von mehreren Faktoren abhängig: Neben der individuellen Fahrweise und der gewählten Geschwindigkeit spielen auch das Streckenprofil (Stadt, Landstraße, Autobahn) und die Außentemperatur eine Rolle. Selbst der Einsatz von Klimaanlage oder Sitzheizung muss einkalkuliert werden und hat Auswirkungen auf den realen Verbrauch.

Der EQC wiegt knapp 2,5 Tonnen – allein die Batterie ist 652 Kilogramm schwer. Foto: Fettig

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Der EQC wiegt knapp 2,5 Tonnen – allein die Batterie ist 652 Kilogramm schwer. Foto: Fettig

Nachdem die Zielkoordinaten eingegeben sind, berechnet das Navi mithilfe der sogenannten Electric Intelligence eine möglichst effiziente Route inklusive nötiger Ladestopps. Schon auf der Hinfahrt plant das System einen kurzen Halt zum Aufladen ein. Das macht Sinn, schließlich geht es am Abend die gleiche Strecke wieder zurück.

Die 408 PS Systemleistung beschleunigen das 2,5 Tonnen schwere Gefährt (allein die 80-kWh-Batterie wiegt 652 Kilogramm) scheinbar mühelos in 5,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Ein ums andere Mal drückt es die Passagiere dabei in die Sitze. Spannend ist das Wissen um solch einen Blitzstart beispielsweise beim Abbiegen auf eine Landstraße und der Frage, die sich dabei häufig stellt: Reicht das noch? Bei so einem rasanten Antritt, den der EQC an den Tag legt, lautet die Antwort sehr oft: Ja! Auch bei Überholmanövern „fliegt“ der Wagen – sofern man es denn möchte – regelrecht am Vordermann vorbei. Erst ab Tempo 120 lässt es das Elektro-SUV ein klein wenig gemütlicher angehen, bei 180 Stundenkilometer ist Schluss. Die werkseitige Beschränkung ist sinnvoll, denn im höheren Geschwindigkeitsbereich sinkt der Akkustand doch rapide.

Rekuperationsleistung lässt sich einstellen

Um möglichst strategisch unterwegs zu sein, stehen mehrere Fahrprogramme zur Wahl: Neben „Sport“, „Comfort“ und „Eco“ gibt es „Max Range“, das auf eine maximal mögliche Reichweite ausgelegt ist. Bei dieser Einstellung hilft ein Widerstand am Fahrpedal dabei, nicht schneller zu fahren als nötig, um den nächsten Ladestopp oder das gewünschte Ziel auch wirklich zu erreichen.

Außerdem kann der Grad der Energierückgewinnung über die Schaltwippen hinter dem Lenkrad maßgeblich beeinflusst werden. Fünf Optionen sind möglich: Vom reinen Segeln bis hin zur starken Rekuperation, bei der das Bremspedal kaum noch zum Einsatz kommt. In der Praxis empfiehlt sich hier der Auto-Modus in Verbindung mit dem auf Effizienz ausgelegten Eco-Fahrprogramm. Mit dieser Einstellung und einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 120 km/h auf der Autobahn geht die Reise weiter Richtung Mendig.

Als äußert nützlich erweist sich unterwegs der Stauassistent, der Teil des aufpreispflichtigen Fahrassistenzpakets ist. Er ermöglicht im Zusammenspiel mit weiteren Helfern teilautomatisiertes Fahren. Ausreichend Abstand zum Vordermann halten, in der Spur bleiben, Geschwindigkeit ans derzeit gültige Limit anpassen: Bei all diesen Aufgaben bekommt der Fahrer von den Assistenten Unterstützung. Der Fahrkomfort ist nicht zuletzt dadurch durchweg hoch. Der EQC lässt sich scheinbar von nichts aus der Ruhe bringen. Von Fahrbahnunebenheiten oder Außengeräuschen bekommt man hinter dem Steuer jedenfalls wenig mit.

