Michelbach: Imkerei verbindet Generationen

Gaggenau (er) – Wenn das Wissen der Alten die Jungen begeistert: Von Otto Weber (87) hat Moritz Rieger (29) die Grundlagen der Imkerei gelernt.

Otto Weber und Moritz Rieger vor einem alten Bienenhaus aus dem Jahr 1959. Foto: Manfred Vogt

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Otto Weber und Moritz Rieger vor einem alten Bienenhaus aus dem Jahr 1959. Foto: Manfred Vogt

„Ein Bienenvolk ist im Grunde wie ein einziges Tier, wie ein einziger Organismus. Eine Biene allein ist nicht lebensfähig. Und jede hat, entsprechend ihrem Alter, ihre spezielle Aufgabe“, erklärt Moritz Rieger. Im Gespräch lässt sich die Faszination erahnen, die der 29-jährige Michelbacher mit den nützlichen Tieren verbindet. Seit sechs Jahren hält er auf Streuobstwiesen Bienen. Vieles von seinem Fachwissen hat Moritz Rieger von dem 87-jährigen Michelbacher Otto Weber bekommen, der selbst ein leidenschaftlicher Imker ist.

Vor etwa sechs Jahren entdeckte Rieger sein Interesse für die Bienen. Schon davor war er immer wieder mit dem Thema in Berührung gekommen. Zum einen züchtete ein benachbarter Wiesenbesitzer seines Opas Bienen, zum anderen ist Otto Weber der Opa seines besten Freundes.

Als Moritz hörte, dass eine Nachbarin seiner Großeltern mit der Imkerei aufhören und ihm ihr letztes Bienenvolk schenken wollte, quasi als Grundstock für eine eigene Bienenzucht, wandte sich der damals 23-Jährige an Otto Weber. Zusammen holten sie das Bienenvolk ab. Der erfahrene Imker stellte ihm die erste Ausstattung, zeigte ihm im Spätjahr, wie man die Bienen mit Ameisensäure gegen die Varroamilbe behandelt und kontrollierte mit ihm auch das Zuckerwasser im Bienenstock, das die Tiere brauchen, um über den Winter zu kommen.

Auch Bienen haben schlechte Tage

„Die ersten Wochen, die Otto Weber mich begleitet hat, waren sehr lehrreich für mich. Viele Anfänger haben ihr Wissen nur aus Fachbüchern und Lernvideos. Doch dadurch bekommt man nur ein Teilwissen. Wenn man sich nur darauf verlässt, geht die Bienenzucht meistens in die Hose“, warnt Moritz Rieger. „Gut ist es, wenn man einen erfahrenen Imker an seiner Seite hat.“ Zusätzlich tauscht er sich in einem Internetforum (www.imkerforum.de) mit Kollegen aus. Darüber hinaus schaut er sich Lehrvideos im Internet an.

Mittlerweile ist Rieger Besitzer von 25 Bienenvölkern. Jedes hat im Winter zwischen 5.000 und 6.000 Bienen, und kann sich im Frühjahr auf bis zu 60.000 Bienen vergrößern – wenn sie genug Futter haben.

„Dieses Frühjahr war für die Bienenzucht recht tückisch“, weiß Moritz Rieger. „Im März und April hatten die Obstbäume geblüht, es war teilweise verregnet, aber wir hatten weite Strecken schönes Wetter. Ein typischer Anfängerfehler ist, wenn man nach dem Entfernen des Winterfutters das Angebot an Nektar, Pollen und Honigtau, das die Bienen in den Stock eintragen, überschätzt und sie dadurch zu wenig Futter haben. Dann ist es klar, dass die Vergrößerung des Bienenvolks, also der sogenannte Aufschwung, ausbleibt.“ Ein anderer typischer Anfängerfehler passiert bei der Bekämpfung der Varroamilbe. „Unerfahrene Imker behandeln oft zweimal pauschal und denken, dass das Thema erledigt ist. Doch wenn man die Milben auszählt, stellt man manchmal fest, dass eine dritte Behandlung notwendig ist“, weiß Moritz Rieger.

In diesem Jahr ist der Ertrag mit acht Kilogramm Honig pro Volk deutlich geringer als 2020, als jedes seiner Völker 60 Kilogramm einbrachte. Doch schwache Ertragsjahre mindern seine Faszination nicht. „Wenn ich mich ihnen nähere und mir gleich die ersten zwei, drei Bienen um den Kopf fliegen, weiß ich schon, dass ihre Laune nicht ganz so gut ist. Wie Menschen haben auch Bienen gute und schlechte Tage.“

Ihr Autor

Elke Rohwer

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Erstellt:
19. September 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 39sec

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