„Methusalem“-Pappeln werden bis zu 50 Meter hoch

Au am Rhein (mak) – „Auer Riesen“ werden die Hybridpappeln genannt, die am Rhein bei Au beeindruckend in die Höhe ragen. Die abgestorbenen Bäume bieten Lebensräume für Specht und Marder.

Auf 20 Meter Höhe bringt es dieser Baum, der keine Äste mehr hat. Foto: Markus Koch

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Auf 20 Meter Höhe bringt es dieser Baum, der keine Äste mehr hat. Foto: Markus Koch

Die Bäume sind mit bis zu 50 Metern nicht nur echte Riesen, sondern sind mit einem geschätzten Alter von etwa 150 Jahren auch die Methusalems unter den Bäumen im Auenwald. „Das ist ein Alter, das ich Hybridpappeln nie zugetraut hätte“, meint Heinz Wicht. Der einstige Leiter des Forstbezirks Rastatt ist zwar seit 2017 im Ruhestand, doch der Wald ist seine Passion. Und so ist er immer wieder unterwegs in den Rheinauen – sei es mit Studenten von der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg oder von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg, mit Forstexperten aus ganz Deutschland oder eben auch mal mit der Presse. Am Auer Kopf wurden vor rund 150 Jahren etliche Pappeln gepflanzt, was an sich genommen nichts Ungewöhnliches war. Ungewöhnlich war nur der Umstand, dass sie nicht nach 35 oder 40 Jahren gefällt wurden, was bis heute üblich ist. Warum sie nie der Säge zum Opfer fielen, weiß Wicht auch nicht. Zum Glück, denn die „Auer Riesen“ sind schon etwas Besonderes: „Sie zählen mit zu den ältesten Pappeln am Oberrhein“, betont der 69-Jährige. Auf einer Höhe von zwei Metern weist der Stamm eines schönen Exemplars einen Umfang von stolzen 6,50 Meter und einen Durchmesser von zwei Metern auf. Bei diesen Zahlen kommt bei Wicht wieder der Förster durch: „So ein Baum hat zwischen 60 und 70 Kubikmeter Holz, das wächst in anderen Wäldern auf einem Hektar“, verdeutlicht er die schiere Masse.

Bäume mit interessanter Historie

Hinter den Baum-Giganten steckt aber auch eine interessante Geschichte, die Wicht zu erzählen weiß. Pappeln wurden und werden gern gesetzt, weil sie schnell wachsen. Die ursprüngliche Wildform der Schwarzpappel wird in Deutschland in der Roten Liste als „gefährdet“ eingestuft. Die wichtigsten Ursachen sind die Vernichtung des natürlichen Lebensraums und eine genetische Vermischung mit der Hybridpappel, die großflächig in Plantagen angebaut wird. Vor mehr als 150 Jahren wurden Stecklinge der amerikanischen Schwarzpappel nach Deutschland eingeführt, die sich auf natürlichem Weg mit der europäischen Schwarzpappel kreuzten. Fertig war die Hybridpappel, die wie alle Hybridpflanzen in der ersten Generation ein überdurchschnittliches Wachstum aufweist. Deshalb wurden deren Stecklinge immer weiter vermehrt und gesetzt. „Ein weiterer Vorteil der Hybridpappel war, dass sie nicht so krankheitsanfällig war“, führt Wicht weiter aus. Das Hauptwachstum der Pappel findet bis zum 30. Jahr statt, danach verlangsamt es sich immer mehr. Einige der zehn Auer Riesen haben im Laufe der Jahrzehnte nicht nur große Äste und Zweige, sondern auch ihre ganze Baumkrone verloren. Doch auch in ihrem optisch wenig ansprechenden Zustand bieten sie immer noch Lebensraum für etliche Tiere. Zunächst klopfen sich Spechte Löcher in den Stamm, die nach dem Abflug des Specht-Nachwuchses gern von der Hohltaube und der Turteltaube genutzt werden. Und auch der Baummarder hat seine Freude an einem großen Spechtloch. Des Weiteren bietet die grobe Rinde mit ihren Spalten ein beliebtes Tagesversteck für Fledermäuse, erläutert Wicht. Der Forstfachmann, der von 1988 bis 2017 den Forstamtsbezirk Rastatt leitete, hatte bei den Orkanen „Wiebke“ und „Lothar“ die Befürchtung, dass die betagten Baumriesen den Naturgewalten zum Opfer fallen. Doch glücklicherweise passierte nichts dergleichen.

Diese Pappel ist gesund und rund 50 Meter hoch. Foto: Markus Koch

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Diese Pappel ist gesund und rund 50 Meter hoch. Foto: Markus Koch

Fauna und Flora in den Rheinauen sind geschützt. Foto: Markus Koch

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Fauna und Flora in den Rheinauen sind geschützt. Foto: Markus Koch

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Erstellt:
17. Oktober 2021, 19:00 Uhr
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