Mit 18 Jahren ein „eigenes kleines Weingut“

Sinzheim (cn) - Der angehende Winzer Jonathan Haus bewirtschaftet bereits einen eigenen Weinberg in Vormberg – und das mit gerade einmal 17 Jahren.

Angehender Winzer: Jonathan Haus befindet sich im zweiten Lehrjahr und hilft bei der Weinlese tatkräftig mit. Foto: Christina Nickweiler/BT

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Angehender Winzer: Jonathan Haus befindet sich im zweiten Lehrjahr und hilft bei der Weinlese tatkräftig mit. Foto: Christina Nickweiler/BT

Mehrere Kilo frisch geerntete Trauben schleppt Jonathan Haus vom Rebstock zum Traktor. Dort steht auf dem Anhänger ein Plastiktrog, wo er die Trauben aus dem Eimer kippt. Jonathan Haus ist der erste Auszubildende, der beim Weingut Kopp in Ebenung den Beruf des Winzers erlernt.

Der 17-Jährige befindet sich mittlerweile im zweiten Lehrjahr, und doch ist es für den Jugendlichen die erste richtige Arbeitswoche in den Weinbergen seines Ausbildungsbetriebes. Denn im ersten Lehrjahr besuchte er in Vollzeit eine Berufsfachschule für Winzer in Freiburg. Da er aus Baden-Baden stammt, war es für ihn gerade angenehm, täglich die direkte Verbindung nach Freiburg zu nehmen.

Bevor er den Lehrvertrag mit Johannes Kopp geschlossen hat, vergewisserte sich Jonathan Haus schon bei einem Praktikum über die verschiedenen Arbeitsfelder des Winzerberufes. Als Ausbildungsbeauftragter auf dem Ebenunger Weingut steht ihm der Steinbacher Philipp Reiss zur Seite. Drei Jahre dauert die Berufsausbildung.

„Der abwechslungsreichste Beruf, den es gibt“

Ursprünglich besuchte der Baden-Badener das Markgraf-Ludwig-Gymnasium, stellte aber nach der zehnten Klasse fest, dass er lieber etwas Praktisches machen möchte. Dann beginnt er im Gespräch mit dem BT zu erzählen, was ihn so sehr am Winzerberuf reizt: „Winzer ist der abwechslungsreichste Beruf, den es gibt. Es gibt viele verschiedene Orte, wo ich arbeite – im Weinkeller, in der Werkstatt und draußen. Jede Woche ist anders. Überhaupt, am Ende habe ich ein tolles Produkt, obwohl ich mit nichts anfange“, schwärmt er. Wer dem 17-Jährigen zuhört, der nimmt wahr, dass in seinen Ausführungen Idealismus für den Weinbauberuf mitschwingt. Aber seine Worte sind keineswegs nur Schwärmerei, sondern es stecken erste Erfahrungen dahinter. Denn seit diesem Jahr bewirtschaftet Jonathan Haus seinen eigenen kleinen Weinberg in Vormberg mit einer Größe von rund 400 Quadratmetern. Der Weinberg habe zwei Jahre brach gelegen und wurde zuvor von einem ehemaligen Winzer bewirtschaftet, der aus Altersgründen die Reben habe aufgeben müssen. Viel Arbeit habe er damit gehabt, weil die Fläche verwildert gewesen war und schon kleinere Bäume in den Rebgassen gewachsen waren. „Die Rebstöcke in den Reihen habe ich gelassen. Ich konnte diese durch einen Rückschnitt retten“, erzählt der Jungwinzer mit leuchtenden Augen.

Mit Secco soll jüngere Kundschaft gewonnen werden

Geholfen haben ihm seine Eltern, die so gar nichts mit Landwirtschaft oder Weinbau zu tun haben. Inzwischen freut sich Jonathan Haus schon auf die Weinlese in seinem eigenen Weinberg, den er für null Euro gepachtet hat. „Zum 18. Geburtstag habe ich mein eigenes kleines Weingut“, freut er sich. In der Berufsfachschule hat er auch über die Defizite der Marketingmaßnahmen des badischen Weins erfahren. „Unser Wein wird noch immer mit dem Slogan aus den siebziger Jahren ‚Badischer Wein – von der Sonne verwöhnt‘ beworben. Da gibt es vieles aufzuholen, um den Wein zeitgemäß zu präsentieren“, gibt der Jungwinzer zu bedenken.

So will er neben Basisweinen wie Chardonnay und Grauburgunder auch Secco keltern, um mit diesem Getränk das jüngere Publikum anzusprechen. „Wein im Holz ist für jüngere Leute manchmal zu intensiv“, hat er inzwischen erfahren. Jedenfalls hat Jonathan Haus für seinen ersten eigenen Wein schon einmal das Etikett selbst kreiert und kokettiert dabei gezielt mit seinem Namen: Eine goldfarbene Kontur, die auf schwarzem Untergrund ein Haus darstellt.

Ihr Autor

Christina Nickweiler

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Erstellt:
28. August 2020, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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