Mit Seil, Schwung und Köpfchen

Von BT-Redakteurin Fiona Herdrich

Ottersweier (fh) – Wer sich mehr bewegen möchte, kann es derzeit mit Seilspringen versuchen. Fiona Herdrich hat sich schon 2017 von den „Burning Ropes“ zeigen lassen, wie das richtig geht.

Mit Seil, Schwung und Köpfchen

Mittig schwingen, reinspringen, rausspringen, abwechselnd – Fiona Herdrich lernt zu zweit zu springen. Foto: Frank Seiter

„Es wird vielleicht Sachen geben, die du zum Kotzen findest, aber andere machen dafür richtig viel Spaß“, begrüßt mich Marcel Velte, Trainer der Showgruppe Burning Ropes in der Neuen Sporthalle in Ottersweier. Er sollte recht behalten. Die Seilspringer verknüpfen verschiedene Tricks, akrobatische und turnerische Elemente mit Musik zu einer Choreografie. Von Velte und seiner Truppe lasse ich mir die Grundlagen dieses Sports zeigen und muss dabei feststellen: Das erfordert ganz schön Übung.

Das Gefühl, mich gleich zu übergeben, habe ich tatsächlich einmal. Das geht aber in der Pause schnell wieder vorbei. Speed Skipping ist unglaublich anstrengend. In einer vorgegebenen Zeit, in diesem Fall 30 Sekunden, muss möglichst oft gesprungen werden, mit beiden Füßen abwechselnd, wobei – und das mache ich zunächst falsch – das Seil bei jedem Sprung einmal durchschwingen muss. Gezählt wird nur, wenn der rechte Fuß den Boden berührt. Schon allein das Bedienen des Klickzählers erfordert Konzentration. Für den Anfang bekomme ich aus Sicherheitsgründen auch kein richtiges Speed Rope aus Stahldraht, sondern eines aus grünem Gummi.

Ganz abgesehen davon, dass mich die Technik beim Springen etwas überfordert – einen doppelten Sprung schaffe ich gar nicht –, bin ich nach drei Durchgängen alle. Dabei war ich noch nicht mal gut. Meine Partnerin Lena Zimmer schafft in 30 Sekunden etwa 70 Zähler. Velte erklärt: „Das sollte man beim Wettbewerb schon schaffen.“ Ich dagegen habe eine mickrige 25 auf dem Zähler stehen.

Variationen mit Füßen und Armen

Gut, dass das noch nicht alles war. Als nächstes zeigt Velte mir, was man alles mit einem Single Rope machen kann, einem Seil, mit dem man alleine springt. Abgesehen von den Stahlseilen und meiner Gummialternative, sind auf alle Seile, die ich kennenlerne, Plastikglieder in verschiedenen Farben gefädelt.

Eigentlich stelle ich es mir einfach vor, alleine zu springen. Falsch gedacht, es ist nämlich niemand da, der mir beim Koordinieren des Seils hilft. So verheddere ich mich, mache Zwischensprünge, wo sie nicht hingehören, und verfehle beim Aufheben meines Seils mit Schwung immer wieder knapp den Griff.

Damit ich mich nicht so alleine fühle, stehen ein paar Mädchen mit mir und Velte im Kreis und geben Tipps. Variieren kann ich unter anderem mit den Füßen, aber auch mit den Armen. Diese vor dem Oberkörper zu kreuzen, klappt schon mal sehr gut. Ich gebe zu, das habe ich als Kind lange geübt. Außerdem kann ich das Seil wickeln – zweimal über den Arm, dann wieder abwickeln, einmal springen und auf der anderen Seite wiederholen. Der Clou ist dann, alles Mögliche miteinander zu kombinieren. Das erfordert sehr viel Koordinationsvermögen.

Wer einen Fehler macht, verheddert sich

Auch Beweglichkeit ist laut Veltes Schwester Vanessa Schlenker von Vorteil. „Neben Kreativität und Taktgefühl hilft es, wenn man zuvor schon eine Sportart gemacht hat, die Körperspannung erfordert“, sagt sie. Beim Aufwärmen vor dem Training haben wir Spagat geübt. Für zwei Mädchen, die vor ihrer Seilspringer-Karriere Rhythmische Sportgymnastik gemacht haben, ist das kein Problem. „Das alleine reicht aber nicht“, erklärt Velte. „Wir brauchen an den Seilen auch gute Schwinger. Jeder hat da andere Stärken.“

Während ich Pause machen darf, zeigen die Burning Ropes mir einen Teil ihrer Show „Piano“, bei der sie zu Livemusik vom Klavier auftreten. Wer hier einen Fehler macht, verheddert sich gleich im Seil. Anders als beim Tanzen sehen die Zuschauer das sofort. Und wer sich verheddert, muss zehn Liegestütze machen.

Wie gesagt, mit einem Partner ist das Springen einfacher. Also darf ich wieder mit Zimmer ein Team bilden. Wenn zwei oder mehr Springer mit mehreren Seilen eine Kette bilden, nennt sich das „Wheel“. Wir starten für den Anfang mit nur einem Seil. Mittig schwingen, reinspringen, rausspringen, abwechselnd – auch hier gibt es wieder etliche Varianten von Drehungen bis zum Kreuzen der Arme.

Es folgt die letzte Disziplin für heute. Dass zwei Mädchen ein langes Seil schwingen und eine in der Mitte springt, kenne ich noch aus der Grundschule. Aber wie bei allem, gibt es auch dazu eine professionellere und schwierigere Variante. Beim Double Dutch schwingen gleich zwei Seile gegeneinander. Das heißt auf jeden Fall schneller Springen.

Mitzählen und dann Gas geben

Reinlaufen ist noch einfach. Um wieder raus zu kommen, wähle ich automatisch den Weg zur Seite. Dort wartet sofort ein schwingendes Seil auf mich. Zimmer erklärt, ich müsse am Schwinger vor mir vorbei gehen, nach einer ungeraden Anzahl Sprünge diagonal zu der Richtung aus der ich gekommen bin, nach einer geraden Anzahl parallel. Gesagt, getan. „Du musst nur noch schneller laufen“, korrigiert Zimmer.

Während ich erste Vorboten eines Muskelkaters schon spüren kann, will Velte mir noch unbedingt zeigen, wie ihr Trainingsprogramm normalerweise so aussieht. Also wieder zurück zum Speed Skipping, dieses Mal als Pyramidentraining mit Liegestützen dazwischen. Bitte nicht schon wieder.