Mit Gurgeltest Corona-Infektion nachweisen

Baden-Baden (for) – Der Baden-Badener Arzt Sven Gehrke hat einen PCR-Gurgeltest entwickelt, mit dem eine Coronavirus-Infektion möglichst schnell, kostengünstig und effektiv nachgewiesen werden soll.

Nach dem Gurgeln ziehen Anwender die flüssige Probe in ein Blutentnahmeröhrchen und geben es zur Auswertung ab. Das Testergebnis erhalten sie digital. Foto: Sven Gehrke

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Nach dem Gurgeln ziehen Anwender die flüssige Probe in ein Blutentnahmeröhrchen und geben es zur Auswertung ab. Das Testergebnis erhalten sie digital. Foto: Sven Gehrke

„Wir werden mit der Corona-Pandemie leben müssen“, diesen Satz hat der Baden-Badener Mediziner Dr. Sven Gehrke schon vor Monaten im BT-Gespräch gesagt – und er ist nach wie vor gleicher Meinung. Wichtig sei deshalb, intelligente Lösungen zu finden, um mit dem Virus umzugehen. Neben der Impfung nennt Gehrke gute Teststrategien als eine wichtige Säule im Kampf gegen die Pandemie. Zur Covid-19-Früherkennung hat er nun einen vollautomatisierten PCR-Schnelltest aus Gurgelwasser entwickelt.

Probeentnahme ohne Kontakt

Dass die üblichen Nasen- und Rachen-Abstriche – etwa bei den Antigen-Schnelltests – nur bedingt aussagekräftig sind, hat Gehrke schon sehr früh erkannt. Deshalb hat er bereits im vergangenen Jahr ein PCR-Testverfahren mithilfe von Gurgelwasser präsentiert (wir berichteten). Zur Probeentnahme kam damals noch ein Praxismitarbeiter zum Patienten nach Hause. „Allerdings kosten diese Wege Zeit“, sagt Gehrke. „Und außerdem mussten für die Probeentnahme immer mindestens zwei Personen Kontakt miteinander haben, obwohl Kontakte ja eigentlich vermieden werden sollen.“ Bei PCR-Tests, für die eine Person einer anderen einen Abstrich aus Nase und Rachen nehmen muss, bestehe diese Problematik ebenfalls.

„Ziel war also, ein schnelles, kostengünstiges und effektives Testverfahren zu entwickeln, das die Menschen möglichst selbstständig – also ohne den direkten Kontakt zu anderen Personen – anwenden können“, fasst Gehrke zusammen. In seinem neu entwickelten Corona-PCR-Schnelltest aus Gurgelwasser, den er jüngst im Medical Center Baden-Baden demonstriert hat, sind nun all diese Aspekte vereint. Patienten bekommen für die Probeentnahme einen Becher mit fünf Milliliter destilliertem Wasser zum Gurgeln. Die Probeentnahme sollte idealerweise morgens vor dem Frühstück und vor der Mundhygiene erfolgen, damit das Ergebnis möglichst nicht verfälscht wird.

Husten, gurgeln, spucken

„Nachdem man drei- bis fünfmal in die Ellenbeuge gehustet hat, um die Viren aus der Lunge hochzubekommen, wird etwa 30 Sekunden gegurgelt“, erklärt Gehrke das Vorgehen. „Danach wird die Flüssigkeit wieder zurück in den Becher gespuckt.“ Nun habe man eigentlich schon die fertige Probe fürs Labor. Die Entnahme dauere insgesamt nicht länger als zwei Minuten.

