Mit Zäunen gegen Nutrias an der Murg

Gaggenau (BT/tom) – Mit Schildern und einem kniehohen Zaun will die Stadt der Nutria-Plage Einhalt gebieten. Darüber hinaus appelliert sie an die Bürger, das Füttern der Tiere zu unterlassen.

Nutrias gehören zu den sogenannten invasiven Arten und verdrängen einheimische Tiere aus deren Lebensräumen. Foto: Sandra Müller/Stadt Gaggenau

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Nutrias gehören zu den sogenannten invasiven Arten und verdrängen einheimische Tiere aus deren Lebensräumen. Foto: Sandra Müller/Stadt Gaggenau

Das Rathaus erinnert an die Eigenverantwortung der Bürger und weist darauf hin, dass das Füttern von Wildtieren verboten ist und eine Ordnungswidrigkeit darstellt.

Die Tiere seien selbst in den Wintermonaten nicht auf die Fütterung angewiesen und fänden ausreichend Nahrung. Des Weiteren mache die Fütterung die Tiere krank und führe somit häufig bei ihnen zu Durchfallerkrankungen.

Zur Folge hat dies die Verkotung des Murgparks und stellt zudem zahlreiche Herde her, wo Krankheiten an den Menschen übertragen werden können. Im schlimmsten Fall führt die Fütterung von Wildtieren zu deren Tod.

Weiter bittet die Stadtverwaltung, Abstand zu den Nutrias zu halten, da diese in Stresssituationen stark zubeißen können und damit eine Gefahr für Kinder darstellen.

Ein Spaziergang durch den Murgpark bietet so einiges – oftmals auch die Begegnung mit den Nutrias. „Was für die einen eine niedliche und faszinierende Tierart ist, empfinden andere wiederum als abstoßend und furchterregend“, gibt das Rathaus zu bedenken.

Mindestens an die fünf Jahre ist es her, dass einige Tiere sich in der Innenstadt entlang der Murg angesiedelt haben. Seitdem ist die Population der Nagetiere stark angewachsen. Grund hierfür sei das Füttern, was nicht nur dafür sorge, dass die Wildtiere sich stark vermehren, sondern auch, dass sie krank werden.

Schilder haben nichts genutzt

Bereits in der Vergangenheit hat die Stadt Schilder über das Fütterungsverbot angebracht; diese wurden mutwillig von Unbekannten entfernt oder fielen Vandalismus zum Opfer. Nun startet die Stadt einen weiteren Versuch mit zehn neuen Schildern und errichtet zudem einen naturnahen Zaun an der Böschung. Dieser wird voraussichtlich zwischen 40 und 50 Zentimeter hoch sein und an der „Hauptausstiegsstelle“ der Nutrias errichtet werden. Er soll verhindern, dass die Tiere in die Murguferanlage gelangen und dort überhaupt erst gefüttert werden können.

„Die Fütterung von Wildtieren ist ein großes Problem, da die Bevölkerung die Tiere damit zu sehr in ihren eigenen Lebensbereich lockt. Darunter fällt nicht nur das gezielte Füttern, sondern auch das Hinterlassen von Lebensmitteln, die im Park verzehrt werden. Das lockt die Tiere an und sorgt dafür, dass diese sich niederlassen und vermehren, da sie davon ausgehen, auch weiterhin dort Nahrung zu finden“, erklärt Elke Henschel, Leiterin der städtischen Umweltabteilung.

Deutlich sichtbar sei diese Entwicklung im Rückblick auf die vergangenen Jahre. Wo ursprünglich nur Enten angesiedelt waren, sind seit einigen Jahren auch Nutrias im Murgpark zu finden. Darüber hinaus breiten sich die Nilgänse zunehmend aus: ebenfalls eine Tierart, die in Deutschland nicht heimisch ist. Zur Folge hat dies, dass die heimischen Arten immer mehr verdrängt werden.

Polizei soll Murgterrassen kontrollieren

Für Innenstadtbewohner in der Nähe des Murgparks sind Nutria eher ein vernachlässigbares Übel. Sie ärgern sich vielmehr über nächtliche Ruhestörungen. Diese hätten durch die Eröffnung der Murgterrassen bei der Flürscheimbrücke an Intensität und Dauer zugelegt. Für Unmut sorgte zuletzt eine Gruppe Unbekannter, die in der Nacht zu Samstag bis nach Sonnenaufgang lautstark Party machte.

Auf BT-Anfrage erklärt nun die Stadtverwaltung: Sie habe bereits veranlasst, dass die Murgterrassen künftig auch bei regelmäßigen Kontrollfahrten der Polizei berücksichtigt werden. „Durch die Polizeikontrollen erhoffen wir uns, dass sich die Situation etwas entspannt und Vorkommnisse wie jenes am vergangenen Wochenende nicht mehr entstehen. Selbstverständlich werden wir auch von unserer Seite ein besonderes Augenmerk auf diese Fläche richten.“

Am Wochenende kam es ebenfalls zu Schmierereien auf der nördlichen Hauptstraße und auf dem Pflaster der angrenzenden Fußgängerzone; darüber hinaus wurde in der Schulstraße ein junger Baum abgesägt (Bericht auf dieser Seite).

Die Stadtverwaltung meint zu diesen Vorkommnissen: „Vandalismusvorfälle wie in der Schulstraße können zu unserem großen Bedauern leider nur schlecht vermieden werden. Wir erhoffen uns auch hier, dass die Polizeipräsenz solche Vorfälle mindert.“

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Erstellt:
19. August 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 54sec

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