Mit Tempo 80 durch die Baden-Badener Luisenstraße

Baden-Baden (nof) – Die Stadtverwaltung der Kurstadt nimmt die Poser-Szene in den Fokus. Schon hunderte Verwarnungen wurden ausgesprochen. Auch am Scherrhaldekopf gibt es Probleme mit Störenfrieden.

Durch die Überwachungsmaßnahmen kann die Stadtverwaltung schon anfängliche Erfolge verzeichnen.  Foto: dpa/Carsten Rehder

© dpa-avis

Durch die Überwachungsmaßnahmen kann die Stadtverwaltung schon anfängliche Erfolge verzeichnen. Foto: dpa/Carsten Rehder

Sie sind für viele Bürger ein großes Ärgernis: Fahrer von PS-Boliden, die mit aufheulenden Motoren auf Zubringer und in der Innenstadt ihre Runden drehen. Zumeist in den Abendstunden, weithin hörbar und häufig zu schnell. Die Stadtverwaltung hat die Poser-Szene nun in den Fokus genommen, wie Bürgermeister Roland Kaiser in der Sitzung des Gemeinderats kundtat.

Von einem „kleinen Erfolg“ sprach der Beigeordnete am Montag mit Blick auf eine Überwachungsmaßnahme vor dem Hotel „Europäischer Hof“ in der Luisenstraße. „Dort waren wir intensiv dran“, so Kaiser. Zunächst „kurzfristig erfolgreich“ – ob es „eine Verlagerung der Szene gibt, müssen wir beobachten“. Es sei ein mühsames Vorgehen.

In Innenstadt: „Der schnellste Gemessene war mit 79 Stundenkilometern unterwegs“

Doch wie groß die Problematik ist, zeigen die Zahlen. Vom 9. bis 19. Juli hatte die Stadtverwaltung den Blitzer-Anhänger am Europ postiert, erläuterte Stadtpressesprecher Roland Seiter. „Der schnellste Gemessene war mit 79 Stundenkilometern unterwegs, der zweitschnellste mit 73.“ Es habe insgesamt 314 Beanstandungen wegen Tempoüberschreitungen gegeben. Deshalb seien 302 Verwarnungen ausgesprochen worden, zudem gab es zwölf Anzeigen. Zwei Geschwindigkeitsübertretungen führten dazu, dass Fahrverbote ausgesprochen worden sind. „Wir hoffen, dass die Maßnahmen nun Wirkung zeigen.“

Stadtrat Werner Henn (SPD) hatte die „nächtlichen Rennen“ auf dem Zubringer angesprochen, „die vor allem die Anwohner begeistern“.

Ganz zu schweigen von den Motorrädern auf der Schwarzwaldhochstraße: „Es gibt Gruppen, die sich dort für Rennen treffen“, gab Ulrike Mitzel (SPD) ihre Beobachtungen wieder. Bürgermeister Roland Kaiser verwies auf den neuen Blitzer-Anhänger (Enforcement Trailer), den die Stadtverwaltung im kommenden Jahr anschaffen möchte: „Dann können wir auch Motorradfahrer blitzen.“

Für großen Ärger sorgen derzeit auch Feierwütige an der Grillstelle Scherrhaldekopf. „Die ist völlig vermüllt“, kritisierte Cornelia von Loga (CDU). Wie eklatant die Ausmaße sind, ließ Bürgermeister Alexander Uhlig am Montagabend durchblicken: „Die Örtlichkeit ist so beliebt, dass sogar schon die Schranke herausgerissen worden ist. Wenn es so weiter geht, müssen wir die Grillstelle wohl bald schließen.“

Es handele sich dabei nicht um Einzelfälle, wie Pressesprecher Seiter sagt. Die Örtlichkeit habe sich über die sozialen Medien auch überregional herumgesprochen. Dort werden „wilde Partys gefeiert, Touristen schlagen die Zelte auf – der Dreck bleibt liegen. Wir haben dort eine ganz schwierige Situation.“ Bürgermeister Uhlig wird dazu bei einem Pressegespräch heute nochmals Stellung nehmen, kündigte Seiter an.

Zum Artikel

Erstellt:
29. Juli 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 12sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.