Mindestens ein Sonderflug am Tag

Rheinmünster (vo) – Bereits mehr als 4.000 Arbeitskräfte sind inzwischen am Baden-Airport gelandet. Im benachbarten Elsass herrscht deshalb Verärgerung.

Nach wie vor kommen regelmäßig Hilfskräfte aus Rumänien für die Landwirtschaft am Baden-Airport an. Foto: F. Vetter

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Nach wie vor kommen regelmäßig Hilfskräfte aus Rumänien für die Landwirtschaft am Baden-Airport an. Foto: F. Vetter

Der erste Sonderflug mit rund 100 Erntehelfer aus Rumänien an Bord, der am 9. April auf dem Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (FKB) landete, hatte aus verständlichen Gründen noch die ungeteilte Medienaufmerksamkeit. Schließlich kam die Öffnung der Grenze für die Saisonkräfte quasi auf den letzten Drücker und rettete den badischen Landwirten die Ernte von Spargel und Erdbeeren.

Täglich landet mindestens eine Maschine

Inzwischen sind bereits mehr als 4.000 Arbeitskräfte, vornehmlich aus Rumänien, über den FKB nach Deutschland gekommen, sagt Flughafen-Sprecherin Elke Fleig auf BT-Nachfrage. Immer noch landet täglich mindestens eine Maschine am Baden-Airport. Nach dem ersten Ansturm und den damit verbundenen Unwägbarkeiten bezüglich der Einhaltung von Einreise- und Hygienebestimmung wegen des Coronavirus, ist vor Ort am Flughafen ein Stück weit Routine eingekehrt.

„Das hat sich alles sehr gut eingespielt, die Abläufe klappen auch dank der guten Zusammenarbeit mit den Behörden und dem DRK“, sagt Fleig. Nach wie vor sind Bundespolizei sowie Rotes Kreuz im Auftrag des Gesundheitsamtes mit zahlreichen Kräften im Einsatz, wenn die Maschinen aus Sibiu, Iasi, Timisoara, Cluj, Targu Mures oder Bukarest landen. Aus diesen rumänischen Städten gibt es regelmäßig Sonderflüge von Condor, Eurowings und Pro Sky.

Einen Gesundheitscheck haben die Saisonkräfte bei ihrer Landung zwar bereits hinter sich – in Rumänien werden sie mit Blick auf das Coronavirus auf Auffälligkeiten hin untersucht. Außerdem sollen mit einem zwischen Deutschland und Rumänien abgestimmten Verfahren Kontaktketten für den Fall einer Infektion nachvollziehbar gemacht werden. Trotzdem gibt es nach der Ankunft am Baden-Airport eine weitere Gesundheitskontrolle, ehe die Helfer von ihren Arbeitgebern abgeholt werden. Auch zuvor während des Flugs werden die Abstandsregeln eingehalten, denn der Mittelsitz bleibt jeweils frei. Bislang scheinen alle diese Maßnahmen zu fruchten, jedenfalls musste noch keinem Passagier wegen Anzeichen einer Covid-19-Erkrankung die Einreise verweigert werden.

Flugkosten übernehmen Arbeitgeber

Die Fluggesellschaften fliegen in Deutschland insgesamt sieben Airports mit Erntehelfern an Bord an. Bis zu jeweils 40.000 Kräfte in diesem und im kommenden Monat können nach einem Beschluss der Bundesregierung einreisen. Die Kosten dafür übernehmen ihre jeweiligen Arbeitgeber. Für manchen Landwirt kommt dabei – je nachdem, wie viele Kräfte er engagiert hat – ein erkleckliches Sümmchen zusammen. So ruft beispielsweise Condor für den einfachen Flug von Rumänien nach Deutschland Preise ab 240 Euro auf. Immerhin ist der Gesundheitscheck inclusive. In den vergangenen Jahren reisten die Helfer aber deutlich kostengünstiger mit dem Bus an.

Für den Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden sind die Sonderflüge in der derzeitigen Situation, in der der Flugbetrieb in Deutschland und Europa nahezu zum Erliegen gekommen ist, zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer. Denn nach einem ordentlichen Jahresstart mit nahezu 128.000 Passagieren im Januar und Februar, folgte im März wegen der Corona-Krise bereits ein gewaltiger Einbruch. Nur noch etwas mehr als 36.000 Passagiere konnten vom FKB aus reisen. Zum Vergleich: Im Jahr davor waren es 81.600 und damit mehr als doppelt so viele.

Kritik aus dem Elsass

So groß die Freude bei den badischen Landwirten über die kurzfristige Hilfe der Erntehelfer ist – im benachbarten Elsass stößt deren Ankunft auf Unverständnis und erhebliche Kritik. Denn die dortigen Landwirte stehen mit ihrer Ernte momentan ziemlich alleine da, weil nach wie vor eine strikte Ausgangssperre besteht. Die Landwirte müssen daher Lösungen auf lokaler Ebene suchen und rechnen mit erheblichen Ernteausfällen, wie der Eurodistrict Pamina kürzlich monierte. Er sprach dabei von erheblichen Zerwürfnissen in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

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Erstellt:
20. April 2020, 13:00 Uhr
Lesedauer:
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