„Mit 30.000 Verkäufen im Plan“

Gernsbach (ueb) – Der Dorfladen in Reichental besteht seit einem Jahr – und im Gegensatz zu manch anderem Dorfladen-Projekt ist es in dem 800-Seelen-Örtchen sehr gut angelaufen.

Ein Jahr Dorfladen Reichental: Andreas Kozlevcar (links) nimmt im Beisein von Kunden den Spendenscheck von Marco Krug an. Foto: Dagmar Uebel

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Ein Jahr Dorfladen Reichental: Andreas Kozlevcar (links) nimmt im Beisein von Kunden den Spendenscheck von Marco Krug an. Foto: Dagmar Uebel

Stolze 30.000 Verkäufe sorgen dafür, dass sich die Gründer des Dorfladens bereits „im Plan“ sehen. Ende 2017 war es, als die Familie Wieland-Blank die Türen ihrer Bäckerei endgültig schloss und Reichental sowohl um eine Einkaufsmöglichkeit als auch eine Begegnungsstätte ärmer wurde. Acht Kilometer von der Kernstadt Gernsbach und rund fünf Kilometer von den nächsten Einkaufsmärkten in Weisenbach und Hilpertsau entfernt, fehlte schnell beides. Es dauerte aber nicht lange, bis im Ortschaftsrat der Gedanke aufkam, mit einer Initiative zur Gründung eines Dorfladens Ersatz zu schaffen.

Nach kontroversen Diskussionen wurde schließlich am 25. September 2019 aus einer Idee Realität: Nicola Strobel, Firmin Sieb, Andreas Kozlevcar und Guido Wieland nahmen als gleichberechtigte ehrenamtliche Gründungsgesellschafter die Sache in die Hand. Ihnen schlossen sich rasch Reichentaler Bürger an. Unterstützung erhielten sie vom EU-Programm Leader, das die Entwicklung der ländlichen Wirtschaft voranbringen will. Knackpunkt bei dieser Unternehmung war die Finanzierung.

Anschub durch Vereinsspenden

Dabei erlebte Reichental auch Überraschungen: Acht Vereine und die Freiwillige Feuerwehr spendeten einen großen Teil ihrer Einnahmen anlässlich der Jubiläumsfeier 675 Jahre Reichental in Höhe von 16.800 Euro für ihren Dorfladen. Dazu kamen einmalige Einlagen „Stiller Gesellschafter“. Manche von ihnen wohnten und wohnen noch vor Ort, andere haben inzwischen weiter weg ihr Zuhause, fühlen sich aber immer noch mit Reichental verbunden. Keinesfalls zu vergessen sind die 20.000 Euro Leader-Fördermittel, für die die Stadt Gernsbach in Vorleistung gegangen war.

Von Vorteil war auch die seit Jahren leer stehende Filiale der Sparkasse. Obwohl zum Eigentum der Stadt Gernsbach geworden und dem Projekt zur Verfügung gestellt, waren etwa 80.000 Euro für die Kernsanierung, für Um- und Ausbauten notwendig. Eine unabdingbare Summe, um Lager- und Sanitärräume zu haben, Heizung, Fenster und Türen zu erneuern, Regale und Kassen zu erwerben und Warenbestände einzukaufen.

Im Hinterkopf blieb aber immer auch ein kleines bisschen die Angst der Teilhaber, ob der Dorfladen auf genügend breite Akzeptanz durch die Reichentaler Bevölkerung stößt. „Ohne Kredite aufnehmen zu müssen, haben sich unsere Erwartungen ganz erfüllt“, freute sich Wieland jetzt anlässlich des ersten Geburtstags. „Mit etwa 30.000 Verkäufen im ersten Jahr bei etwa 800 Einwohnern in etwa 330 Haushalten lagen und liegen wir richtig in unserer Planung.“ Vom Gewinnbereich oder Rendite könne er zwar noch nicht sprechen, aber ausgeglichen sei die Bilanz. Dass dazu auch die sechs Verkaufskräfte beitragen, hob Firmin Sieb hervor. Sie sind es, die all das verkaufen, was einmal wöchentlich angeliefert wird.

Sortiment mit 1.300 Artikeln

Das breite Sortiment beinhaltet mit etwa 1.300 Artikeln neben Zeitungen und einem Kaffee-Ausschank vor allem Lebensmittel, Back- und Fleischwaren und Waren des täglichen Bedarfs. Im Reichentaler Dorfladen sind sowohl Erzeugnisse mit dem Fairtrade-Siegel als auch regionale Produkte zu finden. Ob zukünftig nahe liegende Hühnerbetriebe für Nachschub an Eiern sorgen werden, sei bislang noch ungeklärt. Saft aus der Reichentaler Kelter ist jedenfalls schon fest geplant.

Inzwischen nutzen die Reichentaler nach ihren Einkäufen zudem gern die Möglichkeit, sich je nach Wetter im Inneren oder im Außenbereich bei Kaffee und Kuchen zu einem Plausch zu treffen. Eine erfreuliche Geste überraschte die „Geburtstagskinder“ am Freitag beim ersten Wiegenfest: Marco Krug kam nicht als Lieferant der Gaggenauer Metzgerei Krug, sondern überreichte einen Scheck in Höhe von 500 Euro zur Unterstützung des Dorfladens.

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Erstellt:
27. September 2020, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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