Mihambo, Draisaitl und Triple-Bayern sind „Sportler des Jahres“

Baden-Baden (moe/ISK) – Die Preisverleihung für die „Sportler des Jahres“ hat unter strengen Hygienevorschriften im Baden-Badener Kurhaus stattgefunden.

Das Nonplusultra der nationalen und internationalen Fußball-Welt: Hier feiern die Bayern ihre 30. deutsche Meisterschaft. Foto: Kai Pfaffenbach/dpa

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Das Nonplusultra der nationalen und internationalen Fußball-Welt: Hier feiern die Bayern ihre 30. deutsche Meisterschaft. Foto: Kai Pfaffenbach/dpa

Zum 52. Mal wurden am Sonntagabend im Baden-Badener Kurhaus die „Sportler des Jahres“ ausgezeichnet – doch pandemiebedingt war in diesem Jahr nahezu alles anders. Die Preisverleihung fand in diesem Jahr ohne Gäste im Bénazetsaal und unter strengen Hygienevorschriften statt.

Bei der Wahl der Mannschaften räumten die Fußballer des FC Bayern München den nächsten Titel ab. Weitspringerin Malaika Mihambo wiederholte derweil ihren Vorjahressieg bei den Frauen. Auf den Plätzen folgten Golferin Sophia Popov und Bahnrad-Ass Emma Hinze. Bei den Männern lag Eishockey-Star Leon Draisaitl in der Gunst der Sportjournalisten vor Speerwerfer Johannes Vetter und Triathlet Jan Frodeno.

Leon Draisaitl – ein Löwe auf dem Eis

Im Eishockey-verrückten Nordamerika als „Most Valuable Player“, als bester und wertvollster Spieler der Profi-Liga ausgezeichnet zu werden, ist so etwas wie der Ritterschlag in der schnellsten Mannschaftssportart der Welt. Wenn dann dazu noch ein junger Bursche aus der „alten Welt“ herüberkommt und den Kosmos mit der schwarzen Hartgummischeibe schier auf den Kopf stellt, sind die Grundlagen für den Hype um einen neuen Superstar im rasanten Geviert in den Superdomes gelegt. So geschehen mit einem 25-jährigen Stürmer aus Köln mit dem für einen US-Guy unaussprechlichen Namen Leon Draisaitl.

Der Topscorer der Edmonton Oilers räumte jenseits des „großen Teichs“ an Trophäen – oder „Awards“, wie es in den Staaten heißt – alles ab, was es an individuellen Auszeichnungen für einen Mannschaftsspieler zu gewinnen gibt: Art-Ross-Trophy, Hart Trophy, Ted Lindsay Award. Was eigentlich nichts anderes besagt als Folgendes: Mitspieler, Gegenspieler und Experten sind einhellig der Meinung, dass es derzeit keinen besseren Spieler in der besten Liga der Welt gibt.

„Es ist ziemlich ungewöhnlich, dass ein Mannschaftssportler als Einzelsportler dominiert“: Leon Draisaitl. Foto: Vinnick/Getty Images/AFP

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„Es ist ziemlich ungewöhnlich, dass ein Mannschaftssportler als Einzelsportler dominiert“: Leon Draisaitl. Foto: Vinnick/Getty Images/AFP

Der junge Mann, dessen Vater Peter in den 80er und 90er Jahren als Spieler in Bundesliga und DEL sowie später als Trainer Eishockey-Kultur aus Tschechien nach Deutschland brachte, gilt als der individuell beste deutsche Spieler, der jemals in der National Hockey League die Schlittschuhe schnürte und den Schläger in die Hand nahm. Mit gerade mal 17 ging er in die kanadische Juniorenliga, kehrte nach einem Jahr von dort zurück und war den früheren Mitspielern in seiner Altersklasse um Längen überlegen.

