Misteln gefährden Apfelbäume im Murgtal

Gernsbach (BT) – Viele Apfelbäume werden in den nächsten Jahren weiter absterben, wenn nichts gegen die Mistel unternommen wird, warnt der Obst- und Gartenbauverein (OGV) Reichental.

Zunehmend mehr Apfelbäume im Murgtal tragen keine Blätter mehr und sind von der Mistel befallen. Foto: Udo Janetzki

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Zunehmend mehr Apfelbäume im Murgtal tragen keine Blätter mehr und sind von der Mistel befallen. Foto: Udo Janetzki

Wenn man durch die Landschaft im Murgtal fährt und die Obstbäume im blattlosen Zustand sehe, dann falle vor allem auf, dass viele Apfelbäume von der Mistel befallen sind, sieht der OGV in seiner Mitteilung Gefahr im Verzug für die Streuobstbestände in der Region. Dieser Schmarotzer habe sich in den vergangenen 20 Jahren sehr stark verbreitet. „Er ist in der Zwischenzeit zu einem richtigen Problem geworden, denn er schwächt unsere Obstbäume – viele Apfelbäume sind in den letzten Jahren schon abgestorben oder werden in den nächsten Jahren noch absterben, wenn nichts gegen die Mistel unternommen wird“, betont Udo Janetzki als Vorsitzender des OGV Reichental und ergänzt, „ich wage zu behaupten, dass, wenn jetzt nicht etwas gegen den Mistelbefall getan wird, wir in fünf Jahren nur noch die Hälfte an Obstbäumen in der Region haben werden und in zehn Jahren sind alle weg.“

Stark ansteigende
Befallszahlen

Besonders stoße ins Auge, dass in den letzten Jahren immer mehr jüngere Bäume befallen worden seien. „2012 hat man auf bis zu 25-jährigen Bäumen keine Mistel entdeckt, 2019 waren zehn Prozent aller befallenen Bäume jünger als 25 Jahren. Fast verdoppelt hat sich die Anzahl der Mistelbäume im Alter 25 bis 50 Jahren“, konstatiert Janetzki.

Welche Umstände führen nun zu dem zunehmenden Befall mit dem Schmarotzer?, fragt der OGV-Chef rhetorisch und gibt selbst die Antwort: „An erster Stelle steht die Vernachlässigung der Pflege unserer Streuobstbäume. Viele Bäume haben seit Jahrzehnten keinen Schnitt mehr erfahren. Früher wurden die Bäume regelmäßig geschnitten und dabei die Misteln entfernt. Auch Nachbarn wurden darauf hingewiesen, die Misteln von ihren Bäumen zu entfernen, was die Vermehrung verhinderte.“

Die rasante Ausbreitung der Mistel sei in der Zwischenzeit fast überall wahrgenommen worden und es habe sich auch herumgesprochen, dass die Mistel keine geschützte Pflanze ist, betont der OGV Reichental in seiner Mitteilung. Hier und da würden deshalb wieder Misteln entfernt.

Ganzes Gewann
ist zu säubern

„Dies ist jedoch nur sinnvoll, wenn ein ganzes Gewann von dem Parasiten gesäubert wird“, stellt Janetzki klar und verweist auf das Fachmagazin „Obst und Garten“, in dem der preisgekrönte Autor und Obstzüchter Dr. Walter Hartmann hervorhebt: Will man die Mistel nachhaltig entfernen, müsse man mindestens 30 bis 50 Zentimeter von ihrem Ansatz ins gesunde Holz zurückschneiden. Das sei in Abhängigkeit von der Ansatzstelle der Saugwurzeln nur in den äußeren Astpartien ohne große Schädigung des Obstbaumes zu vertreten. An inneren Astpartien (Leitäste, Stammverlängerung) bleibe als Notmaßnahme nur die Möglichkeit, die Mistel abzuschneiden. Dadurch lasse sich allerdings nur die weitere Ausbreitung durch die Früchte verhindern. Die Saugwurzeln selbst bleiben auf dem Baum.

Die Mistel benötigt dann etwa vier Jahre, bis sie wieder Samen produziert. Der Wirtsbaum wird so vorübergehend entlastet. Gut sei es, die nachgewachsenen Misteln jedes Jahr wieder zu entfernen. In vielen Fällen stirbt der Schmarotzer dann nach einigen Jahren völlig ab, heißt es im Auszug aus dem Hartmann-Werk, das Janetzki zitiert.

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Erstellt:
6. April 2021, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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