Mit Musik „Distanzen überwinden“

Bühl (kie) – Beim Badischen Kammermusikfest, das im vergangenen Jahr unter Pandemie-Bedingungen geboren wurde, präsentieren junge Künstler aus aller Welt Werke von Brahms und Dubois.

Die venezolanische Geigerin Fabiola Gamarra ist eine der beteiligten Musikerinnen. Foto: Music is it

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Die venezolanische Geigerin Fabiola Gamarra ist eine der beteiligten Musikerinnen. Foto: Music is it

„In allen Ensembles, in denen ich gespielt habe, haben wir uns nie bekriegt – wegen der seelischen Verbindung, die durch das gemeinsame Musizieren entsteht“, sagt Peter Meier, Initiator des Badischen Kammermusikfests, das am Samstag in Lahr beginnt. Konzerte in Karlsruhe-Rüppurr (11. September) und in Bühl-Neusatz (12. September) folgen unter dem Motto „Distanzen überwinden“. Bereits im vergangenen Jahr organisierte der gebürtige Bühler Kammerkonzerte junger internationaler Musiker in Seniorenheimen, Restaurants und Biergärten unter freiem Himmel.

Meier, der heute in Frankfurt lebt, geht es dabei ums „Teilen“, wie er im BT-Gespräch erläutert: Teilen von Musik im Allgemeinen – insbesondere im öffentlichen Raum –, aber auch das Teilen von Möglichkeiten, diese überhaupt auszuüben und schließlich zur Aufführung zu bringen. „Mein Ziel ist es, arme Kinder auf die Bühne zu bringen, denn das stärkt das Selbstvertrauen“, sagt er.

Vor rund zwölf Jahren ist Meier durch einen Fernsehbericht auf das venezolanische Musikausbildungsprogramm „El Sistema“ auf die Idee aufmerksam geworden, junge Musiker aus armen Familien in ihrem Karriereweg zu unterstützen. Es folgten Aufenthalte vor Ort, während denen er sich selbst ein Bild von der methodischen und didaktischen Arbeit des staatlichen Programms machen, und Kontakte knüpfen konnte, wie er erläutert. Inzwischen fungiert Meier laut eigenem Bekunden als eine Art Organisator für junge Künstler aus Lateinamerika, die in Deutschland Musik studieren möchten, jedoch nicht über die nötigen finanziellen Ressourcen verfügen.

Weg aus einer
schwierigen Kindheit

Dabei spielt auch seine eigene Lebenserfahrung eine gewichtige Rolle: Schon früh habe er Akkordeon gespielt und auch unterrichtet, war Teil eines Blasorchesters und mit 14 Jahren dirigierte er ein Kinder- und Jugend-Akkordeonorchester in Bühl. Mit 18 Jahren übernahm er für zehn Jahre die musikalische Leitung des Marionettentheaters ‚Die Tütenpuppe‘ in Baden-Baden. Die Musik habe ihm Selbstwertgefühl gegeben und einen Weg aus einer nicht immer einfachen Kindheit aufgezeigt, ist er sich sicher.

Musik dürfe nicht allein stundenlang im „stillen Kämmerlein“ geübt werden, sondern solle zur Aufführung gebracht werden – und das nicht erst, wenn alles perfekt ist und nicht nur von Kindern und Jugendlichen, die die finanziellen Möglichkeiten dazu haben.

Um diese Zukunftsvision umzusetzen, möchte er eine Stiftung in Bühl gründen, die sich das Ziel setzt, Kinder aus armen Familien etwa beim Instrumentenkauf oder beim Unterricht finanziell zu unterstützen. Sein Engagement für mehr Zugang zur Musik solle „da stattfinden, wo ich geboren wurde, weil mir die Musik hier auch viel gegeben hat“. Derzeit ist er auf der Suche nach weiteren Sponsoren, auch Firmen seien ihm sehr willkommen, wie er sagt. Weitere Festivals von „Basel bis Mannheim“ seien ebenfalls ein Ziel.

Die jungen Künstler, die bereits im vergangenen Jahr in der Region aufgetreten sind, kommen aus der ganzen Welt – vornehmlich aus Lateinamerika – und studieren oder arbeiten in Deutschland. Wie Meier erzählt, seien sie von den Reaktionen im vergangenen Jahr, insbesondere von den älteren Menschen in den Senioreneinrichtungen, sehr ergriffen gewesen: „Den Musikern standen die Tränen in den Augen, weil die Leute in der Seele berührt wurden durch Musik“, fasst er die Motivation, in diesem Jahr weiter zu machen, zusammen.

Projektbezogen kommen die Musiker für das Badische Kammermusikfest zusammen und werden in diesem Jahr Werke von Brahms und Dubois zum besten geben. Eine Uraufführung eines Stücks für Piccolo und Cembalo aus der Feder eines russischen jungen Künstlers wird zudem in Lahr geboten.

Die Lebensläufe der beteiligten Künstler lesen sich dabei wie die Verwirklichung der Idee Meiers – so etwa die Vita der venezolanischen Geigerin Fabiola Gamarra, die im Alter von acht Jahren ihren ersten Geigenunterricht in den Orchestern von „El Sistema“ erhielt, schließlich an der Musikhochschule in Stuttgart studierte und heute Mitglied der Württembergischen Philharmonie Reutlingen ist.

www.bakamufest.eu

Ihr Autor

BT-Redakteurin Franziska Kiedaisch

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Erstellt:
3. September 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

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