Draisaitl hat seine Wurzeln nicht vergessen, obwohl er in der „Neuen Welt“ ein Ausnahmeathlet auf dem Eis und in den Medien ist. „Deutschland war mir immer sehr wichtig“, sagt er. Wann immer es der Terminplan der NHL zulasse, sei er deshalb „sehr gerne für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis“. Für ihn ist der Sportler des Jahres „eine großartige Auszeichnung als übergeordnete Veranstaltung für alle Sportarten“. Dass er in der engeren Wahl für das Voting am Sonntagabend sei, mache ihn „schon ein wenig stolz“, sagte er im Vorfeld, denn er habe natürlich mitbekommen, „dass es ziemlich ungewöhnlich ist, dass ein Mannschaftssportler als Einzelsportler dominiert“.

Jetzt wurde das Ungewöhnliche für ihn sogar wahr – er ist der „Sportler des Jahres 2020“, zwei Jahre, nachdem das Nationalteam sich als „Mannschaft des Jahres“ im Kurhaus feiern lassen konnte.

Malaika Mihambo – Ein Herz für Kinder

In einem ungewöhnlichen Jahr sollten auch ungewöhnliche Leistungen, ungewöhnliche Fähigkeiten oder ungewöhnliche Charakterzüge über die Wahl zum Sportler oder der Sportlerin des Jahres entscheiden. Das war den Juroren des Votings für 2020, nämlich den Mitgliedern des Verbands Deutscher Sportjournalisten (VDS), klar, als sie ihre Stimmen für eine 26 Jahre alte Frau abgaben, die sich – aus Mangel an Gelegenheiten – kaum durch besonders weite Sprünge in die Sandgrube, sondern durch ihr sehr großes Herz auszeichnete.

Malaika Mihambo, im vergangenen Jahr schon als Weitsprung-Weltmeisterin mit dem Titel „Sportlerin des Jahres 2019“ gekürt, katapultierte sich mit ihrem in Zeiten der Pandemie neu gegründeten Verein „Malaikas Herzsprung“ mitten in Familien und in Kinderherzen hinein. Ihre florierenden Turnstunden im Internet auf Youtube, die sie gleich zu Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr initiiert hatte, entwickelten sich zum Hit und zum Renner im Netz.

Für viele Kinder schwebte Malaika Mihambo wie ein Engel übers Internet ins Wohnzimmer. Foto: Andersen/AFP

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Für viele Kinder schwebte Malaika Mihambo wie ein Engel übers Internet ins Wohnzimmer. Foto: Andersen/AFP

Angefangen hatte das Ganze bereits ein Jahr zuvor. Mit Präsenz-Sportstunden in ihrer alten Grundschule. Bewegungsfreude der Kinder dank ihrer Prominenz und den damit verbundenen Möglichkeiten zu fördern, das war und ist der „Herzsprung“-Initiatorin ein besonderes Bedürfnis. „In der Grundschule werden Grundlagen für die Bewegungsentwicklung von Kindern und für den verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt gelegt“, ist Sportlerin Mihambo überzeugt. Erst wenn ein Kind dazu in der Lage sei, sich und seine Umwelt bewusst wahrzunehmen, könne es auch „situationsgerecht entscheiden und handeln“, begründet die Weltmeisterin ihr Engagement. Das Wort Leistung nimmt die Leistungssportlerin dabei nicht in den Mund. Stattdessen spricht die Masterstudentin in Umweltwissenschaften vom bewussten Umgang mit der Umwelt.

Mit ihrem Verein will sie Kindern und Familien den Einstieg in die Leichtathletik einerseits sowie soziale Kontakte andererseits erleichtern, und das über den reinen Schulsport hinaus. Grundschüler erhalten von Malaika Mihambo eine einjährige kostenlose Mitgliedschaft in einem Leichtathletikverein am Wohnort. Für viele Kinder schwebte Mihambo jedenfalls wie ein Engel übers Internet ins Wohnzimmer. Und das nicht nur, weil ihr Vorname Malaika auf Swahili „Engel“ bedeutet.

Wahrhaftig eine würdige „Sportlerin des Jahres“ in besonders schwierigen Pandemie-Zeiten.

Ihr Autor

Moritz Hirn

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Erstellt:
20. Dezember 2020, 22:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 38sec

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