Mit Rückenwind in die zweite Amtszeit

Ötigheim (as/dm) – Der alte und der neue Bürgermeister von Ötigheim heißt Frank Kiefer. Der 43-Jährige wird mit 96,3 Prozent der gültigen Stimmen wiedergewählt.

Erleichtert und zufrieden: Der alte und neue Bürgermeister Frank Kiefer mit Ehefrau Larissa und den beiden Söhnen Fabian und Philipp. Foto: Frank Vetter

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Erleichtert und zufrieden: Der alte und neue Bürgermeister Frank Kiefer mit Ehefrau Larissa und den beiden Söhnen Fabian und Philipp. Foto: Frank Vetter

Lang anhaltender Applaus brandet auf dem Rathausplatz auf, als Wahlausschussvorsitzender Christian Dittmar das Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Ötigheim verkündet. Dass Amtsinhaber Frank Kiefer (CDU) in eine zweite Amtszeit geht, war ja Formsache – schließlich war Dauerbewerber Samuel Speitelsbach der einzige Gegenkandidat. Das Wie beeindruckt indes: 52 Prozent der 4.033 Wahlberechtigten sind trotz dieser Konstellation und trotz Corona dem Wahlaufruf gefolgt. Und Kiefer erhält rund 96,3 Prozent der gültigen Stimmen.
Bezieht man auch die ungültigen Stimmen mit ein (1,7 Prozent), votierten 94,7 Prozent der Wähler für Kiefer. Auf Speitelsbach entfallen 2,8, auf Sonstige 0,9 Prozent. Für einen reibungslosen Ablauf der zweiten Wahl im Corona-Jahr 2021 haben in Ötigheim 47 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer gesorgt. Für einen reibungslosen Ablauf der zweiten Wahl im Corona-Jahr 2021 haben in Ötigheim 47 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer gesorgt.

Rund 80 Interessierte auf Rathausplatz


Gebührend gefeiert werden kann der Wahlsieger in diesen Zeiten indes nicht, auch wenn rund 80 Interessierte vors Rathaus gekommen sind, darunter Gemeinderäte, Vereinsvertreter, zahlreiche Bürgermeister der Region und die Landtagsabgeordneten des Wahlkreises. Der Musikverein verzichtet auf das traditionelle Ständchen; und den Bürgermeistermaien – aus dem Bietigheimer Wald stammend – wird die Feuerwehr zu einem späteren Zeitpunkt stellen, kündigt Dittmar an. Er überbringt zugleich die ersten Glückwünsche aus der sächsischen Partnergemeinde Rathen – mit einem Augenzwinkern: „Die müssen es wohl geahnt haben“.

Kiefer ist überwältigt


Als erster Gratulant vor Ort attestiert sodann Landrat-Stellvertreter Dr. Jörg Peter dem Wiedergewählten „ein tolles Votum“, lobt dessen Einsatz und Kompetenz.

Kiefer selbst zeigt sich überwältigt angesichts des „nie für möglich gehaltenen Zuspruchs“. Er wertet diesen, an Gemeinderat und Verwaltungsmitarbeiter gewandt, als „Ergebnis unserer Arbeit der letzten acht Jahre“. Nun freue er sich auf die nächsten acht. Besonders schließt er seine Frau Larissa und die Söhne Fabian und Philipp in die Dankesworte ein, die oft auf ihn verzichten müssten – und seine Mutter „für unzählige Stunden Babysitten“.

„Grandioses Ergebnis“


Für die MÖBS-Bürgermeisterkollegen tritt Dietmar Späth ans Mikrofon. Er gratuliert Kiefer zu einem „grandiosen Wahlergebnis“ als Lohn für Engagement und Seriosität, verteilt mit launigen Worten Präsente an die Familie und bezeichnet die Wahlbeteiligung angesichts der Konstellation als „landesweit inzwischen sicher einzigartig“. Die erste Wiederwahl sei etwas Besonderes, so Späth.

Er freue sich sehr auf die weitere Zusammenarbeit, pflichtet Steinmauerns Bürgermeister Toni Hoffarth den Glückwünschen bei. Als ausgewiesenen Fachmann, der das Herz auf dem richtigen Fleck trägt, bezeichnet Bietigheims Rathauschef Constantin Braun seinen Kollegen.

„Wir freuen uns über das hervorragende Ergebnis“, erklären die Fraktionssprecher des Gemeinderats, Christian Dittmar (FWG) und Markus Rapp (CDU) wortgleich. Das bestätige, dass man gemeinsam „auf dem richtigen Weg“ sei, meint Rapp, während Dittmar von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit und „kurzen Wegen“ im Telldorf spricht.

Hat das Tempo durchgehalten


CDU-Landtagsabgeordneter Alexander Becker, der bis 2017 selbst Gemeinderat in Ötigheim war, würdigt das „mehr als verdiente Ergebnis“. Dieses zeige, dass die Ötigheimer Kiefers Arbeit schätzen. Anfangs habe man sich im Gemeinderat gefragt, „wie lang er das Tempo durchhält, aber er hat“, meint Becker anerkennend, „und er wird es weiter durchhalten“.

Beeindruckend findet auch MdL Thomas Hentschel (Grüne) das Ergebnis, vor allem auch wegen der Wahlbeteiligung. Hier zeige sich, wie stark der Zusammenhalt in Ötigheim sei. SPD-Abgeordneter Jonas Weber bezeichnet das Wahlergebnis Kiefers als „verdienten Erfolg für acht fleißige Jahre“.

Kommentar von Anja Groß: Großer Vertrauensbeweis


Spannend war bei der Bürgermeisterwahl in Ötigheim eigentlich nur die Frage nach der Wahlbeteiligung. Und die ist bei einem Quasi-Alleinkandidaten mit 52 Prozent ein ungewöhnlich deutlicher Vertrauens- und Sympathiebeweis. Die meisten Ötigheimer sind mit der Arbeit von Bürgermeister Frank Kiefer offensichtlich vollauf zufrieden. Das ist nicht unerwartet, denn grobe Schnitzer sind dem 43-Jährigen in seiner ersten Amtszeit nicht unterlaufen. Im Gegenteil: Zahlreiche Projekte wurden umgesetzt oder angestoßen, die Infrastruktur verbessert. Dabei legt Kiefer die Messlatte für sich selber und andere hoch, ist stets treibende Kraft. Er verlangt auch den Bürgern in Workshops einiges ab. Das Ergebnis sieht und würdigt er gleichwohl immer als große Gemeinschaftsleistung. Und auch wenn der Verwaltungschef stets auf Ausgleich bedacht ist, hat er sich durchaus als kritikfähig erwiesen und ist bereit, Fehler einzugestehen und zu korrigieren. Dass nicht alle einverstanden sind, zeigen die Stimmen für Samuel Speitelsbach und Sonstige. Dennoch bildet das Wahlergebnis eine solide Basis für die nächsten acht Jahre.

Dass es mit Samuel Speitelsbach einen Herausforderer gab, ist gelebte Demokratie. Dieser Dauerbewerber bestätigte allerdings seinen Ruf, er werde die Kandidatur nicht ernsthaft betreiben. Viele fragen sich da erneut, ob es nicht an der Zeit ist, die Hürde für das Wahlamt höher zu legen: Warum sollen Bürgermeisterkandidaten nicht auch in Gemeinden unter 20.000 Einwohnern eine Mindestzahl Unterstützerunterschriften vorlegen müssen?


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