Mergen tritt in zweitem Wahlgang nicht mehr an

Baden-Baden (nof) – Paukenschlag im OB-Wahlkampf: Amtsinhaberin Margret Mergen (CDU) tritt im zweiten Wahlgang nicht mehr an. Das vermeldete sie am Dienstagmorgen auf Facebook.

Zieht die Reißleine: Oberbürgermeisterin Margret Mergen gibt ihre Bewerbung um eine zweite Amtszeit als OB auf. Foto: Andrea Fabry

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Zieht die Reißleine: Oberbürgermeisterin Margret Mergen gibt ihre Bewerbung um eine zweite Amtszeit als OB auf. Foto: Andrea Fabry

Margret Mergen zieht die Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden beim ersten Wahlgang am Sonntag, wo sie mit 24,7 Prozent der Stimmen abgeschlagen nur auf Platz zwei kam. Bei einer Neuwahl am 27. März tritt sie nicht mehr an. Das erklärte sie am Dienstagmorgen auf Facebook.

„Demokratie ist ein wertvolles Gut, das spüren wir aktuell mit Blick auf Russland und die Ukraine sehr schmerzhaft. Umso mehr tut die schwache Wahlbeteiligung in Baden-Baden weh. Demokratie heißt aber auch Wahlergebnisse anzunehmen und damit umzugehen“, hieß es dort weiter.

Von Wahlausgang überrascht

„Meinen Wählern und allen, die mich in meinem Amt in den vergangenen Jahren und im zurückliegenden Wahlkampf persönlich und fachlich unterstützt haben, sage ich ganz herzlichen Dank.“

Das Wahlergebnis am Sonntag habe sie überrascht: „Mit diesem enttäuschenden Wahlergebnis hatte ich nicht gerechnet.“ Sie verwies auf ihre Leistungsbilanz, die aber „in dieser außergewöhnlichen Wahl offenbar keine Rolle gespielt“ habe. „Das muss ich akzeptieren“, schrieb Mergen. Sie habe sich mit ihrem Mann dazu entschieden, im zweiten Wahlgang nicht mehr anzutreten.

Nur wenige Minuten zuvor hatte das Badische Tagblatt berichtet, dass die Grünen-Politikerin Bea Böhlen als neue Kandidatin in den Wahlkampf einsteigen will und sich um den Posten als Oberbürgermeisterin bewerben wird.

Sieger in der ersten Runde wurde der Muggensturmer Bürgermeister Dietmar Späth (parteilos) mit 39,6 Prozent der Stimmen. OB-Kandidat Roland Kaiser (Grüne) hat sich bislang nicht dazu geäußert, ob er sein Hut im Ring lässt. Er kam am Sonntag mit 24 Prozent auf Platz drei.

Kommentar: Grüne eiskalt getroffen

Von Harald Holzmann

Die Ereignisse überschlagen sich gerade in der Kurstadt: In der Nacht hat Grünen-Politikerin Beate Böhlen verkündet, dass sie im zweiten Wahlgang der Oberbürgermeisterwahl am 27. März antreten wird. Heute in aller Frühe hat die amtierende Oberbürgermeisterin Margret Mergen ihren Rückzug bekanntgegeben. Damit steht fest: Ihr Name wird am 27. März nicht mehr auf dem Stimmzettel stehen. Sonst ist aber alles wieder in Bewegung geraten.

Der Sieger des ersten Wahlgangs, der Muggensturmer Bürgermeister Dietmar Späth, sagte am Montag: „Das Spiel ist erst zu Ende, wenn abgepfiffen ist.“ Für Gratulationen sei es trotz seines satten 15-Prozent-Vorsprungs noch viel zu früh. Und er hatte recht damit, denn die langjährige Landtagsabgeordnete und Ratsfraktionsvorsitzende der Grünen Beate Böhlen hat das Zeug dazu, dem Mann aus Muggensturm noch einmal gefährlich zu werden. Sie ist gut vernetzt in der Stadt, war mehrmals Stimmenkönigin bei den Kommunalwahlen und hat einstmals der CDU das Baden-Badener Direktmandat für den Landtag abluchsen können. Sie dürfte viele Fans in Baden-Baden haben, die sich jetzt noch einmal genau überlegen werden, wo sie beim zweiten Durchgang ihr Kreuzchen machen.

Mergens Rückzug ist nur konsequent. Sie gesteht damit ihre Niederlage ein und macht den Weg frei für die von einer deutlichen Mehrheit der Wähler gewollten Veränderung an der Verwaltungsspitze. Nun bleibt die Frage, was Sozialbürgermeister Roland Kaiser macht. Der Kandidat der Grünen wurde heute früh so wie seine gesamte Partei von der Nachricht über Böhlens Kandidatur eiskalt getroffen. Zudem hat er in diesen Minuten gerade alle Hände voll zu tun mit der Koordination der Hilfe für die Ukraine-Flüchtlinge – es gibt halt auch noch wirklich lebenswichtige Probleme in dieser Stadt. Ob er überhaupt schon dazu gekommen ist, sich über sein weiteres Vorgehen Gedanken zu machen, ist fraglich. Durchaus möglich jedenfalls, dass auch er seine Kandidatur zurückzieht.

Das Vorgehen Böhlens offenbart aber, wie weit sich die ehemalige Grünen-Chefin entfernt hat von ihrer Partei in Baden-Baden. Parteivorstand und Fraktion hatten Kaiser den Vorzug gegeben vor Böhlen. Jetzt macht sie es eben alleine – und polarisiert damit mal wieder, wie sie es schon so oft getan hat während ihrer politischen Karriere in Baden-Baden. Mittlerweile ist die 55-Jährige seit zweieinhalb Jahren Bürgerbeauftragte des Landes. Sie habe in dieser Funktion dazugelernt und könne auch sehr gut vermitteln, betonte sie am Montagabend im Gespräch mit dieser Zeitung. Das wäre gut, denn wenn sie tatsächlich gewählt wird, dann wird es eine Menge Vermittlungsarbeit zu leisten geben in Baden-Baden, um die tiefen politischen Gräben, die nun auch sie aufgerissen hat, wieder zu verfüllen.

In der Nacht hatte Beate Böhlen (Grüne) gegenüber dem BT erklärt, dass sie im zweiten Wahlgang kandidieren möchte:

Beate Böhlen will beim zweiten Wahlgang antreten

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
15. März 2022, 09:04 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 14sec

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