Mit Foodsharing in Baden-Baden Lebensmittel retten

Baden-Baden (nie) – Lebensmittel weitergeben statt wegwerfen: Das macht Bärbel Neumann, die gemeinsam mit über 200 Mitstreitern im Bezirk Rastatt/Baden-Baden für die Initiative Foodsharing aktiv ist.

Bei der Ernteaktion sollen Obstbaumbesitzer und Verbraucher zusammengebracht werden. Foto: Bärbel Neumann

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Bei der Ernteaktion sollen Obstbaumbesitzer und Verbraucher zusammengebracht werden. Foto: Bärbel Neumann

Es geht ums Retten. Nicht von Menschen oder Tieren, sondern von Lebensmitteln. Na ja, und das hängt dann ja doch wieder zusammen. Bärbel Neumann ist in Baden-Baden eine von zwei Betriebsverantwortlichen der international agierenden Initiative Foodsharing.

Zu deutsch ungefähr zu übersetzen mit dem Teilen von Essen. Dabei geht es darum, Lebensmittel verschiedener Art vor der Mülltonne zu retten – sei es auf dem Wochenmarkt oder in kleineren und größeren Betrieben. Bärbel Neumann ist im Bezirk Rastatt/Baden-Baden eine von über 200 Mitstreitern, wobei auf Baden-Baden laut der 63-Jährigen nur fünf bis zehn Aktive abfallen. „Wir sind am Wachsen“, ist sie sich aber sicher. Denn wo sie hinkomme, sei „Foodsharing ganz positiv besetzt“.

Ganz wichtig sei es aber, in „Balance etwas aufzubauen“. Ergo: Es brauche in einem machbaren Verhältnis Betriebe, Foodsaver und Abnehmer. Betriebe, die ihre übrig bleibende Ware nicht wegwerfen, sondern abgeben wollen; Foodsaver (zu deutsch etwa Essensretter), die vom Foodsharing-Netzwerk dafür zugelassen sind, Lebensmittel bei den Betrieben abzuholen; und Abnehmer, die Obst, Gemüse und allerlei mehr für sich verwenden möchten. Denn ein Super-GAU wäre es ja, wenn zwar Essen abgeholt werden kann, sich aber kein Verwerter finden würde – und alles am Ende doch im Müll landet, nur eben in einem anderen.

Bärbel Neumann hier bei der Übergabe ans Wohnungslosenheim. Foto: privat

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Bärbel Neumann hier bei der Übergabe ans Wohnungslosenheim. Foto: privat

Es sei ein Aha-Erlebnis gewesen, was Bärbel Neumann die Tür zu ihrem neuen Engagement öffnete. Anfang des Jahres habe sie bei der Tafel angefangen zu helfen, auch dort finden unzählige Produkte, die im Supermarkt nicht mehr verkauft werden, dankbare Abnehmer. „Das kann nicht wahr sein“, sei ihr durch den Kopf geschossen, als sie die großen Lebensmittelmengen sah – in diesem kleinen Laden, an nur einem Tag. Also hat sich Neumann in einer nicht ganz so einfachen Prozedur zum Foodsaver ausbilden lassen – und seit etwa April einen Kreis in Baden-Baden, gemeinsam mit der Betriebsverantwortlichen Michaela Schorpp, aufgebaut.

Die abgeholten Reste werden dann entweder an Wohnungslosenheime und Flüchtlingsunterkünfte in der Kurstadt weitergegeben oder im privaten Bereich verteilt. Das laufe gut, wenn das erste schlechte Gewissen abgelegt sei, sagt Neumann. Oft werde gefragt: „Haben die anderen schon?“, „Ist genug für alle da?“. Neumann kann diese Fragen mit „Ja“ beantworten. Beispielsweise habe die Tafel immer Vorrang. Und es gehe beim Foodsharing meist primär nicht um Bedürftigkeit, sondern um Nachhaltigkeit: Ich kann es mir zwar leisten einzukaufen, aber ich bin mir auch nicht zu schade, für die Tonne bestimmte Lebensmittel zu nutzen.

Aktionen sollen auf Restbestände aufmerksam machen

Das Ziel der Lebensmittelretter? „Toll wäre es natürlich, wir wären irgendwann überflüssig“, blickt Neumann in die Zukunft. Nämlich dann, wenn alle Betriebe nur noch das anbieten, was sie am Ende des Tages auch an den Mann oder die Frau bringen. So lange soll das Netzwerk aber ausgebaut und mit Aktionen auf die großen Restbestände aufmerksam gemacht werden.

Da komme die bundesweite Aktionswoche „Deutschland rettet Lebensmittel!“ mit dem Schwerpunktthema Obst und Gemüse vom 29. September bis 6. Oktober gerade richtig. Neumanns Idee: Baumbesitzer, die nicht alles selbst ernten können, und Erntewillige zusammenbringen. Im Kopf hat Neumann dabei ein gelungenes Projekt des Hauses Löwenzahn in Steinbach vom vergangenen Jahr. Die Einrichtung, deren Leiterin Neumann viele Jahre lang war, hatte Apfelbaumbesitzer gesucht, um die Früchte einzuholen. Mit Erfolg. Die Löwenzahn-Beteiligten konnten so viel ernten, dass große Mengen an Apfelsaft gepresst werden konnten.

Nun suchen Neumann und ihre Mitstreiter also zum einen Obstbaumbesitzer, die während der Obstsaison die vielen Früchte nicht selbst abernten können, zum anderen Baden-Badener Vereine, Gruppierungen und Einrichtungen als Verbraucher. Diese sollen die Bäume ernten und das Obst zum Eigenverbrauch oder zur Weiterverarbeitung behalten. Aufgabe von Neumann wird es sein, Besitzer und Verbraucher zusammenzubringen – das müsse nicht zwingend innerhalb der Aktionswoche sein. Neumann freut sich auf Anmeldungen beider Seiten per E-Mail an b.neumann2@foodsharing.network oder unter (0 72 21) 3 73 15 60.

www.foodsharing.de

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Erstellt:
25. August 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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