Mit Drogen gedealt: Familienvater muss ins Gefängnis

Rastatt (up) – Das Amtsgericht Rastatt hat sein Urteil gegen einen 39-jährigen Mann aus einer Hardtgemeinde gefällt. Das Rauschgift hatte er aus dem Darknet und von der eigenen Plantage.

Bezogen hat der Angeklagte seinen Stoff zum Großteil aus eigener Marihuana-Plantage (Symbolbild). Foto: Frank May/dpa

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Bezogen hat der Angeklagte seinen Stoff zum Großteil aus eigener Marihuana-Plantage (Symbolbild). Foto: Frank May/dpa

Die Hoffnungen des 39-Jährigen waren nach wenigen Sätzen der Urteilsverkündung zunichte: „Der Angeklagte ist schuldig des Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen. Er wird zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt.“ Damit war klar, dass die von ihm ersehnte Aussetzung der Strafe zur Bewährung nicht mehr möglich ist. Dabei hatten es sich Richterin Angelika Binder und die beiden Schöffen nicht leicht gemacht. Ihr Urteil fällten sie nach fünf Verhandlungstagen und zuletzt mehr als dreistündigen Beratungen.

Polizei fängt Kokain-Sendung ab

Der Mann aus einer Hardtgemeinde hatte im Darknet Kokain bestellt, die Sendung konnte jedoch von der Polizei abgefangen werden. Bei einer Hausdurchsuchung hatten die Ermittler dann zahlreiche Marihuana-Pflanzen bei dem Mann entdeckt, der für deren Anbau seine Sauna und einen Kellerraum umgebaut hatte. Nach der Auswertung von Handynachrichten zeigte sich, dass er viele Kunden mit Drogen versorgte, hauptsächlich mit Marihuana, in einigen Fällen auch mit Kokain und Amphetaminen. Alle Abnehmer stammten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, standen ausnahmslos in „Lohn und Brot“, wie ein Polizeibeamter sagte. Der Angeklagte habe mit seinem Marihuanahandel niemanden in die „Sucht getrieben“, erklärte Richterin Binder durchaus anerkennend. Dass es letztlich doch nicht reichte für eine Bewährungsstrafe, lag demnach an den großen Mengen, die der Mann weitergegeben hat. Ein Ermittler hatte in der Hauptverhandlung ausgesagt, die Whatsapp-Nachrichten auf dem Handy des Mannes ließen den Schluss zu, dass der Mann bereits seit 2014 Drogen verkaufte, auch wenn es in dem Prozess nur um das Jahr 2018 ging.

Angeklagter bisher unbescholten

„Es war keine einfache Sache“, so Binder mit Blick auf den Angeklagten, der seit Jahren einen festen Arbeitsplatz hat, Familienvater ist, keine Vorstrafen aufweist und aufgrund seiner Vermögensverhältnisse auch eine Geldstrafe hätte bezahlen können. Das Gericht folgte in seiner Urteilsbegründung im wesentlichen Staatsanwalt Martin Rützel. Demnach hat der Angeklagte monatlich etwa 50 Gramm Marihuana selbst konsumiert und etwa 100 Gramm kostenlos weitergegeben. Zugunsten des Angeklagten ging das Gericht von einer Verkaufsmenge von 350 Gramm aus, im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft, die 650 Gramm annahm. Rützel hatte eine Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten gefordert. Verteidiger Marco Lott hatte indes festgestellt: „Hier sitzt kein klassischer Dealer!“ Sein Mandant sei von dem Strafverfahren schwer beeindruckt und habe sein Leben geändert.

Dealer gesteht und zeigt Reue

Die dreieinhalb Jahre seit den ersten polizeilichen Ermittlungen habe er dazu genutzt, von den Drogen loszukommen. Außerdem habe sein Mandant ein Geständnis abgelegt und in allen Punkten bereitwillig mit den Behörden kooperiert. „Es tut mir leid, was ich getan habe. Es wird nicht mehr vorkommen“, lautete die abschließende Beteuerung des Angeklagten. Ob er Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen wird, war am Ende des Prozesses noch nicht klar.


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