Mit 2,7 Promille im Auto eingeschlafen

Gernsbach (stj) – Trunkenheitsfahrten und renitentes Verhalten: Das Amtsgericht Gernsbach hat einen 40-Jährigen deshalb zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Justitia (hier ein Symbolbild) hat gesprochen: Ein Gernsbacher muss wegen zweier Trunkenheitsfahrten und mehr unter anderem 2.000 Euro Geldstrafe zahlen. Foto: Sonja Wurtscheid/dpa

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Justitia (hier ein Symbolbild) hat gesprochen: Ein Gernsbacher muss wegen zweier Trunkenheitsfahrten und mehr unter anderem 2.000 Euro Geldstrafe zahlen. Foto: Sonja Wurtscheid/dpa

Sieben Monate auf Bewährung, zwei Jahre Führerscheinsperre, 2.000 Euro Geldstrafe zuzüglich der Verfahrenskosten und die Verpflichtung, die Hilfe einer Suchtberatungsstelle in Anspruch zu nehmen: So lautete das Urteil, das Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch am Dienstag nach einer Verhandlung sprach, in der sich ein 40 Jahre alter Mann aus einem Gernsbacher Stadtteil wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Trunkenheitsfahrten, Verstoßes gegen das Waffengesetz, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Bedrohung zu verantworten hatte.

Letztere hatte der Angeklagte am 7. Mai vergangenen Jahres zunächst gegenüber drei Mitarbeitern der Stadt Gernsbach und dann noch sechs Polizisten geäußert, nachdem er mit seinem Pkw in der Bernhardusstraße in Obertsrot den schräg stehenden Reifen eines Bauhof-Lkw gestreift hatte. Übelste Beleidigungen in Richtung der städtischen Mitarbeiter folgten Gewaltandrohungen. Beides wiederholte der renitente Gernsbacher, der zum Tatzeitpunkt circa 1,85 Promille hatte, während und nach der Gewahrsamnahme durch die herbeigerufenen Polizisten, gegen die er sich zudem körperlich – unter anderem mit Tritten – zur Wehr setzte. Das renitente Verhalten des Angeklagten filmten die Beamten mit einer Bodycam.

Teleskop-Schlagstock fällt unter Waffengesetz

„Das war Schwachsinn. Es tut mir leid“, sagte der 40-Jährige auf der Anklagebank und entschuldigte sich bei den Opfern seiner Tiraden. Er sei froh, dabei niemanden verletzt zu haben, und versicherte: „So etwas kommt nicht mehr vor.“ Um dieser Ankündigung Nachdruck zu verleihen, hat sich der Familienvater inzwischen selbst in stationäre Behandlung begeben und kämpft damit gegen seine Alkoholsucht an. Diese hatte am Sonntagvormittag des 18. Oktober vergangenen Jahres auch dazu geführt, dass der Autoliebhaber mit über 2,7 Promille durch Gernsbach gefahren ist, wo er schließlich an der Shell-Tankstelle in seinem Fahrzeug einschlief, bis ihn die Polizei weckte. Dabei fanden die Beamten neben dem stark alkoholisierten Mann am Steuer einen Teleskop-Schlagstock im Auto auf, der unter das Waffengesetz fällt.

Außerdem war der 40-Jährige bei beiden verhandelten Taten nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis. Diese war ihm bereits im Jahr 2018 vom Amtsgericht Gernsbach entzogen worden. Warum der Angeklagte jeweils besoffen in sein Auto stieg, vermochte er im Gericht nicht plausibel zu erklären – zumal seine Frau einen Führerschein hat und bei der ersten Trunkenheitsfahrt, die auf Höhe des Krippenhauses Pusteblume endete, sogar noch auf dem Beifahrersitz gesessen hatte (nüchtern!). „Unnötig wie ein Kropf“ sei das gewesen, betonte Richter Koch, der wie die Staatsanwaltschaft meinte, dass eine Geldstrafe hier nicht mehr ausreiche.

„Das einzig Richtige, um die Kurve zu kriegen“

„Da müssen wir ein deutliches Signal setzen, dass so etwas nicht akzeptiert wird“, pflichtete Oberamtsanwalt Helmut Schäfer bei. Zugunsten des Angeklagten sei das Geständnis genauso zu werten wie die Tatsache, dass der 40-Jährige „die Wurzel seiner Probleme“ – den Alkoholkonsum – „beim Schopfe gepackt“ und sich in eine entsprechende Einrichtung begeben habe: „Das einzig Richtige, um die Kurve zu kriegen“, so Schäfer.

Darauf verwies auch Rechtsanwalt Christoph Goll. Der Verteidiger stellte für seinen Mandanten „eine positive Zukunftsprognose“, habe er doch einen sicheren Arbeitsplatz, eine intakte Familie und einen festen Lebensmittelpunkt. „Sein Problem ist erkannt und wird angegangen“, versicherte Goll. Er hielt eine fünfmonatige Bewährungsstrafe und 14 Monate Führerscheinsperre für angemessen. Die Staatsanwaltschaft forderte 2.500 Euro Geldstrafe, neun Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und zwei Jahre Führerscheinsperre. Wobei letztere nicht das größte Problem des Angeklagten sei, sondern vielmehr die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU), ohne die eine Rückkehr in den motorisierten Straßenverkehr in Deutschland nicht möglich sein dürfte.

Die von Richter Koch auf 2.000 Euro festgesetzte Geldstrafe kommt dem Bezirksverein für soziale Rechtspflege Baden-Baden Rastatt zugute.


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