Mit allen Sinnen berühren und berühren lassen

Baden-Baden (co) – Das Theater hat das Spielzeit-Motto „Berühren!“ für die Saison 2021/2022 vorgestellt. Auch Premieren sind dabei im Programm zu finden.

Sebastian Brummer und Rosalinde Renn in einer Szene aus „Harold und Maude“. Foto: Cornelia Hecker-Stock

© co

Sebastian Brummer und Rosalinde Renn in einer Szene aus „Harold und Maude“. Foto: Cornelia Hecker-Stock

Das Motto der neuen Spielzeit 2021/ 2022 „Berühren!“ spricht wohl jedem aus dem Herzen, nicht nur den Theaterleuten. Was während der Corona-Pandemie gefehlt hat, soll nun wieder ermöglicht werden: berühren und sich berühren lassen im eigentlichen und übertragenen Sinn.
Die gut besuchte Matinee war die erste Veranstaltung im Theatersaal nach achtmonatiger Pause. Mit „inniger Sehnsucht im Herzen“ sei die neue Spielzeit geplant worden, erzählte Interimsintendantin Kekke Schmidt. Wegen nach wie vor möglicher Irritationen und Einschränkungen konzentrierten sich die Protagonisten der Matinee überwiegend auf die erste Spielzeithälfte. Dramaturgin Miriam Fehlker wollte von ihren Gesprächspartnern auf der Bühne deren berührendste Momente im Theaterleben erfahren. Neben dem Geraschel und Geraune und der leichten Anspannung vor dem Öffnen des Vorhangs wurde unter anderem die Unbedarftheit der Schulkinder genannt, die alle Ermahnungen ihrer Lehrerin zu sittsamem Verhalten nach drei Minuten vergessen und intensiv miterleben.

„Wie geschaffen für dieses elisabethanische Theater“

Kekke Schmidt hatte als Überraschungsgast den in Wien lebenden Regisseur Gernot Plass eingeladen, der sich zum 200. Geburtstag Dostojewskis dessen Epos „Verbrechen und Strafe“ annimmt, besser bekannt unter seinem früheren Titel „Schuld und Sühne“. Der russische Autor zeigte sich während seines Aufenthaltes in der Kurstadt 1867 weniger an historischen Sehenswürdigkeiten oder der wundervollen Natur interessiert als vielmehr dem Glücksspiel zugewandt. Es sei eine Herausforderung gewesen, die 700 Buchseiten des Opus magnum auf etwas über zwei Stunden Spielzeit einzudampfen, bekannte Plass. Er versprach eine sehr rasante und rhythmische Inszenierung, „wie geschaffen für dieses elisabethanische Theater“.

Bei den Überlegungen zu einer musikalischen Revue, eventuell sogar für den Silvesterabend, werden Bühnenarbeiter und Reinigungskräfte zu Musicalstars in einer glanzvollen, amüsanten Illusion: „Auf der Suche nach dem verlorenen Musical“.

Teil der Musicalinszenierung: Michaela Lenhart singt „La Vie en Rose“. Foto: Cornelia Hecker-Stock

© co

Teil der Musicalinszenierung: Michaela Lenhart singt „La Vie en Rose“. Foto: Cornelia Hecker-Stock

„Harold und Maude“, den Filmklassiker um eine erste und eine letzte Liebe, hat das Theater mit Rosalinde Renn und Lukas-Samuel Juranek glänzend besetzt. Existenzielle Dinge werde dabei auf zärtliche Art hinterfragt von dem ungleichen Paar, das sich gegen jede Beschränkung auflehnt. Eine Uraufführung erwartet das Publikum im November mit Judith Herzbergs „Lieber Arthur“. So heißen sowohl Trudes verstorbene Mann als auch der ebenfalls kürzlich verblichene Kater von Louise und Ada. Die drei Schwestern finden über den Verlust wieder zusammen, doch die alten Konflikte bestimmen heute immer noch ihr Miteinander. Ibsens Familiendrama „Gespenster“ um Skandale und ungelebtes Leben erwartet ebenso die Besucher wie „Mutters Courage“ von George Tabori (nicht zu verwechseln mit Brechts Klassiker). Das Junge Theater lädt ebenfalls zu Premieren mit „Die Konferenz der Tiere“, den „Bremer Stadtmusikanten“ oder „Im Wald“, einem märchenhaften Abenteuerspielplatz – oder doch gruseliger Wohnort seltsamer Wesen? „Don Quijote“ wird von Birga Ipsen auf der Hofbühne inszeniert, der Nachfolgerin von Sebastian Brummer beim Jungen Theater. Für sie ist das Stück ein Herzensanliegen. Mit „Berührungspunkte“ steht ein generationenübergreifendes Theaterprojekt mit dem Jugendclub U22 auf der Agenda. Nachdem die Freilichtaufführung auf dem Marktplatz „Was ihr wollt“ laut Kekke Schmidt „ratzfatz ausverkauft war“, wurde unter Applaus erwogen, sie in der neuen Spielzeit wieder aufzunehmen.

Zum Artikel

Erstellt:
5. Juli 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 33sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.