Mit 766 Gramm Marihuana im Edeka shoppen

Weisenbach/Rastatt (ham) – Ein 29-Jähriger ist am Montag zu einer Freiheitsstrafe von 25 Monaten verurteilt worden, weil er zuvor mit 766 Gramm Marihuana erwischt worden ist.

Der mehrfach vorbestrafte Angeklagte muss für insgesamt 25 Monate hinter Gitter. Beispielfoto: dpa/Friso Gentsch

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Der mehrfach vorbestrafte Angeklagte muss für insgesamt 25 Monate hinter Gitter. Beispielfoto: dpa/Friso Gentsch

Warum der dicke Fisch im Netz zappelte und nicht vor der Polizei aus dem Edeka in Weisenbach flüchtete? Die Verhandlung vor dem Schöffengericht in Rastatt hellte am Montag die Vorgänge am 28. Februar nur spärlich auf und blieb bei einigen Details im Vagen. Für das Urteil war es ohne sonderlichen Belang: Der Täter zeigte sich geständig und räumte ein, 766 Gramm Marihuana in seinem Rucksack mit in den Laden geschleppt zu haben.

Das hat der 29-Jährige, der bereits in Offenburg in Untersuchungshaft saß, nun mit einer Freiheitsstrafe von 25 Monaten zu büßen. Sein Verteidiger Marco Lott hatte für 19 Monate plädiert, um die Chance auf Bewährung zu erhalten. Doch Richterin Angelika Binder folgte der Staatsanwaltschaft. Helmut Schäfer hatte zwei Jahre für den Rauschgift-Besitz gefordert, dazu zwei Monate für sechs Patronen im weiteren Gepäck, auch wenn diese alten Hülsen laut einem Gutachten kaum mehr zündeten. In Summe sollten es dann die 25 Monate werden.

Binder sah ebenso wie Schäfer keinen Grund für Gnade, weil der Mann, der 2007 nach Weisenbach kam, zu viel auf dem Kerbholz hatte. Nach dem Hauptschulabschluss geriet er laut eigener Aussage in falsche Kreise und ist seit einem Jahrzehnt Stammgast vor dem Amtsgericht Gernsbach. Elf Einträge im Bundeszentralregister betete Binder herunter. Meist ging es um Drogen, Waffenbesitz und auch einmal um Sachbeschädigung in 21 Fällen. Angesichts dessen wog die günstige Sozialprognose aus der U-Haft, die dem Angeklagten gutes Verhalten und Strebsamkeit bei der Arbeit bescheinigte, nicht schwer genug, auch wenn der 29-Jährige nun dem Drogenkonsum abzuschwören gelobte. „Die Erwartungen wurden schon früher enttäuscht“, unterstrich Schäfer.

8.620 Konsum-Einheiten

Für die Staatsanwaltschaft war der Fall auch ansonsten „klar“, weil es um eine „nicht geringe Menge von Marihuana“ ging, die „8.620 Konsum-Einheiten“ entspricht. Schäfer konnte sich auch „vorstellen“, dass man angesichts dessen sogar einen „Dealer erwischt hat“. Mangels Angaben des Angeklagten und wegen fehlender Beweise bleibe es jedoch beim Vorwurf des „unerlaubten Besitzes“. Weil der damalige Forbacher Ende 2019 arbeits- und obdachlos wurde, könnte er all seine Habseligkeiten mit sich geschleppt haben – und damit auch seine Drogen. Die Polizei hatte das Handy des Verhafteten sichergestellt und darauf keine „Hinweise entdeckt, die auf Drogenhandel hindeuten“, betonte Verteidiger Lott. Überdies sei der Besitz der alten Patronen auch eher als „Fahrlässigkeit“ zu bewerten. Trotz der „riesigen Menge“, angesichts der halbjährigen U-Haft und weil der 29-Jährige nun „endlich aktiv an seiner heftigen Drogensucht arbeitet“, die Marihuana, Amphetamine und Kokain umfasste, hoffte der Anwalt auf mehr Milde.

Der Gaggenauer Polizist, der von der Festnahme am 28. Februar um 19.36 Uhr berichtete, nahm in dem Edeka sofort den Geruch von „Cannabis wahr“.

Messerattacke bleibt im Dunkeln

Der Verhaftete trug einen „Maskierungshelm“ über dem Kopf, der den Ordnungshüter genauso wie ein Messer an den Vorfall wenige Tage zuvor erinnerte, als der Marktleiter und eine Angestellte mit einem Messer bedroht worden waren – doch weder Richterin noch Staatsanwaltschaft wussten am Montag, was aus diesem Fall wurde. „Was das Verfahren mit der Sturmhaube und dem Messer angeht, haben wir keine Erfahrung“, hieß es lapidar.

Genauso wenig erfuhren die Zuhörer, wie es überhaupt zu der Festnahme kam. Eigentlich hätte man einen Fluchtversuch des Drogenbesitzers erwartet, solange die alarmierte Polizei aus Gaggenau noch nicht im Laden eintraf. Für den Kommissar sah es nicht so aus, als ob der Beschuldigte „unter Drogen steht“. Der Verteidiger hüllte sich lieber in Schweigen, um seinen Mandanten nicht zu belasten. Immerhin deutete er gegenüber dem BT bezüglich einer denkbaren Flucht an: „Er konnte nicht.“


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