Mit Blick zurück durch die närrische Durststrecke

Rastatt (fuv) – Frank Ullrich und Claudia Zehntner sind seit vielen Jahren in der Fastnacht engagiert. Die abgesagte Kampagne gibt dem Ehepaar Zeit für den Blick zurück und nach vorn.

Eigentlich ist es gerade traurig, aber ihr Kostümfundus kann Frank Ullrich und Claudia Zehntner doch zu einem Lächeln anstiften. Foto: Frank Vetter

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Eigentlich ist es gerade traurig, aber ihr Kostümfundus kann Frank Ullrich und Claudia Zehntner doch zu einem Lächeln anstiften. Foto: Frank Vetter

Die Prunk- und Fremdensitzungen genannten Showabende der Karnevals-Gesellschaften sind für Vereine und die Aktiven alljährlich der Höhepunkt der Saison. Zu den Glanzlichtern einer Fastnachtssitzung zählen die Büttenreden. Frank Ullrich, heute Mitglied der Kleinen Narren Gesellschaft Rastatt (KNG), ist ein profilierter Vertreter dieser Zunft. Gattin Claudia Zehnter blickt ebenfalls auf eine lange Karriere auf der närrischen Bühne.
„Der Spaß fehlt einfach, das vermisse ich sehr“, gewährt Frank Ullrich einen Einblick in das Herz des Narren wegen der abgesagten Kampagne. Ehefrau Claudia stellt fest: „Es ist traurig.“

Die das sagen, sind alte Hasen im Fastnachtsgeschäft. Beide starteten das Narrendasein bei der GroKaGe. Claudia Zehntner durchlief auf der Bühne alle Stationen des Gardetanzes; von der Minigarde bis zu den „Großen“ in der Prinzengarde. Nach der Tanzkarriere ging es für sie in die Bütt. Zunächst als Duo mit Gardekollegin Andrea Santo, dann als Trio mit Frank Ullrich. Als „Klimbim-Familie“ oder mit dem Beitrag „Indianer sucht Braut“ feierten sie große Erfolge auf der Bühne. Mit Andrea Santo wirkt Claudia Zehntner auch als Kirchenmaus von St. Alexander oder als Engel bei der Narrenmesse.

Im Krankenhaus-Zimmer geprobt

Seit sechs Jahren gehört die Uhrmacherin zum Ensemble bei der Frauenfastnacht der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde. 41 Jahre ist Claudia Zehntner aktive Fastnachterin, bildete mit dem heutigen Ehemann Frank Ullrich in der Kampagne 2004/2005 das GroKaGe-Prinzenpaar und ist stolze Trägerin des Goldenen Löwen der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalsvereine.

Frank Ullrich startete sein aktives Narrendasein 1993 bei der GroKaGe zunächst im Männerballett und in der A- cappella-Gesangsgruppe Leih Frack. Die Karriere als Wortkünstler begann „so um 2000 rum“, blickt Ullrich zurück. Zunächst agierte er als Zeremonienmeister bei den GroKaGe-Veranstaltungen. Mit einem Vortrag als „Ordensgeiler Fastnachter“ aus der Feder von Hans Reuter ging es dann in die Bütt und Frank Ulrich bewies sein Talent als Redner. 2002 übernahm Frank Ullrich den komplett fertiggestellten Vortrag des schwer erkrankten und mittlerweile verstorbenen Bernd Nieswandt, einer Säule der GroKaGe. „Den Auftritt als Magellan probten wir im Krankenhaus-Zimmer ein. Der arme Zimmergenosse von Bernd musste das ertragen“, lacht Frank Ullrich, der dann auch die GroKaGe-Traditionsfigur „Goldener Mann“ weiter mit Leben füllte.

„Atmosphäre fehlt schon sehr“

Seit sich die Wege von Franz Ullrich, Claudia Zehntner und der GroKaGe getrennt haben, engagierte sich der „Gebrauchslyriker“, so Ullrich über Ullrich, bei der KNG. Das verheiratete Fastnachterpaar hat beim Anschauen von Fotoalben aus der Kindheit übrigens festgestellt, dass es bereits im Kindergarten einen gemeinsamen Sommerfestauftritt hatte. Frank als Leierkastenmann, Claudia als Äffchen.

Normalerweise wären nun schon die Sitzungen über die Bühne gegangen. Im Oktober vergangenen Jahres habe sich die KNG-Vorsitzende Kerstin Huber bei Frank Ullrich gemeldet, um ihm das Motto mitzuteilen, das er bei der Ordensmatinee vorstellt. Der Vortrag wird dann üblicherweise bis zur Sitzung mit den „großen“ politischen Themen und lokalem Geschehen ergänzt. Schließlich geht es auf die Bühne zum Proben. „Diese Phase in der Vorbereitung ist toll und diese Atmosphäre fehlt schon sehr“, sagt Frank Ullrich.

Auch Claudia Zehntner genießt die Übungsabende der Frauenfastnacht „und das Gläschen Sekt“, lacht sie. Drei Sitzungen gibt es alljährlich. „Immer ausverkauft. Das ist schon stressig, aber nun so viel Zeit zu haben, ist schon komisch“, beschreibt sie die Situation als untätige Fastnachterin.

Nach den Sitzungen folgen für die beiden dann die tollen Tage mit dem Rastatter Sonntagsumzug, die beide sozusagen programm- und stressfrei genießen. Am Fastnachtssonntag zunächst die Narrenmesse, anschließend daheim ein kleiner Empfang mit Freunden und Kartoffelsuppe, dann das Schminken und ab zum Umzug. Alles kein Thema 2021.

Alternativkonzepte verworfen

Dass es eine coronabedingte Absage der Fastnacht geben könnte, hätten er und KNG-Präsident Michael Weber schon beim KNG-Hock im September befürchtet. Alternativ-Konzepte seien angedacht, aber letztendlich verworfen worden, so Frank Ullrich. Und nun? Es sei jetzt doch eine sehr entspannte Zeit gewesen, wenn sie abends gemütlich vor dem Kaminfeuer sitzen. Dennoch: „Man denkt jetzt schon an die nächste, hoffentlich stattfindende Kampagne“, sagt Frank Ullrich. Natürlich geht es nicht ganz ohne Fastnacht. Vor dem Haus in der Brufertstraße hisst das Paar wie jedes Jahr seine eigene Fastnachtsfahne. Und im Fernsehen wird alles Närrische angeschaut.

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Erstellt:
8. Februar 2021, 14:00 Uhr
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