Mit Blutplasma gegen das Virus

Muggensturm (ans) – Das Ehepaar Uschi und Harald Unser nimmt an einem Forschungsprojekt im Kampf gegen Corona teil: Einst selbst erkrankt, spenden sie nun Blutplasma, das Antikörper enthält.

Uschi und Harald Unser haben im Spätjahr 2020 eine Covid-19-Erkrankung überstanden. Foto: Anna Strobel

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Uschi und Harald Unser haben im Spätjahr 2020 eine Covid-19-Erkrankung überstanden. Foto: Anna Strobel

Seit immer mehr schwerkranke Covid-19-Patienten behandelt werden müssen, heißt eine Hoffnung: Rekonvaleszentenplasma. Das Muggensturmer Ehepaar Harald und Uschi Unser spendet eben solches Plasma, um damit ein Corona-Forschungsprojekt zu unterstützen.

Ganz zufällig, durch einen guten Freund, seien sie auf die Studie aufmerksam geworden. Über ihn haben sie auch erfahren, „dass das DRK Mannheim dringend Menschen sucht, die eine Covid-19-Erkrankung auskuriert haben und bereit sind, Rekonvaleszentplasma zu spenden“, berichtet Harald Unser. „Meine Frau und ich waren selbst an Corona erkrankt“, so der stellvertretende Muggensturmer Bürgermeister. Daher seien sie für das Forschungsprojekt infrage gekommen.

Die grundlagenwissenschaftlich orientierte Studie mit dem Titel „Core“ läuft derzeit in Mannheim, Tübingen und Ulm, wie Franziska Hanfland erläutert, Sprecherin des DRK-Blutspendediensts Baden-Württemberg-Hessen. Ziel des Forschungsprojekts sei es, bei gesunden Blutspendern im Alter von 18 bis 60 Jahren, die eine Corona-Infektion durchgemacht haben, die Bildung von Antikörpern im Blut und das Immunsystem zu untersuchen. Dadurch erhoffen sich die Wissenschaftler, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, warum manche gar nicht und andere schwer an Corona erkranken.

Da die beiden Muggensturmer selbst langjährige Blutspender seien, habe es für sie nahe gelegen, auch Plasma zu spenden. Besonders der „Solidargedanke“ sei ihnen dabei wichtig, betont Harald Unser. „Für uns ist es selbstverständlich, das zu machen.“ Da nehme man auch gern eine Stunde Fahrtzeit in Kauf, ergänzt Uschi Unser.

Zur Erforschung des Virus beitragen

„In unserem Bekanntenkreis wussten viele nicht, dass es diese Möglichkeit gibt“, führt der stellvertretende Muggensturmer Bürgermeister aus. Daher hofft er, dass er mit seiner eigenen Plasmaspende andere dazu motivieren könne, es ihm gleichzutun. Es herrsche momentan eine große Verunsicherung, daher sei es ermutigend zu wissen, dass man einen Teil zur Erforschung des Virus beitragen könne.

Ein bisschen unangenehmer als eine normale Blutspende sei es schon, gibt Uschi Unser zu. Das halte sie aber keinesfalls davon ab, gemeinsam mit ihrem Mann erneut Plasma zu spenden.

Hinter dem etwas sperrigen Begriff Rekonvaleszentenplasma verbirgt sich eine einfache Idee: „Die Weitergabe menschlicher Antikörper von Genesenen an Erkrankte“, erläutert Franziska Hanfland. „Die Antikörper werden durch eine Virusinfektion im Körper gebildet.“ Ist die Person genesen, enthält ihr Blutplasma im Regelfall Antikörper, die den Erreger gezielt bekämpfen können. „Die Weitergabe dieser Antikörper an einen akut erkrankten Patienten wird als passive Immunisierung bezeichnet“, erklärt sie.

Diese Therapieform heißt so, „weil hier schwer erkrankten Personen die Antikörper einer anderen Person verabreicht werden“, so Hanfland. Die Sprecherin erläutert im BT-Gespräch: „Aktuelle Publikationen zeigen, dass eine Transfusion von Rekonvaleszentenplasma mit einem hohen Antikörpergehalt zu einem frühen Zeitpunkt den Krankheitsverlauf mildern und die Sterblichkeit senken kann.“

Spenden „sehr willkommen“

Die Anwendungen, für die in Mannheim aktuell Rekonvaleszentenplasma gesammelt wird, seien individuelle Heilversuche sowie die Herstellung von Hyperimmunserum. Als individuellen Heilversuch bezeichnet man die Anwendung eines noch nicht zugelassenen Therapeutikums im Einzelfall, merkt Hanfland im BT-Gespräch an.

Wichtig sei, ausreichend Rekonvaleszentenplasma sicherzustellen. „Für die Herstellung von Hyperimmun-Seren werden Hunderte Liter Plasma benötigt“, teilt die Sprecherin mit. Blutplasmaspenden seien daher „sehr willkommen“, sagt sie.

Der DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg – Hessen hat eine Internet-Seite zur Information und Registrierung Spendewilliger eingerichtet. Dort sind weitere Auskünfte zu finden.

www.blutspende.de/rkp

Ihr Autor

BT-Volontärin Anna Strobel

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Erstellt:
24. April 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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