Metallskulptur mit lyrischer Komponente

Bühl (jo) – Ein Paravent aus Stahl und Glas für die Lyrik: Barbara Laskowski gestaltet das siebte Kunstwerk der Bühler Artothek mit einem Gedicht, das sie selbst verfasst hat.

Auf dieser Schreibmaschine hatte Barbara Laskowski bereits die Ur-Version ihres Gedichts, das nun zum Kunstwerk wird, verfasst.  Foto: Joachim Eiermann

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Auf dieser Schreibmaschine hatte Barbara Laskowski bereits die Ur-Version ihres Gedichts, das nun zum Kunstwerk wird, verfasst. Foto: Joachim Eiermann

Der Alternative Kulturverein (AKV) erweitert seine Artothek „Mobile Kunst“ in der Bühler Innenstadt. Siebter Beitrag der regionalen Kunstszene ist eine Metallskulptur mit lyrischer Komponente. Zwei Stahlplatten und eine dicke Milchglasscheibe bilden dabei eine Stellwand für ein Gedicht der Bühlerin Barbara Laskowski. „Lyrikparavent“ hat die Verfasserin der Verse ihr Werk betitelt, das auf seinen Abruf zum Aufbau wartet.
Den Zeitpunkt der Aufstellung bestimmt die Stadt, die die Installationsarbeiten übernimmt. Auch der Standort ist noch nicht endgültig festgelegt. Laskowski favorisiert die kleine Grünanlage zwischen Dreher- und Poststraße in der Passage zur Buchhandlung Leseinsel. „Von den Proportionen her passt es dort gut hin.“ Etwa drei Meter breit und 1,50 Meter hoch sind die Ausmaße des dreiteiligen Paravents, der im Boden fest verankert wird.

In beiden Stahlplatten sind geschwungene Formen eingelassen, was an eine künstlerische Gestaltung denken lässt. Doch weit gefehlt: Ein Werkstattmeister hatte diese Teile benötigt und mit dem Laserstrahl herausgeschnitten. Der Rest landete nicht auf dem Schrott, sondern im Hausflur der Dichterin. „Mensch, Barbara, daraus könntest Du doch was machen!“, hat die Beschenkte noch die Worte des zwischenzeitlich verstorbenen Freundes im Ohr.

Die Vergänglichkeit gab denn auch – unter dem Aspekt des Klimawandels – den Ausschlag. Die Glaswand dient als Plattform für ein apokalyptisches Gedicht, das sie vor vielen Jahren bei der Aktion „Kunst(t)raum“ vor einer Videokamera auf einer Schreibmaschine tippte und nunmehr etwas abgewandelt hat. Ihre Wahl begründet sie damit: „Ich bin nicht sehr optimistisch, was die Zukunft der Erde betrifft. Es müsste ein großer Ruck durch die Menschheit gehen.“ Doch einen solchen vermag Laskowski nicht zu erkennen.

Sie ist sich sicher: „Die meisten Menschen werden nach Corona so weitermachen wie zuvor.“ Würde sich indes jeder in seinem Bereich zugunsten des Klimas etwas einschränken, „wäre dies für uns alle eine Verbesserung.“

Mit 15 das erste Gedicht verfasst

Ihre dichterische Ader hat der aus Bühl stammende Buchverleger Hubert Klöpfer entdeckt und gewürdigt. Nach einer Lesung im Rahmen der „Heimattage Baden-Württemberg“, die 2011 von der Zwetschgenstadt ausgerichtet wurden, kamen beide bei einem Glas Wein in der Mediathek ins Gespräch. Dieses setzte sich in Briefen fort. Der Tübinger bat, etwas von ihr lesen zu dürfen. Fortan wurde die Bühlerin in seinen großformatigen Gedichtekalender aufgenommen. Auch in der Ulmer Literaturzeitschrift „Konzepte“ war sie schon vertreten. Zusammen mit der Esslinger Malerin Meisie Arndt-Bauer brachte sie „Bilder & gedichte“ auf Postkarten heraus.

Mit 15 Jahren hatte sie ihr erstes Gedicht verfasst: eine Anklage gegen Erwachsene. „Meine Mutter war entsetzt.“ Die Kritik saß. Danach schrieb sie lange Zeit nur für die Schublade – bis zu den Ausstellungen des Bühler „Kunst(T)raums" in den 1990er Jahren, an denen sie partizipierte. „Schon als Grundschülerin hatte ich eine überbordende Fantasie“, erzählt Barbara Laskowski. „Die wird noch Schriftstellerin“, hörte sie die Klassenlehrerin zur Mutter sagen.

Stattdessen besuchte sie nach der Mittleren Reife und ersten beruflichen Gehversuchen die damals in Bühl frisch eröffnete Elly-Heuss-Knapp-Schule.

Sie absolvierte zudem ein Rhythmik-Studium, arbeitete an der Mooslandschule, danach zehn Jahre frei. Bis schließlich der Bühler Schülerhort ihr 24 Jahre lang zur Lebensaufgabe wurde: „Hier konnte ich alle meine Fähigkeiten und Begabungen einfließen lassen.“ Sie baute die Einrichtung nach pädagogischen Maßstäben auf und schuf für die Kinder ein familiäres Umfeld.

Hinzu kam ein Zehn-Stunden-Deputat in Schauspiel an der Bühler Musikschule. Deren damaliger Leiter wusste auch die Lyrik zu schätzen: „Bernd Kölmel hat mich immer wieder eingeladen, um bei Konzerten der Big Band und der Jazzcombo zu lesen.“

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Erstellt:
22. März 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
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