Mit Impfzertifikat in die erste Probe

Muggensturm (as) – In der Serie „Vom Ton zum Klang“ berichtet BT-Redakteurin Anja Groß von ihrem Selbstversuch, Klarinette zu lernen und im Anfängerorchester des MV Muggensturm mitzuspielen. Nach 18 Monaten Zwangspause geht es wieder los.

Nachdem monatelang nur jeder für sich allein spielen konnte, probt das Anfängerorchester des MV Muggensturm wieder – und der Selbstversuch von BT-Redakteurin Anja Groß mit der Klarinette geht weiter. Foto: Michael Groß/Archiv

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Nachdem monatelang nur jeder für sich allein spielen konnte, probt das Anfängerorchester des MV Muggensturm wieder – und der Selbstversuch von BT-Redakteurin Anja Groß mit der Klarinette geht weiter. Foto: Michael Groß/Archiv

Wann bin ich zum zweiten Mal geimpft worden? Ein schneller Blick in die App, das Impfnachweis-Formular fertig ausgefüllt, Noten und Klarinette eingepackt, dann kann es losgehen: Endlich, nach monatelanger Corona-Zwangspause, trifft sich das Anfängerorchester für Erwachsene (AfE) des Musikvereins Muggensturm wieder.

Einige sind abgesprungen

Ist das ein Hallo vor der Wolf-Eberstein-Halle! 18 Monate haben wir nicht zusammen gespielt, immer nur jeder für sich geprobt – teils online, teils in Präsenz mit dem Lehrer (je nach den gerade aktuellen Vorgaben). Und teils auch gar nicht, weil Lehrer abgesprungen sind oder die Motivation schwand – ohne gemeinsame Proben. Ausnahme war eine kurze Unterbrechung vergangenen Herbst – bis der nächste Lockdown kam.

Damit war für das Anfängerorchester, das erst im Mai 2019 zusammenfand, die unfreiwillige Pause länger als die Zeit des gemeinsamen Musizierens. Und wie schon befürchtet, zeigt sich bei der ersten Probe, dass einige abgesprungen sind. Dafür freuen wir uns aber auch über zwei Neuzugänge – und weitere sind montags um 18.30 Uhr in der Wolf-Eberstein-Halle Muggensturm immer willkommen (wir beißen nicht, wir spielen höchstens mal falsch!).

Musikvereins-Vorsitzender Dominik Müller kontrolliert beim ersten Treffen höchstpersönlich die Hygienevorschriften, lässt sich die Impfzertifikate zeigen und sammelt das bereits erwähnte Nachweisformular ein. Musikprobe in Pandemiezeiten – da sind wir sicher nicht die einzigen!

Ungewohnt ist auch das „Probelokal“ im WEH-Foyer, das aus Infektionsschutzgründen nicht wie sonst abgetrennt werden darf. So „untermalen“ wir die Turnstunde in der Sporthalle (mehr oder weniger) musikalisch und werten das begeisterte Kreischen mal wohlwollend als Beifall.

Neuer Dirigent, neue Pläne

Es folgt der „Auftritt“ des neuen Dirigenten: Daniel Heck. Der 35-Jährige dirigiert bereits den Musikverein Hörden und das Bezirksjugendorchester. „Erwachsene Anfänger hatte ich noch nie“, sagt er trocken zu seiner Motivation und lacht: „Wobei ihr ja eigentlich keine Anfänger mehr seid.“ Das meint er wohl mit Blick auf die mittlerweile schon zwei Jahre Ausbildungszeit (und es sind ja auch Wiedereinsteiger dabei). Schaun mer mal, sagt man in Fußballerkreisen – und so redet Daniel (Musiker duzen sich) nicht lang um den heißen Brei, sondern testet unseren Kenntnisstand. „Wisst ihr, was ihr spielen müsst, wenn ich eine klingende G-Dur-Tonleiter ansage?“, will er wissen. Ratlos schauen wir uns an. „Durchgefallen“, denke ich. Er versteht und erklärt, was jeder spielen muss. Los geht’s – „...und die Töne aushalten, so wie ich es anzeige“, ruft der Dirigent mit erhobenem Taktstock. Ganz langsam dirigiert er uns die Tonleiter rauf und runter – klappt.

Es folgen zwei einfache Musikstücke. „Ach, da geht aber noch mehr“, stellt der Dirigent fest. Der Plan ist jedenfalls, dass wir dieselben Musikstücke einstudieren wie das Jugendorchester – für eventuelle gemeinsame Auftritte, verkündet Daniel. Ob wir was dagegen haben? Nein. Im Gegenteil, wir hoffen vielmehr insgeheim, dass es dazu auch kommt. Wer weiß schließlich, was in der vierten Corona-Welle noch so alles auf uns zurollt.

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BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
21. September 2021, 12:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 35sec

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