Mit Trödel Missionare in aller Welt unterstützen

Rastatt (mak) – Seit 1984 ist der Gebrauchtwaren-Markt im Untergeschoss von Maria Königin in Rastatt eine feste Institution. Derzeit sucht das ehrenamtliche Team Helfer.

Engagierte Helfer: Rainer Schmidt, Margareta Schindler und Roman Maier (von links) beim Trödelmarkt. Foto: Markus Koch

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Engagierte Helfer: Rainer Schmidt, Margareta Schindler und Roman Maier (von links) beim Trödelmarkt. Foto: Markus Koch

Ein buntes Treiben herrscht jeden Mittwochabend beim Trödelmarkt im Untergeschoss der Kirche Maria Königin. Organisiert wird er vom Missionskreis Zwölf Apostel. Ein Team von 15 Ehrenamtlichen sorgt seit Jahrzehnten dafür, dass das Angebot an Möbeln, Elektroartikeln, Hausrat, Kleidern, Bücher und vielem mehr nicht ausgeht. Die Mitarbeiter suchen aktuell weitere Helfer.
Angefangen hat alles im Jahr 1977, als Willi Frietsch nach den Gottesdiensten selbst gebastelte Dinge verkaufte. Er unterstützte damit die Arbeit von Bernhard Wiederkehr, einem Missionar des Spiritaner-Ordens, der in den Townships von Johannesburg tätig war, berichtet Roman Maier, der seit 45 Jahren beim Missionströdel mitmacht. Ab 1978 kam zweimal im Jahr der Verkauf von Hausrat auf dem Platz vor der Kirche Maria Königin hinzu. Ab 1984 wurde dann jeden Mittwochabend im Untergeschoss der Kirche Hausrat zum Verkauf angeboten. Von 1986 bis 2010 betreute Wilhelm Brei samstags einen Verkaufsstand auf dem Wochenmarkt.

Im Durchschnitt kommen 40 bis 50 Kunden

Ein weiteres Projekt des Missionskreises ist der große Büchermarkt in Zwölf Apostel, der seit 1999 zweimal im Jahr angeboten wird und der Buchliebhaber über die Region hinaus anzieht.

Der Missionskreis besteht aktuell aus sechs Männern und neun Frauen. Die Frauen sortieren dienstags die Sachen, die im Zeitraum von 14 bis 16 Uhr abgegeben werden, ebenso wie die Dinge, die am Mittwoch von 17 bis 20 Uhr gespendet wurden. Der Trödelmarkt öffnet von 18 bis 20 Uhr seine Pforten, wobei der größte Andrang bis 19 Uhr herrscht, berichtet Maier. Im Durchschnitt kommen jeden Mittwochabend 40 bis 50 Kunden, es waren aber auch schon bis zu 100 Personen da. Neben Schnäppchenjägern und Sammlern schauen Sozialhilfeempfänger und Migranten vorbei, etwa zwei Drittel sind Stammkunden. Es gibt keine Festpreise, „wir lassen mit uns handeln“, meint Maier.

Das Missionskreis-Team nimmt gut erhaltene Möbel und Hausrat an, holt diese aber auch ab, wenn eine Anlieferung nicht möglich ist. Der Missionskreis hat sich hierfür eigens einen gebrauchten VW-Transporter angeschafft. Der Aktionsradius umfasst den gesamten Landkreis Rastatt und Baden-Baden.

Ehrenamtliches Engagement

Bevor der Möbel-Trupp anrückt, werden diese aber zunächst angeschaut, erläutert Rainer Schmidt, der vor zwei Jahren dazugestoßen ist. „Ich bin mit 60 Jahren in den Vorruhestand und habe mich gefragt, wo ich mich ehrenamtlich einbringen kann“, berichtet er im Gespräch mit unserer Zeitung. Den Missionströdelmarkt kannte er von früher, der zeitliche Aufwand sei „überschaubar“. Für das Möbel-Team werden nun eine Handvoll Helfer gesucht, die tagsüber Zeit haben: „Rüstige Rentner oder Schüler“, meint Schmidt. Hin und wieder komme es vor, dass Leute Möbel und andere Dinge einfach vor der Treppe zum Untergeschoss ablegen: „Da ist dann oft Sperrmüll dabei oder es regnet drauf, dann müssen wir die Sachen auf eigene Kosten zur Deponie fahren“, ärgert sich Schmidt.

Die Helfer arbeiten alle ehrenamtlich, nach dem Trödelmarkt gibt es noch für alle ein kleines Vesper. Margareta Schindler ist seit 25 Jahren treu dabei: „Ich möchte mich sozial engagieren und bin gerne mit Leuten zusammen“, erläutert sie ihre Motivation. Früher seien mehr ältere Menschen mit einer schmalen Rente vorbeigekommen, heute seien es überwiegend jüngere Leute mit Migrationshintergrund. Roman Maier hat bereits mit 15 Jahren mitgeholfen und war jahrelang der Stellvertreter von Wilhelm Brei: „Das Ganze hier betrachte ich als Hobby. Es macht mir viel Spaß, sonst würde ich die ganze Arbeit nicht machen.“

Unterstützung für Missionare

Der Missionskreis Zwölf Apostel hat in den vergangenen Jahrzehnten neben Pater Bernhard folgende Missionare unterstützt, zu denen persönliche Kontakte bestanden: Dominikaner-Schwester Agneta Burkhard, die in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota in einer Sozialstation und Schule für Waisenkinder arbeitete, Pater Knobelspies aus Rauental vom Orden der Weißen Väter, der im Kongo in einem Kinderheim für behinderte Kinder und in einem Krankenhaus arbeitete, Dominikaner-Schwester Ellen Klagmann, die in Südafrika in einem Kinderheim tätig war und sich im Bereich Erwachsenenbildung engagierte, Schwester Agnes Wahl aus Rastatt vom Orden unserer lieben Frau und Schwester Lauren in Taiwan. Daneben wurden noch etwa 20 andere Missionare und Schwestern in Tansania, Lestho, Malawi, Mali, Indien, Philippinen, Sri Lanka, Ruanda Peru und Burundi unterstützt sowie weitere Projekte von Missio und die Aktion Medeor Medikamente.

Ihr Autor

BT-Redakteur Markus Koch

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Erstellt:
15. Februar 2022, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 10sec

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