Mischwald soll Klimawandel bestehen

Baden-Baden (hez) – Obwohl der Stadtwald mit den vergangenen Trockenjahren besser als viele andere Wälder in Deutschland zurechtgekommen ist, gab es auch hier spürbare Auswirkungen. Dies geht aus einem Bericht des Forstamts über den Waldzustand für die nächste Sitzung des Forstausschusses am heutigen Donnerstag hervor.

Verfärbte Nadeln: Auch Tannen haben an trockenen Standorten Probleme. Foto: Archiv/Reith

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Verfärbte Nadeln: Auch Tannen haben an trockenen Standorten Probleme. Foto: Archiv/Reith

Dürreschäden sind besonders bei extremen Standorten – und hier bei allen Baumarten – festzustellen. Sorgen bereiten speziell die Wälder in der Rheinebene auf sandig-kiesigen Böden. Hier sind etliche Buchen stark geschädigt oder abgestorben. Gerade die Sommer 2018 und 2019 hätten gezeigt, so das Baden-Badener Forstamt, dass neben der Fichte auch Buchen und zum Teil Eichen Schwierigkeiten haben, extreme Dürreperioden unbeschadet zu überstehen.

Dies zeigt sich im Stadtwald ebenso in mittleren Lagen auf eher felsigen Standorten, wo auch Tannen vereinzelt Probleme bekommen. Insgesamt sind aber die Flächen von durch Dürreschäden betroffenen Bäumen im Baden-Badener Stadtwald bislang nicht übermäßig groß.

Als erheblich umfangreicher muss man die Schäden bei den Fichten durch Sturm, Schneebruch und Borkenkäfer bezeichnen. Diese beliefen sich im vergangenen Jahr auf 16000 Festmeter – also rund 42 Prozent des gesamten Einschlags. Je nach Witterungsverlauf sei 2020 mit weiter ansteigenden Mengen zu rechnen.

Das Forstamt setzt auf regelmäßige Kontrollen der gefährdeten Waldbereiche und die schnelle Aufbereitung von betroffenem Holz. Dazu konnte man im vergangenen Jahr die Forstunternehmer verpflichten, die dieses Holz eingeschlagen und an den Waldweg gerückt haben. Eine rasche Abfuhr ist allerdings derzeit wegen des Überangebots auf dem Holzmarkt und den mangelnden Kapazitäten bei den Unternehmern nicht zu erreichen. So hat das Forstamt beispielsweise Fichtenstämme im Bereich des Bernsteinwegs gelagert und dort entrinden lassen.

Die Forstverwaltung befürchtet, auch in diesem Jahr einen Großteil des Einschlags im Bereich des sogenannten „Käferholzes“ durchführen zu müssen. Ein geregelter Forstbetrieb sei unter diesen Voraussetzungen nicht möglich.

Das Baden-Badener Forstamt verweist darauf, dass die heute zu beobachtenden Baumschäden in den Wäldern vor allem eine Folge des Klimawandels seien und schnelles Handeln erforderten. Nötig sei der Aufbau eines mehrstufigen Waldgefüges, das sich aus verschiedenen, unterschiedlich alten, standortangepassten Laub- und Nadelbaumarten zusammensetzt. Dies kann durch Pflanzung, natürliche Verjüngung und Saat erfolgen.

Ein multifunktionaler Mischwald, so heißt es in dem Bericht, sei in der Lage, klimatische Veränderungen besser abzufangen und auch Stürmen „den Wind aus den Segeln zu nehmen“. Grundsätzlich gelte: Vielfalt streut das Risiko. Dabei sieht das Forstamt in der natürlichen Verjüngung eines gesunden Waldes einen ganz entscheidenden Faktor. Dies gelte aber nur bei Wäldern, deren Vitalität nicht durch überhöhte Wilddichte eingeschränkt ist. Gebe es zu viele Rehe und Hirsche, dann komme es zu Schäden durch Wildverbiss. Im Baden-Badener Stadtwald, so betont die Forstverwaltung, funktioniere die Naturverjüngung auf großer Fläche sehr gut, da man seit vielen Jahren auf eine angepasste Wilddichte achte.

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Erstellt:
25. Juni 2020, 14:00 Uhr
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