Im Cockpit unterscheidet sich der EQC nicht großartig von Mercedes-Modellen mit Verbrenner. Foto: Fettig

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Im Cockpit unterscheidet sich der EQC nicht großartig von Mercedes-Modellen mit Verbrenner. Foto: Fettig

Nach rund zwei Stunden Fahrt kommt die Erinnerung vom Navi: Zeit für einen kurzen Ladestopp. Zehn Minuten sind dafür vorgesehen. Da ausreichend Puffer ist, wird der Aufenthalt an einer Ionity-Schnellladesäule auf 20 Minuten ausgedehnt. Das reicht aus, um den Batteriestand um knapp 40 Prozent zu füllen. Wenn möglich sollten Schnellladesäulen stets vorgezogen werden. An einer Ladestation mit Wechselstrom (11 kW) vergehen immerhin 7,5 Stunden bis der EQC vollgeladen ist.

Um das zu unterstreichen, schlägt das Navi auf der Heimfahrt prompt einen Boxenstopp an der gleichen Station vor. Dieses Mal wird die Pause verdoppelt und der Akku in etwas mehr als 40 Minuten von 20 auf 88 Prozent geladen. Mit der Gewissheit, auf jeden Fall zu Hause anzukommen, wird die Reststrecke etwas flotter zurückgelegt. Knapp 30 kWh beträgt der Verbrauch am Ende des Langstreckentests. Im Stadtverkehr und beim täglichen Pendeln von zu Hause ins Büro ist ein Wert von 25 kWh möglich.

Außer dass man auf leisen Sohlen unterwegs ist und Strom tankt, ist beim EQC ansonsten gar nicht so viel anders im Vergleich zur Verbrenner-Flotte aus dem Hause Mercedes. Im Cockpit gibt es das bekannte MBUX-Kommunikationssystem mit zwei großen Displays und einer Vielzahl an Tasten und Schaltern. Wer bereits Mercedes gefahren ist, findet sich auf Anhieb zurecht und hat schnell vergessen, dass er in einem E-Auto sitzt. Die Verarbeitungs- und Materialqualität im Innenraum ist à la bonne heure. Das Platzangebot ist vorne wie hinten großzügig. Der Kofferraum fasst 500 bis maximal 1.460 Liter bei umgelegter Rückbank. Praktisch: Im Fach unter dem Ladeboden lassen sich problemlos die Ladekabel verstauen. Serienmäßig gibt es ein fünf Meter langes Typ-2-Kabel, das an einer Wallbox oder einer öffentlichen Ladestation zum Einsatz kommt. Fürs Stromtanken an einer Haushaltssteckdose braucht es ein Extra-Kabel. Doch von der Anschaffung ist abzuraten, dauert ein Ladevorgang auf diese Weise doch fast zwei ganze Tage.

500 bis maximal 1.460 Liter Stauraum bietet der Kofferraum. Foto: Fettig

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500 bis maximal 1.460 Liter Stauraum bietet der Kofferraum. Foto: Fettig

Abschließend noch ein Wort zum Preis: 71.280 Euro kostet der EQC in der Basisversion, die immerhin ganz gut ausgestattet ist. Trotzdem ist die Liste an Extras lang, die Preise stattlich. Der BT-Testwagen ist unter anderem mit einem Head-up-Display, Park-Paket mir 360-Grad-Kamera, elektrisch verstellbaren Fahrersitzen mit Nappa-Leder-Bezug, schlüsselloses Zugangssystem und AMG-Line-Paket aufgerüstet und kostet knapp 88.400 Euro. Gut zu wissen: Bis Ende des Jahres profitieren Käufer von einer Förderprämie in Höhe von bis zu 7.500 Euro.

Fazit

Der Praxistest zeigt: Auch größere Trips lassen sich im EQC problemlos zurücklegen, solange entsprechend Zeit für Ladestopps einkalkuliert wird. Die Routenplanung kann der Fahrer dabei dem intelligenten Navigationssystem überlassen. Ansonsten gibt es beim EQC reichlich Leistung und ein gewohnt hohes Komfortlevel.

Technische Daten

Mercedes EQC 400 4Matic

Antrieb: 2 Asynchron-Elektromotoren

Leistung: 408 PS

Max. Drehmoment: 760 Nm

0 - 100 km/h: 5,1 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h (abgeregelt)

Verbrauch: 20,1 kWh/100 km

CO2-Ausstoß: 0 g/km

Reichweite: 462 km

Leergewicht: 2.495 kg

Maße (L/B/H): 4,76 m/1,88 m/1,62 m

Basispreis: 71.280 €

Ihr Autor

BT-Redakteur Dennis Fettig

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Erstellt:
10. April 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 34sec

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