Mit Tempo 199 in die Kurve in Baden-Baden

Baden-Baden (BNN) – Das Display zur Geschwindigkeitsmessung lässt so manch normalen Autofahrer zum Formel-1-Piloten werden: Doch das stimmt nicht, die vermeintlich wirren Zahlen haben ihren Sinn.

Auf der Rennstrecke? Auf dem Display werden manchmal wirre Angaben angezeigt. Foto: Bernd Kamleitner

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Auf der Rennstrecke? Auf dem Display werden manchmal wirre Angaben angezeigt. Foto: Bernd Kamleitner

Das Display am Straßenrand lässt einen Hauch von Formel-1-Feeling in Baden-Baden aufkommen: „Sie fahren 199 km/h“, wird dem Fahrzeuglenker angezeigt. Dabei ist er mit einem Kleinwagen in moderatem Tempo unterwegs. Wie ist das möglich?

Selbst Formel-1-Piloten wie Lewis Hamilton oder Sebastian Vettel könnten ihre Boliden mit diesem Affentempo nicht in die berüchtigte Kurve am Übergang der Zähringer- in die Leopoldstraße in Richtung Festspielhaus steuern. Jeder, der es dennoch täte, wäre lebensmüde. Doch die Anzeige nahe dem Schlossbergtunnel lässt den unfassbaren Wert in gewissen Zeitabständen immer wieder aufleuchten, unabhängig davon, ob ein Kleinwagen, ein Laster oder eine PS-starke Limousine vorbeifährt. Hat die Display-Technik vielleicht einen Schaden? Hat sie nicht, beruhigt der städtische Pressesprecher Roland Seiter. Das solarbetriebene Gerät leidet in dieser Jahreszeit mit Nebel und wolkenverhangenem Himmel lediglich unter einem Mangel bei der Energieversorgung.

Zahlen leuchten nacheinander auf

In den Morgenstunden, wenn dann mal wieder die Sonne durch die Wolkendecke blinzelt, justiert sich das Display neu. Dieser Vorgang offenbart sich dem vorbeifahrenden Autolenker mit wirren Angaben. Da leuchten dann nacheinander die „199“, die „188“ oder eine „7“ und mehr auf. „Die Leuchtdioden des Displays bilden bei diesem Vorgang alle Zahlen von 1 bis 9 und die 0 ab“, erläutert Seiter.

So blinkt dann auch die Anzeige „Sie fahren 199 km/h“ mal kurz auf. Oder der Hinweis auf Tempo 188. „Bei 188 sind alle LEDs, die das Gerät zur Anzeige hat, aktiviert“, berichtet der Sprecher der Stadtverwaltung. Für eine Formel-1-Strecke oder an der Autobahn wäre das Teil als Informationsquelle hingegen völlig ungeeignet: „Werte von 200 und darüber schafft das Display nicht“, sagt Seiter.

Angenommen, an der Stelle wäre ein Autolenker tatsächlich mit Tempo 199 unterwegs, würde es für ihn übrigens richtig teuer werden: 800 Euro Bußgeld, zwei Punkte in der Verkehrssünder-Datei und drei Monate Fahrverbot. Ist der Fahrer wegen anderer Geschwindigkeitsübertretungen bereits vorbelastet, drohen ihm nach einer Prüfung vor Gericht noch höhere Strafen, informiert Markus Höfig vom Fachgebiet Öffentliche Ordnung der Bäderstadt. Das Rasen sollte man also besser den Experten von der Formel 1 überlassen.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Bernd Kamleitner

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Erstellt:
23. November 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 17sec

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