Mit Mikrowellen gegen den Holzwurm

Rastatt (fuv) – Die Kirchenbänke der Einsiedelner Kapelle in Rastatt sind von Schädlingen befallen. Die Staatliche Schlösser und Gärten rücken den Larven mit Technik zu Leibe.

Heiko Ritter platziert die Hornantennen in der Kapelle. André Matzke schaut ihm dabei über die Schulter.  Foto: Frank Vetter

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Heiko Ritter platziert die Hornantennen in der Kapelle. André Matzke schaut ihm dabei über die Schulter. Foto: Frank Vetter

Die Einsiedelner Kapelle in Rastatt ist nur selten für die Öffentlichkeit zugänglich. Sie hat allerdings einen äußerst unbeliebten Dauerbewohner: Anobium Pinctatum. Der gemeinhin Holzwurm genannte Käfer hat die historischen Kirchenbänke befallen, droht sie langfristig zu zerstören. Jetzt gehen Restauratoren mit Mikrowellentechnik gegen ihn vor.

Firma hat Mikrowellen-Verfahren selbst entwickelt

Die Kirchenbänke stammen aus der Zeit der Erbauung der Kapelle zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Restauratoren der Staatlichen Schlösser und Gärten (SSG) Baden-Württemberg hatten den Holzwurmbefall diagnostiziert, so Thomas Merkl, zuständiger Restaurator bei den SSG. Die typischen Symptome, Holzwurmlöcher, sind deutlich zu erkennen. Die nun beauftragte Spezialfirma aus dem thüringischen Greiz hat das Mikrowellen-Verfahren selbst entwickelt, wie Inhaber André Matzke bei einem Pressetermin anlässlich des Beginns der Restaurierungsmaßnahme erläuterte.

In der Kapelle sind mehrere Aluminiumkästen aufgebaut, die Mikrowellengeneratoren. Die sind mittels dicker Kabel mit sogenannten Hornstrahlantennen verbunden, die an Lautsprecher erinnern. Die Antennen stehen direkt auf den zu behandelnden Holzflächen und leiten die Mikrowelle zielgerichtet in das barocke Holz. Dadurch wird die Zellulose des Holzes auf 70 bis 80 Grad Celsius erwärmt, und damit auch die Larven. „Das ist wie im Backofen“, erklärt André Matzke. Das Eiweiß im Körper der Larven gerinnt, was deren Tod bedeutet. Fünf Tage sind für die Holzwurm-Kampagne vorgesehen.

„Die Mikrowellen-Technik ist ein rein bekämpfendes Verfahren“, betont Thomas Merkl. Eine Imprägnierung des Holzes, wie in der Vergangenheit auch in Innenräumen angewandt, werde nicht erfolgen, da die dabei verwendeten Chemikalien gesundheitsschädlich seien.

Der Fachmann der Staatlichen Schlösser und Gärten zählte gestern auch alternative Methoden zur Holzwurm-Bekämpfung auf. „Das gesamte barocke Gestühl kann ausgebaut und im Depot der SSG in der Wärmekammer behandelt werden.“ Ausbau und Transport seien jedoch denkmalpflegerisch problematisch.

Alternativen wären sehr aufwendig

Eine weitere, sehr aufwendige Alternative sei die Behandlung mit Stickstoff. Dazu müsste die Kapelle komplett eingehaust werden, so Merkl weiter. Dieses Verfahren kam bei der Schlosskirche zum Einsatz. Mit den Mikrowellen habe die SSG beispielsweise bei der Behandlung einer Kirchenbank im Kloster Alpirsbach gute Erfahrungen gemacht, unterstreicht Thomas Merkl.

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Erstellt:
10. November 2021, 11:00 Uhr
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