Missbrauchsvorwürfe gegen Bühler Stadtpfarrer

Bühl (red) – Das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg hat am Freitag bekanntgegeben, dass es dem Bühler Pfarrer Wolf-Dieter Geißler die Ausübung seiner priesterlichen Dienste untersagt hat.

Der Stadtpfarrer von St. Peter und Paul, Wolf-Dieter Geißler, ist vom Dienst suspendiert, wie am Freitag bekannt wurde. Symbolfoto: Sarah Reith/Archiv

Der Stadtpfarrer von St. Peter und Paul, Wolf-Dieter Geißler, ist vom Dienst suspendiert, wie am Freitag bekannt wurde. Symbolfoto: Sarah Reith/Archiv

Nach den Missbrauchsvorwürfen gegen den katholischen Pfarrer der Marienpfarrei in Kappelwindeck sind nun Vorwürfe gegen den Bühler Stadtpfarrer laut geworden. Dabei geht es um einen Fall aus den 1990er Jahren, als Stadtpfarrer Wolf-Dieter Geißler noch Internatsseelsorger an der Heimschule Lender in Sasbach war.

Das erzbischöfliche Ordinariat Freiburg teilte am Freitag auf BT-Nachfrage mit, dass gegen „einen weiteren Geistlichen aus der Erzdiözese eine Anzeige wegen Grenzverletzungen und sexuellen Missbrauchs erstattet wurde“. In Abstimmung mit dem Opfer habe das Ordinariat bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet. Parallel werde gegen den Priester ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet. Für die Dauer der Verfahren sei dem Geistlichen die Ausübung priesterlicher Dienste untersagt. „Der Leitung der Erzdiözese ist bewusst, dass ihr konsequentes Handeln, das vor Ort zu einer Vakanz führt, für die betroffene Gemeinde eine überraschende und schockierende Nachricht darstellt“, so die Mitteilung weiter. Eine Alternative gebe es aber nicht.

Dafür zeigte auch Pfarrer Wolf-Dieter Geißler im BT-Gespräch Verständnis. „Die Regeln für die Verfolgung von sexuellem Missbrauch sind sehr klar, ich finde es gut, dass sie so klar sind“, betonte er. „Ich muss mich diesem Aufklärungsprozess stellen.“ Selbstverständlich könne er bis zur Klärung der Vorwürfe nicht aktiv sein. Geißler hatte sich zuvor bereits per Newsletter auf der Homepage an die Gemeindemitglieder gewandt und bekannt gegeben, dass die Vorwürfe gegen ihn erhoben wurden. Er habe den Verzicht auf die Pfarreien Peter und Paul und St. Maria angeboten und bis zur Klärung um Beurlaubung gebeten, „um Unruhe in den Pfarrgemeinden zu verhindern und jeden Anschein von Vertuschung zu vermeiden“. Er machte in dem Schreiben aber auch deutlich, dass damit „keinerlei Schuldanerkenntnis verbunden“ sei.

Geißler: „Hat mich fürchterlich getroffen“

Direkt zu den Vorwürfen dürfe er sich nicht äußern, da es sich um ein laufendes Verfahren handele, erläuterte Geißler gegenüber dem BT. Es gehe ihm nicht gut. „Das hat mich fürchterlich getroffen.“ Dennoch sei er dankbar für die Auszeit, „auch wenn die Umstände nicht so sind, wie ich gewünscht hätte“. Er sei „körperlich und psychisch absolut am Limit“. Seine Arbeit in den vergangenen Jahren habe ihn viel Kraft gekostet. An die Gemeinde schreibt er, „dass es für mich und meine Gesundheit das Beste, vielleicht der einzige Weg ist, von Bühl wegzugehen“.

Schockiert über die Vorwürfe zeigte sich am Freitag Bühls Oberbürgermeister Hubert Schnurr. „Ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen, dass da irgendetwas vorliegt“, betonte er. Er kenne Geißler schon seit 20 Jahren, sei mit ihm auch persönlich befreundet. Geißler habe hervorragende Arbeit im seelsorgerischen Bereich geleistet, insbesondere bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Geißler sei „einer der besten Seelsorger, die es überhaupt gibt“, er könne sich „das Bühler Gesellschaftsleben ohne ihn nur sehr schwer vorstellen“.

Internatsleiter von damals nimmt Stellung

Auch der heutige Pastoralreferent von Sasbachwalden, Gerhard Brock, äußerte sich auf BT-Nachfrage zu den Vorwürfen – er war in den 90er Jahren Internatsleiter an der Heimschule Lender. Er habe viele Jahre mit Geißler zusammengearbeitet, berichtete Brock: „Es gab nie den leisesten Verdacht oder Vorwurf.“ Er habe als Internatsleiter viel mitbekommen von den Schülern, aber ein derartiger Fall sei nie auch nur angedeutet worden: „Ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen.“ Geißler sei „einfach ein Talent, ein charismatischer Seelsorger, vor allem in Bezug auf die Jugend“. Aber seine Nähe zu den Jugendlichen sei „normal“ gewesen. „Ich hoffe, dass sich diese Vorwürfe aufklären und er seine Unschuld beweisen kann“, betonte Brock.

Die Pfarrei wird nun übergangsweise vom Rheinmünsteraner Pfarrer Manfred Woschek geleitet, bis über eine Nachfolge Geißlers entschieden ist. Die Situation für die Gemeinde sei schwierig, erläuterte Pastoralreferent Nikolaus Wisser von St. Peter und Paul. „Viele Leute werden schockiert sein.“ Hinzu komme die Personalproblematik. Durch den Weggang von Dekan Martin Schlick sei auch diese Stelle vakant. Dabei gebe es – verschärft durch Corona – viele Aufgaben: „Wir haben 19 Taufen in der Warteschleife.“ Außerdem müsse die Erstkommunion irgendwann nachgeholt werden, es gebe Brautpaare, die gern bald heiraten würden. Domkapitular Michael Hauser habe ihm versprochen, für Bühl möglichst zeitnah eine dauerhafte Lösung zu finden. Hauser habe aber auch auf den Priestermangel verwiesen: Innerhalb weniger Monate habe er 28 Ruheständler verabschieden müssen, ihnen stünden nur drei Neupriester gegenüber.

Auch interessant:

Missbrauchsvorwürfe gegen Pfarrer aus Kappelwindeck


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.