Mit dem Smartphone gegen Juckreiz

Karlsruhe (for) – Das Karlsruher Start-up „heat it“ hat einen elektronischen Mückenstichheiler auf den Markt gebracht. Dieser mindert den Juckreiz nach einem Insektenstich mittels Wärme ab.

Armin Meyer, Christof Reuter, Lukas Liedtke und Stefan Hotz (von links) haben mit dem Stichhalter den zweiten Platz beim Sparkassen-Gründerpreis-Wettbewerb belegt. Foto: heat it

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Armin Meyer, Christof Reuter, Lukas Liedtke und Stefan Hotz (von links) haben mit dem Stichhalter den zweiten Platz beim Sparkassen-Gründerpreis-Wettbewerb belegt. Foto: heat it

Sie gehören zum Sommer wie der Duft nach frisch gemähtem Gras und Sonnencreme: Stechmücken und andere Insekten. Während die einen schon tagsüber umherschwirren und ihren Stachel meist nur zum Eigenschutz in menschliche Haut bohren, kommen die wirklich nervtötenden Blutsauger oft erst bei Dämmerung aus ihrem Versteck. Die Folge ist aber meist ähnlich: Die Stich- oder Bissstelle schmerzt und juckt. Ein Karlsruher Start-up hat eine Lösung entwickelt, um dem Drang, zu kratzen, entgegenzuwirken.

Behandlung mittels Wärme

Menschen, deren Blut für Insekten offenbar besonders schmackhaft ist, haben bei einem ausgiebigen Tag am See oft nur so lange Spaß, bis es plötzlich juckt. Einer, der diese Situation besonders gut kennt, ist Lukas Liedtke aus Karlsruhe. Vor rund vier Jahren war der ehemalige KIT-Student im Urlaub beim Kitesurfen besonders genervt von den Mücken – bis er das Wirkprinzip der Behandlung von Insektenstichen und -bissen mittels Wärme kennengelernt hat: Forscher nehmen an, dass durch eine kurzzeitige Erhitzung der entsprechenden Hautstelle auf etwa 50 Grad die Histaminausschüttung, die durch den Insektenstich angeregt wird, reguliert werden kann. Das könne in der Folge den Juckreiz lindern.

Der „heat it“ muss für einige Sekunden auf die betroffene Hautstelle gehalten werden, um den Juckreiz abzumildern. Foto: heat it

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Der „heat it“ muss für einige Sekunden auf die betroffene Hautstelle gehalten werden, um den Juckreiz abzumildern. Foto: heat it

Zwar werde Wärme als Behandlungsmethode gegen Juckreiz bereits seit Jahrzehnten in der Medizin angewendet, „ich war allerdings mit den herkömmlichen Produkten, die bislang auf dem Markt verfügbar waren, nicht zufrieden“, erinnert sich Liedtke.

Traditionelle Produkte „zu unhandlich“

Schon seit einiger Zeit sind entsprechende Stifte erhältlich, die sich erhitzen. „Die haben aber den Nachteil, dass sie relativ groß, klobig und unhandlich sind, was dazu führt, dass ich sie im Notfall nie parat hatte.“ Außerdem seien die traditionellen Produkte batteriebetrieben – und wie es das Schicksal so will, mache der Akku oder die Batterie meist dann schlapp, wenn man gestochen wurde.

Wirkprinzip mit Smartphone koppeln

Was Liedtke aber sofort überzeugt hat: Das Wirkprinzip der therapeutischen Hyperthermie – also der künstlich erzeugten Temperaturerhöhung. „Gemeinsam mit drei meiner ehemaligen Kommilitonen habe ich dann darüber nachgedacht, dieses Wirkprinzip mit einem Gerät zu koppeln, das wir alle immer dabei haben: Das Smartphone“, blickt Liedtke zurück. Damit war die Idee des „heat it“ geboren. Gemeinsam mit Armin Meyer, Christof Reuter und Stefan Hotz hat Liedtke an dem „perfekten Stichheiler“ getüftelt und schließlich 2018 ein Start-up in der Fächerstadt gegründet. 2020 wurde das Medizinprodukt auf den Markt gebracht.

Handy-Akku als Energiequelle

Konkret ist der „heat it“ ein elektronisches Gerät in Form eines Steckers – ungefähr so groß wie ein Zuckerwürfel – der in den Ladeanschluss des Smartphones gesteckt und mithilfe einer App gesteuert werden kann. Dieser Stecker enthält ein Heizelement und einen Mikrocontroller, also eine Art kleinen Computer, der die Kommunikation zwischen den einzelnen Bauelementen und dem Smartphone ermöglicht. Der Vorteil des Ganzen: „Im Handy ist ohnehin ein Akku enthalten, somit kann das Smartphone perfekt als Energiequelle genutzt werden“, fügt Liedtke hinzu. „Mit einem vollen Akku eines modernen Handys kann man bis zu 1.000 Stiche behandeln.“

Juckreizlinderung durch kurzen Hitzeschmerz

Und wie funktioniert das Ganze nun in der Praxis? „Um die juckreizlindernde Wirkung auf die Hautnerven zu erreichen, ist lediglich ein kurzer Hitzeschmerz notwendig“, erklärt Liedtke. Dazu muss der „heat it“ nach dem Aufheizvorgang für kurze Zeit direkt auf die betroffene Hautstelle gehalten werden. „Idealerweise sollte der ,heat it‘ unmittelbar nach dem Insektenstich oder -biss zum Einsatz kommen“, sagt Liedtke. Dann könnten Symptome im besten Fall ganz verhindert werden. Aber auch eine spätere Anwendung sei möglich, um den Juckreiz schneller abklingen zu lassen.

Verschiedene Einstellungen je nach Temperaturempfindlichkeit

Da die Temperaturempfindlichkeit der Haut je nach Person und Körperstelle variiere, könnten über die App verschiedene Einstellungsoptionen ausgewählt werden. Demnach lasse sich sowohl die Temperaturhöhe als auch die Dauer der Anwendung anpassen. So erhitze sich das Gerät je nach Einstellung auf 48 bis 53 Grad. „Das unterscheidet unser Gerät von ähnlichen Produkten“, so Liedtke.

Zweiter Platz bei Gründerpreis-Wettbewerb

Mit ihrer Idee haben die vier ehemaligen Maschinenbau-Studenten schon einige Preise abgeräumt, unter anderem den „International Contest of Innovation“ in Hong Kong. Außerdem belegte das Start-up bei der Verleihung des Gründerpreises Baden-Württemberg 2020 der Sparkassen-Finanzgruppe den zweiten Platz. Das Preisgeld dafür liegt bei 7.500 Euro. „Zusätzlich wurde uns ein Imagefilm finanziert“, so Liedtke.

Mittlerweile seien schon mehrere 10.000 der Stichheiler verkauft worden. Künftig möchte das Unternehmen weiter wachsen und zusätzlich noch andere Medizinprodukte herstellen, die in Verbindung mit dem Smartphone genutzt werden könnten.


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