„Mit Aufbruchstimmung in die Zukunft“

Hügelsheim (sawe) – Bürgermeisterkandidatin Kerstin Cee will „neuen Schwung“ für Hügelsheim. Ihr Slogan soll aber kein Bruch mit Bewährtem sein, sondern Aufbruchstimmung für die Zukunft bedeuten.

Ein intensiver Austausch mit Bürgern bei gemeinsamen Spaziergängen gehört für die Bürgermeisterkandidatin Kerstin Cee (links) zum Wahlkampf in Hügelsheim. Foto: Sabine Wenzke

© sawe

Ein intensiver Austausch mit Bürgern bei gemeinsamen Spaziergängen gehört für die Bürgermeisterkandidatin Kerstin Cee (links) zum Wahlkampf in Hügelsheim. Foto: Sabine Wenzke

Die Jeans modisch umgekrempelt und auch ansonsten im legeren Freizeitlook: Gut gelaunt und voller Elan ist Bürgermeisterkandidatin Kerstin Cee in Hügelsheim unterwegs, verteilt ihre Flyer oder trifft sich mit Menschen, mit denen sie sich gezielt verabredet hat, um bei Spaziergängen oder Treffen auf Abstand zu erfahren, wo diese Handlungsbedarf und Verbesserungsmöglichkeiten sehen.

Kontakte knüpfen, sich als Auswärtige bekannt zu machen, das ist gar nicht so einfach in Corona-Zeiten, in denen es keine Feste oder sonstige Veranstaltungen gibt, bei denen man viele Menschen gleichzeitig erreichen kann. Da wird Wahlkampf zur regelrechten Fleißarbeit – und da sind selbst Gespräche durchs Küchenfenster keine Besonderheit mehr.

„Der Einstieg war schwer“

Die 48-jährige ledige Projektmanagerin aus Pfinztal im Landkreis Karlsruhe hat von allen Bewerbern den bisher längsten Wahlkampf. Sie hat bereits zwei Wochen vor Ablauf der Bewerbungsfrist am 15. Februar ihre Unterlagen eingereicht und gleich darauf ihren Eröffnungsbrief an die Haushalte verteilt, als noch kein anderer Mitbewerber in Sicht war. „Der Einstieg war schwer“, sagt sie, weil es just in der ersten Wahlkampfwoche nur regnete. Doch Kerstin Cee gehört nicht zu jenen Frauen, die sich von derlei widrigen Begleitumständen abhalten lassen, wenn sie erst einmal eine Entscheidung getroffen haben: Dies habe sie mit ihrer Kandidatur getan, daher wollte sie ein Zeichen setzen und loslegen, sagt sie. Außerdem: Bei ihrer derzeitigen Tätigkeit als Sachgebietsleiterin beim Gebäudemanagement der Stadt Pforzheim habe sie nur mit Meistern und Technikern zu tun. Wenn man sich in einer Männerdomäne behaupten will, dürfe man nicht so zart besaitet sein, meint sie mit einem fröhlichen Lachen.

Auch die Sonne lacht vom Himmel, als sich die 48-Jährige an diesem herrlichen Nachmittag erneut mit Christina Schülke trifft. Die Arztgattin findet den Flyer der Kandidatin „ansprechend und überzeugend“ und hatte ihr das auch geschrieben. Dass sich Cee, die CDU-Mitglied ist, aber als unabhängige Kandidatin antritt und ihren Wahlkampf eigenen Angaben zufolge allein aus eigener Tasche finanziert, bei ihr meldete und sich mit ihr verabredete, hätte sie nie gedacht. Dabei kam es dann „zu einem sehr offenen und guten Austausch“. Derlei intensive Gespräche findet die Kandidatin „zielführender“ als Infostand-Termine, auf die sie daher verzichtet. Schülke wohnt in der Römerstraße und klagt ihr Leid. Fast eine Viertelstunde müsse man zuweilen warten, bis man aus der Römerstraße auf die Hauptstraße „rausfahren kann“. In normalen Zeiten. Jetzt in der Pandemie sei es zwar etwas ruhiger geworden, weil nicht mehr so viel Verkehr zum und vom Flughafen durch den Ort rollt. „Aber das Problem muss gelöst werden, sonst leidet die Lebensqualität.“

Verkehrsentlastung und PFC sind die großen Problemfelder in Hügelsheim und werden auch immer wieder bei den Gesprächen mit Cee thematisiert. Aber es sind auch viele kleine Anliegen, die an die Kandidatin herangetragen werden und für die sie ebenso ein offenes Ohr hat – mehr Sitzbänke etwa oder eine Bushaltestelle am neuen Seniorenzentrum. Und auch die Spielplätze stehen oft im Fokus. Vielleicht sollte man auf einige verzichten und dafür andere, wo es Sinn macht, vergrößern und attraktiver gestalten, sieht Cee die Notwendigkeit eines Spielplatzkonzepts. Junge Leute ab 14 Jahren vermissen einen Platz für ihre Altersgruppe, an dem sie sich treffen können, haben ihr Teenager berichtet. Den Jugendlichen würde Cee auch gerne eine Plattform zum Austausch mit der Gemeinde geben. „Es gibt nichts Besseres, als engagierte Jugendliche im Ort zu haben“, sagt sie.

Flyer für Gewerbebetriebe

Leute gehen vorbei, grüßen freundlich. „Die Menschen sind hier herzlich“, hat die Kandidatin bei ihren Runden durchs Spargeldorf festgestellt. Das zeige sich schon an den Willkommensgrüßen in den Höfen, die ihr gleich aufgefallen sind. Sie hat mit Parteien, Gruppierungen, Pfarrer, Spargelhoheiten und vielen anderen Menschen Gespräche per Skype oder vor Ort geführt und „ein gutes Feedback“ erhalten. Weitere Gespräche bis zur Wahl werden folgen, dafür sind weitere Urlaubstage eingeplant. Am Wochenende will sie einen extra für die Gewerbebetriebe entworfenen Flyer verteilen und sich mit Vereinsvertretern treffen. Nebenbei erzählt sie, dass sie sich die Online-Turnstunde des TuS anschauen wollte, dann aber gleich mitgemacht habe. „Das war schweißtreibend“, habe Spaß gemacht – und ihr einen schönen Muskelkater beschert. Sie sei ohnehin ein richtiger „Vereinsmeier“, berichtet die leidenschaftliche DLRG-Rettungsschwimmerin, die als Bürgermeisterin jährlich einen Ehrenamtspreis verleihen würde, wie sie auf ihrer Homepage mitteilt. Und natürlich würde sie im Fall ihrer Wahl nach Hügelsheim ziehen. Das werde sie oft gefragt.

Bürgerin Schülke verabschiedet sich von der „Power-Frau“, die auch ordentlich Power unter der Motorhaube ihres Audis und ihres Motorrads hat und Klartext redet. „Statt immer mehr Verwaltung und immer mehr Bürokratie braucht die Gemeinde ein modernes Management im Rathaus“, schreibt die Kandidatin, die seit mehr als 15 Jahren in der öffentlichen Verwaltung tätig ist, in ihrem Flyer. Ihr Slogan „Neuer Schwung für Hügelsheim“ solle aber kein Bruch mit bislang Bewährtem sein, sondern Aufbruchstimmung für die Zukunft bedeuten.

Zum Artikel

Erstellt:
27. Februar 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 33sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.