Mit Waldbaden stressfrei durch die Corona-Krise

Die Natur mit allen Sinnen erfahren: Margret Burget-Behm rät zur körperlichen und seelischen Gesundheitsvorsorge durch Waldbaden mit dem Partner oder allein.  Foto: Eiermann

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Die Natur mit allen Sinnen erfahren: Margret Burget-Behm rät zur körperlichen und seelischen Gesundheitsvorsorge durch Waldbaden mit dem Partner oder allein. Foto: Eiermann

Das Baden wird schlechthin mit Wasser in Verbindung gebracht. Aber auch ohne Schwimmbäder oder heimische Wanne lässt sich baden: unter Bäumen. Das Waldbaden gilt als körperliche und seelische Gesundheitsvorsorge. „Gerade in Zeiten der Corona-Krise, in denen die Menschen sehr gestresst und durch die vielen negativen Nachrichten deprimiert und ängstlich werden, ist die Verbindung zur Natur wichtig“, unterstreicht die Bühler Ärztin Dr. Margret Burget-Behm.
„Waldbaden ist das Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes, das wie ein Bad Wohlbefinden erzeugt.“ Die Allgemeinmedizinerin hat den Trend aus Japan bei ihrer Tätigkeit als Betriebsärztin im Rahmen des Gesundheitsmanagements entdeckt. „Ich wollte den Mitarbeitern einen Gegenpol aufzeigen zu ihrer technisierten und digitalisierten Welt, durch die sie oft sehr gestresst sind.“

Es gehe nicht um sportliches Trekking, sondern um Vitamin N wie Natur, also darum, diese bewusst wahrzunehmen. Burget-Behm hat einen Kurs der Ludwig-Maximilians-Universität München und des Kneipp-Ärztebundes in Bad Wörishofen zur Waldgesundheitstrainerin absolviert. Das Waldbaden beschreibt sie als einen „langsamen, achtsamen Spaziergang auf einem nicht zu anstrengenden Waldweg“. Dabei lasse sich der Aufenthalt auch mit meditativen Übungen kombinieren wie Yoga, Qi Gong oder Tai Chi. Sie selbst bevorzugt Achtsamkeitsübungen.

Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und Schmecken

Als geeigneten Ort hat die Medizinerin, die sich auch als CDU-Stadträtin engagiert, drei kurze Wege im gemischten Laub- und Nadelwald oberhalb der Burg Windeck ausgesucht: einen, der keinerlei Fitness erfordert und deshalb auch für Menschen im fortgeschrittenen Alter geeignet ist, einen zweiten, der keine wesentliche Kondition verlangt und einen dritten, der ein beständiges Auf und Ab mit leichtem Gefälle aufweist. Alle zusammen ergeben einen dreieinhalb Kilometer langen Rundweg für Berufstätige, die am PC, in Fabrikhallen oder in der Altenpflege arbeiten oder auch für Menschen, die in Corona-Zeit „Fluchtwege“ suchen. „Waldbaden ist etwas, das Freude bereitet.“ Die Ärztin sieht darin ein ergänzendes Angebot, um Gesundheit und Widerstandskraft zu stärken.

Jeder könne diese positive Wirkung auch ohne Anleitung erfahren, indem man sein eigenes Tempo gehe und sich in der Natur ganz auf seine Sinne konzentriere. „In Zeiten der Kontaktsperre kann man natürlich nur allein oder mit dem Partner in den Wald.“ Ein Waldbad dauert zwei bis drei Stunden. „Wir schlendern, wir rasten, wann immer wir es wünschen“, nennt Margret Burget-Behm eine Grundregel. „Wir entspannen unsere Augen. Wir werten nicht, wir sind ganz im Hier und Jetzt. Wir distanzieren uns von unseren Alltagsproblemen.“

Schillerndes Spiel des Sonnenlichts im Buchenwald bei der Burg Windeck. Die Japaner nennen es „Komorebi“, ein Wort im Deutschen dafür gibt es nicht. Foto: Burget-Behm

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Schillerndes Spiel des Sonnenlichts im Buchenwald bei der Burg Windeck. Die Japaner nennen es „Komorebi“, ein Wort im Deutschen dafür gibt es nicht. Foto: Burget-Behm

Im Mittelpunkt stehen das Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und Schmecken. Der Wald wird dabei wie ein Kunstwerk im Museum betrachtet, auf seine Geräusche geachtet, seine Gerüche aufgesogen. Es werden Rinden-Strukturen ertastet und verspannte Körperregionen mit Zapfen massiert. Zum Abschluss bieten sich als Getränke ein mitgebrachter Fichtennadeltee oder eine Tannenlimonade an.

Oberhalb der Burg Windeck hat Revierförster Martin Damm im früheren Staatswald einen neuen Pfad angelegt, der mit Stationen bestückt ist, die dem Loslassen von Alltag und Stress zusätzlich förderlich sind wie ein Baumhaus, mehrere Wohlfühl-Liegen oder eine Tastsinnstation. Gerade jetzt im Frühling könne man die „Grünkraft“ der Natur erfahren, zitiert Margret Burget-Behm die Universalgelehrte Hildegard von Bingen: „Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit, und diese Kraft ist grün.“

Durch die Klimabewegung sei sie noch mehr von dieser Form des bewussten Naturerlebens überzeugt und begründet das mit einem Ausspruch des Verhaltensforschers Konrad Lorenz: „Nur was ich kenne, kann ich lieben, und nur, was ich liebe, kann ich schützen.“ Waldbaden sei „Selbstfürsorge pur“ hat die Gesundheitstrainerin bei ihrer Ausbildung im vergangenen Jahr gelernt. Es beruhige nachweislich das vegetative Nervensystem, fördere die Schlafqualität und habe auch günstige Effekte auf das Immunsystem und die Atemwege. „Alles Argumente, um dies gerade jetzt allein oder mit einem Partner zu praktizieren.“

Zum Thema: „Wertvolle Medizin des Waldes“

Wer sich näher mit dem Thema Waldbaden befassen will, dem rät die Ärztin und Gesundheitstrainerin Margret Burget-Behm zur Lektüre von „Die wertvolle Medizin des Waldes. Wie Natur Körper und Geist stärkt“ von Qing Li, Professor der Nippon Medical School in Tokio, dem wohl bedeutendsten Experte für Waldmedizin weltweit. Weitere empfehlenswerte Bücher seien: „Achtsamkeit in der Natur“ von Michael Huppertz und Verena Schatanek, „Wald tut gut“ von Karin Greiner und Martin Kiem sowie „Waldtherapie“ von Angela Schuh und Gisela Immich.

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Erstellt:
19. April 2020, 19:30 Uhr
Lesedauer:
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