Mit dem Laubbläser durch Baden-Baden

Baden-Baden (sga) – Für einen Ego-Trip wagt sich BT-Redakteurin Sarah Gallenberger mit dem städtischen Laubbläser in den Dahliengarten.

Macht Spaß, ist aber auch anstrengend: Es ist gar nicht so einfach, alle Blätter auf einen Haufen zu bekommen. Foto: Markus Brunsing

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Macht Spaß, ist aber auch anstrengend: Es ist gar nicht so einfach, alle Blätter auf einen Haufen zu bekommen. Foto: Markus Brunsing

Es ist etwas frisch an diesem Morgen, doch die Sonne findet trotzdem ihren Weg durch die dicken Äste der Bäume und lässt die vielen Blätter in der Lichtentaler Allee in leuchtenden Farben erstrahlen. Am Dahliengarten ist die Luft schön klar – oder vielleicht auch schon raus? Denn die Laubbläser sind bereits im Einsatz, als ich um 10 Uhr ankomme. „Sie bekommen ja gar nicht genug von uns“, lachte Gartenamtschef Markus Brunsing in den Telefonhörer, als wir den Termin für diesen herbstlichen Vormittag vereinbarten. Auch ich musste schmunzeln. Mein letzter Einsatz ist erst ein paar Wochen her, als ich im Kurgarten beim Setzen der frischen Tulpenzwiebeln geholfen habe und dabei direkt zu Beginn auf die bereits verbuddelten Pflanzen getreten bin. Dass Brunsing mich trotzdem noch mal mitarbeiten lässt, finde ich sehr schön. Viel falsch machen kann man beim Laubblasen ja auch nicht, oder?

Material dafür gibt es – jedenfalls im Dahliengarten – genug. Es ist Mitte November, „voll im Laubgeschäft sind wir noch gar nicht“, weiß Gärtnermeister Klaus Schattling. Das Wetter habe gut gehalten, frühzeitige Einsätze seien noch nicht nötig gewesen: „Die grüne Einfahrt war aber schon dran. Da kann es für die Fahrradfahrer und Fußgänger schnell gefährlich werden.“

Blumenköpfe haben es durch Laub schwer

Um die Laubbläser komme das Gartenamt auch aus einem anderen Grund nicht herum: Wenn die Blätter ewig auf den Wiesen liegen, finden laut Brunsing Blütenköpfe im Frühjahr nicht richtig den Weg nach oben – das wäre nicht gut für die Pflanzen und noch dazu kein schöner Anblick.

Von dem Grün der Wiese in der Lichtentaler Allee ist in dem Meer aus bunten Blättern nicht mehr viel zu sehen, ich komme heute also auf jeden Fall zum Zug. Als erstes mit dem Akku-Laubbläser, der fünf Kilo wiegt und sich schon nach wenigen Minuten in meinen Armmuskeln (die sind bei mir übrigens nicht wirklich ausgeprägt) bemerkbar macht. Es dauert ein wenig, bis ich den Dreh raus habe, aber dann fliegen die Blätter in die Luft und wirbeln um sich selbst wie ein kleiner Sturm. „Sieht gut aus“, lobt mich Schattling. Für mich ist das ein Erfolg: Immerhin ist diesmal noch gar nichts kaputt gegangen! Auch dann nicht, als ich zu einem größeren Akku-Laubsauger greife – 100 Punkte für mich.

Bevor die Arbeit mit dem „Benziner“ los geht, müssen die Gurte verschlossen werden. Foto: Markus Brunsing

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Bevor die Arbeit mit dem „Benziner“ los geht, müssen die Gurte verschlossen werden. Foto: Markus Brunsing

Nachdem ich den Kiesweg von seiner blättrigen Decke befreit habe, drückt mir der Gärtnermeister Ohrstöpsel in die Hand, denn „jetzt wird es laut“. Auf meinem Rücken landet der „Benziner“, der für etwas mehr Wumms sorgen soll. Seine zehn Kilogramm merke ich zu Beginn noch nicht, doch das soll sich bald schon ändern. „Der kann schon eindeutig mehr“, weist mich Brunsing auf die Leistung des Geräts hin.

Ohne technische Hilfe würde es vor allem bei den nassen Blättern und der enormen Menge gar nicht gehen – auch, wenn vor allem der Lärmpegel immer wieder zu Kritik von Bürgern führe: „Im Gartenamt hängt eine Aufnahme von früher. Da stehen sieben Arbeiter mit Rechen in der Hand, schön in einer Reihe. Überlegen Sie mal, wie lange das damals gedauert hat. War man mit der Arbeit fertig, hat man sie direkt wieder aufnehmen können.“

Mit Blick auf die in Rot und Gelb leuchtende Wiese kann ich mir das sehr gut vorstellen. Ich würde verzweifeln, müsste ich das ganze Laub von Hand entfernen. „So viel Personal könnten wir auch niemals aufbringen“, betont der Gartenamtschef. Derzeit sind rund 35 Personen in den Bezirken zuständig, „Privatpersonen ausgeschlossen“. Denn auch vor Hotels, Schulen oder Wohnhäusern seien die Laubbläser viel im Einsatz.

800 bis 900 Ladungen Laub

Mit meinen Gedanken bei den Massen an Blättern (laut Schattling werden im Herbst insgesamt zwischen 800 und 900 Ladungen Laub weggefahren) setze ich den Hebel des mit Benzin betriebenen Bläsers in Bewegung und erschrecke mich. Das Gerät hat ganz schön Power – und ich nicht. Während die Luft aus der Öffnung in Richtung Wiese strömt, spüre ich, wie mein Körper leicht nach hinten gedrückt wird und die zehn Kilogramm auf meinem Rücken immer schwerer werden. Spaß macht mir die Arbeit aber trotzdem: Mittlerweile habe ich den Dreh raus und schaffe es relativ gleichmäßig, die Blätter einen Satz nach vorne zu versetzen.

Nach fünf Minuten tausche ich mit Schattling die Werkzeuge. Denn was weggeblasen wurde, bildet (zumindest bei mir) nicht einen jener Haufen, durch die man als Kind gerne die Füße gezogen hat – oder es vielleicht auch immer noch heimlich tut. Deshalb ist jetzt der Rechen dran: Ich positioniere mich am Rand der Wiese und laufe mit dem langen Holzstab seitlich neben meinem Körper nach vorne. Schattling lobt mich auch dafür, denn den halben Stock hat man schnell mal im Bauch, „und das tut ganz schön weh“. Vielleicht macht mich das noch nicht zu einer vorbildlichen Gärtnerin – aber ich vermerke seine Bemerkung als kleines Potenzial, das vielleicht nur darauf wartet, entfacht zu werden.

Nach einer Stunde ist mein kleiner Ausflug im Laub beendet. Ob ich nach so kurzer Zeit schon Rückenschmerzen haben werde? Sehr wahrscheinlich. Aber so schlimm wie bei den täglich fleißigen Kollegen wird es bestimmt nicht. Ich bin übrigens dafür, dass die Stadt ab sofort individuelle Weihnachtsgeschenke verteilt: Für die Mitarbeiter des Gartenamts schlage ich Gutscheine für eine Ganzkörpermassage vor. Bestellungen beim Weihnachtmann sind ja noch möglich, oder?

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
16. November 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 49sec

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