Metzler-Verlagsarchiv nach Marbach

Stuttgart/Marbach (sr) – Archive erwachen zum Leben, wenn sich Menschen für sie interessieren: Im Literaturarchiv Marbach können Papiere der großen deutschen Literaturverlage eingesehen werden.

Blick in den Ausstellungsraum des Deutschen Literaturarchivs in Marbach: Hier sind auch die Archive der meisten großen Literaturverlage Deutschlands für Forscher zugänglich. Foto: Ferdinando Iannone/dpa/picture alliance

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Blick in den Ausstellungsraum des Deutschen Literaturarchivs in Marbach: Hier sind auch die Archive der meisten großen Literaturverlage Deutschlands für Forscher zugänglich. Foto: Ferdinando Iannone/dpa/picture alliance

Einer der ältesten Verlage Deutschlands, der in Stuttgart ansässige Verlag J. B. Metzler, hat sein Archiv als Schenkung nach Marbach gegeben. Im dortigen Deutschen Literaturarchiv (DLA) werden seit der Gründung dieser bedeutenden Institution die „kostbarsten Quellen der Literatur- und Geistesgeschichte“ gesammelt und der Forschung zugänglich gemacht. Die Übernahme des bedeutenden Stuttgarter Verlags Cotta war 1955 ein entscheidender Impuls für die Gründung des Literaturarchivs, das seither kontinuierlich steigende Benutzerzahlen registriert.

Seitdem sind viele Verlagsarchive dazugekommen, die meisten der auf belletristischem Gebiet tätigen Verlage sind im DLA mit den schriftlichen Zeugnissen ihrer Historie vertreten. So etwa die Häuser Claassen, Deutsche Verlags-Anstalt, S. Fischer, Kippenberg/Insel, Langen-Müller, Luchterhand, Piper, Rowohlt, Lambert Schneider oder Suhrkamp. Die Marbacher Sammeltätigkeit konzentriert sich auf literarische Verlage mit vorwiegend deutschsprachigen Autoren.

Einsichten in geisteswissenschaftliche Entwicklung

Nun also das Metzler-Archiv. Es erlaube „Einsichten in mehr als drei Jahrhunderte geisteswissenschaftliche Entwicklung und zeigt zudem die Entstehung von großen Standardwerken, die die Zeiten überdauern“, sagt Sandra Richter, die Marbacher Direktorin. J.B. Metzler ist heute unter anderem durch seine handlichen Monografien bekannt, die mit wissenschaftlicher Genauigkeit, aber in pragmatischer Kürze alles Wissenswerte über bedeutende Autoren zusammenfassen.

Aktuell ist ein Handbuch zu Umberto Eco in der Produktion, das im Mai zum fünften Todestag des italienischen Allrounders erscheinen soll. Auch zu Thomas Bernhard, dessen 90. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, liegt bei Metzler ein aktuelles Handbuch vor. Ein dreibändiges, 1916 von Julius Zeitler herausgegebenes Goethe-Handbuch ist künftig in Marbach einzusehen – es markiert den Beginn der Reihe erfolgreicher Autorenhandbücher in diesem Verlag.

J. B. Metzler gehört mittlerweile zum internationalen Wissenschaftsverlag Springer Nature. Sein Signet ist ein springendes Pferd, das „Rössel“ wurde einst vom Stuttgarter Stadtwappen inspiriert.

Das Rössel als Verlagssignet

Was jetzt nach Marbach abgewandert ist, sind 18 Kisten voller Briefe, Verträge, Notizen und Bildern. Sie dokumentieren, so hieß es bei der Übergabe, „die programmatische Ausrichtung des Verlags seit 1950“. Gegründet wurde dieser Wissenschaftsverlag schon 1682 von Augustus Metzler. Doch ein Großteil seines Archives wurde 1943 bei einem Bombenangriff auf Stuttgart zerstört. Daher ist die Dokumentation lückenhaft. Zu den jetzt nach Marbach gegebenen Materialien gehören das Archiv aus den Jahren 1945 bis 2009, eine verlagshistorische Sammlung und die Produktionsbibliothek, die die frühe Verlagsgeschichte von der Gründung 1682 bis 1945 dokumentiert.

Darunter finden sich unter anderem Hefte, die der Stuttgarter Pfarrer und Schriftsteller Gustav Schwab im frühen 19. Jahrhundert mitherausgegeben hat, vor allem Übersetzungen griechischer und römischer Dichter. Schwabs Sammlung der „schönsten Sagen des klassischen Altertums“ gehört heute noch in jede Bibliothek.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sabine Rahner

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Erstellt:
1. März 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 19sec

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