Mit Knete zu mehr Fingerspitzengefühl

Gernsbach (mo) – An der Grundschule Staufenberg halten viele Kinder den Stift falsch: Ein Schreibcoaching soll Abhilfe schaffen.

Aufrecht Sitzen hilft: Ein Familiencoach erklärt den Staufenberger Erstklässlern, worauf es bei der richtigen Stifthaltung beim Schreiben ankommt. Foto: Marie Orphal

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Aufrecht Sitzen hilft: Ein Familiencoach erklärt den Staufenberger Erstklässlern, worauf es bei der richtigen Stifthaltung beim Schreiben ankommt. Foto: Marie Orphal

Für die Erstklässler der Grundschule Staufenberg in Gernsbach steht am Montagmorgen Kneten auf dem Stundenplan. Lucy, Carlos und ihre Mitschüler rollen Würste, formen Bälle und modellieren Rosen aus der Knetmasse. So sollen die Kinder lernen, den Stift beim Schreiben richtig zu halten.

„Kneten schult die Feinmotorik“, erklärt Caroline Metzner. Auch beim Schreiben komme es auf Fingerspitzengefühl an. Metzner ist Familiencoach und hat eine Praxis in Gaggenau. Sie übt mit den Grundschülern die richtige Stifthaltung ein.

„100 Prozent der Kinder halten den Stift falsch“, sagt Stephanie Hinkelmann, Leiterin der Grundschule Staufenberg. In den vergangenen Jahren habe sich die Stifthaltung der Schulanfänger deutlich verschlechtert. „Die Übung fehlt“, sagt Hinkelmann.

„Kindergärten und Grundschulen sitzen im selben Boot“

Vielen Eltern sei es anscheinend zu mühsam, mit ihren Kindern zu üben. Auch in den Kindergärten liege der Fokus offenbar eher auf anderen Dingen. Wenn ein Kind den Stift falsch hält, wird das Schreiben anstrengend.

„Das ist für das Kind sehr frustrierend“, sagt Hinkelmann. Die Grundschule hat eine Kooperation mit dem Kinderhaus Staufenberg. Regelmäßig besucht eine Lehrerin die Einrichtung, um sich ein Bild vom Stand der Kinder zu machen. Sie meldet dem Kindergarten dann, wo die Kinder Nachholbedarf haben. Das Kinderhaus will sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern.

„Kindergärten und Grundschulen sitzen im selben Boot“, sagt Adrian Groll. Er leitet den Kindergarten St. Laurentius in Gaggenau. Die Erzieher achten laut Groll darauf, dass die Kinder den Stift richtig halten: „Bei uns wird nicht weniger gemalt oder gebastelt als früher.“ Die Stifthaltung sei bei der Zusammenarbeit mit den Grundschulen aber „immer wieder Thema“, sagt Groll. Einen Trend zu schlechter Stifthaltung sieht er trotz allem nicht: „Das ist jahrgangsabhängig.“ An der Grundschule Michelbach in Gaggenau ist die Lage weniger ernst. Zwar gebe es immer wieder mal Kinder, die den Stift falsch hielten, sagt Schulleiterin Heidi Feix-Trost: „Aber ein großes Problem ist es bei uns nicht.“

Wichtig ist eine aufrechte Haltung

Typische Fehler bei der Stifthaltung sind laut Schreibcoach Metzner: Den Stift mit der ganzen Faust halten, den Körper beim Schreiben verdrehen oder den Stift zu aufrecht halten – so sieht das Kind die Linien auf dem Blatt nicht mehr. Das Resultat: eine schlampige Schrift. Auch die Dosierung der Kraft sei ein Problem. „Viele Kinder drücken zu stark“, erklärt Metzner. Die Folge seien Schmerzen in der Hand oder im Arm.

Wichtig ist laut Metzner eine aufrechte Haltung beim Schreiben. Die Füße sollten dabei den Boden berühren. Den Stift könne man wahlweise mit drei oder vier Fingern halten – nicht zu weit von der Spitze entfernt, aber auch nicht zu weit unten. Das Papier sollte beim Schreiben leicht schräg auf dem Tisch liegen. Während die eine Hand schreibt, sollte die andere auf dem Blatt liegen, damit es nicht wegrutscht.

An 15 Terminen kommt Metzner an die Grundschule. Der Förderverein der Schule lässt sich das Schreibcoaching mehrere hundert Euro kosten. Nächstes Jahr soll das Projekt laut Schulleiterin Hinkelmann weitergehen.

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Ihr Autor

Marie Orphal

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Erstellt:
15. Februar 2022, 16:30 Uhr
Lesedauer:
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