Ein Problem gab es aber trotzdem noch: Der Plastikbecher sei für die Laienanwendung eher unpraktisch. „Wenn der Deckel nach der Probeentnahme nicht richtig zugeschraubt wird und Flüssigkeit austritt, besteht die Gefahr einer Ansteckung.“ Das wollte Gehrke unbedingt vermeiden. Die Lösung: Ein Blutentnahmeröhrchen, mit dem die flüssige Probe aus dem Plastikbecher entnommen wird. „Damit haben wir ein geschlossenes System, das sicher und hygienisch ist, ohne dass etwas heraustropfen kann“, erklärt Gerke. Zu jedem dieser Röhrchen soll künftig auch ein Barcode mitgeliefert werden, über den sich die Anwender mit dem Smartphone registrieren und ihre persönlichen Daten eingeben können. „Wir arbeiten hier noch an einer passenden Softwarelösung, die Anwender sollen dann auch digital das Testergebnis abrufen können.“

Transportwege vermeiden

Mit einer Maschine werden die Röhrchen mit den Proben dann erhitzt und wieder abgekühlt, um so ohne großen Aufwand die Testergebnisse zu erhalten. Innerhalb von 45 bis 75 Minuten liege das Ergebnis dann vor.

Um Transportwege möglichst zu vermeiden, möchte Gehrke mobile Container mit einer vollautomatischen, digitalisierten und schnellen Corona-Diagnostik aufstellen lassen. Dort könnten die Gurgeltests dann etwa vor Veranstaltungen durchgeführt werden. „Es ist sinnvoll, die Diagnostik an den Ort des Geschehens zu bringen, so muss die Probe nicht durch halb Deutschland transportiert werden“, merkt der Mediziner an.

„Mit dem PCR-Gurgeltest haben wir ein Verfahren entwickelt, das sehr empfindlich und aussagekräftig ist“, betont Gehrke. Die Empfindlichkeit sei derart hoch, dass auch ein sogenanntes „Pooling“ der Proben möglich sei. Dabei werden beispielsweise fünf bis zehn Gurgelwasser-Proben gemischt und dann vollautomatisch ausgewertet. Das eigne sich beispielsweise für Kitas oder Schulklassen besonders gut. „In einer Klasse mit 30 Schülern gibt jeder Schüler seine eigene Probe ab. Wir können daraus dann ein 10er Pool erstellen und haben am Ende nur noch drei gemischte Proben, die ausgewertet werden müssen“, erklärt Gehrke. Auch das spare Zeit und Kosten. Ist ein „Pool“ positiv, erfolge im Nachgang eine sofortige Untersuchung der einzelnen Proben dieses „Pools“.

CT-Wert als Maß für die Infektiosität

Der PCR-Gurgeltests habe gegenüber einem Antigentest aber noch einen weiteren Vorteil, wie Gehrke betont. „Wir erhalten mit dem PCR-Test nicht nur ein positives oder negatives Ergebnis, sondern wir können bei der PCR-Untersuchung gleichzeitig auch noch den CT-Wert ermitteln.“ Dieser dient als Maß für die Menge der im Probenmaterial vorhandenen Virus-RNA und damit auch als Maß für die Infektiosität. „Nicht immer ist eine positiv getestete Person auch wirklich ansteckend“, klärt Gehrke auf. Weil das PCR-Verfahren sehr empfindlich ist, erhalten dadurch oft auch Menschen ein positives Ergebnis, die nur noch geringe Mengen an Virusmaterial im Körper haben und wahrscheinlich niemanden mehr anstecken können. Das kann etwa der Fall sein, wenn die Infektion bereits am Abklingen ist. „Mittels CT-Wert lässt sich dann vom Arzt abschätzen, ob und wie lange jemand in Quarantäne muss“, so Gehrke. „Das ist wichtig, wir können die Leute nicht einfach unbegründet 14 Tage wegsperren, ohne zu wissen, ob sie tatsächlich infektiös sind“, meint er. „So verlieren wir das Vertrauen der Menschen, sie lassen sich im schlimmsten Fall überhaupt nicht mehr testen“, warnt Gehrke.

Derzeit feilt er gemeinsam mit mehreren Firmen noch an seinem neu entwickelten Gurgeltest, um ihm „den letzten Schliff“ zu verleihen. „Alle Vorversuche haben aber sehr gut funktioniert“, zeigt sich Gehrke schon jetzt zufrieden. Spätestens bis zum Ende der Schulferien will er mit dem Gurgeltest an den Start gehen. Er soll nicht teurer als ein Antigentest sein.


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