Mit dem Strandrollstuhl bis ins Wasser

Baden-Baden (up) – Ein besonderes Angebot gibt es nun für Menschen mit Handicap im Strandbad Sandweier. Dort wurden 3.000 Euro in einen Strandrollstuhl investiert.

Die Behindertenbeauftragte Nora Welsch testet den neuen Strandrollstuhl im Strandbad Sandweier. Foto: Ulrich Philipp

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Die Behindertenbeauftragte Nora Welsch testet den neuen Strandrollstuhl im Strandbad Sandweier. Foto: Ulrich Philipp

Sandstrände sind für Rollstuhlfahrer und andere in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen ein nahezu unüberwindbares Hindernis auf dem Weg zum Wasser. Dünne Reifen oder ebenso dünne Gehhilfen bleiben schnell in dem feinen Sand stecken. Im Strandbad Sandweier wird jetzt eine Möglichkeit angeboten, dass auch Menschen mit großem oder kleinem Handicap schwimmengehen können.

Ab sofort steht für sie ein Strandrollstuhl bereit. Die kommunale Behindertenbeauftragte Nora Welsch und Thomas Müller, der Abteilungsleiter der Stadtwerke für die Bäder, haben den Rollstuhl gestern vorgestellt. „Nicht alle sind begeistert, wenn ich mit dem Thema Barrierefreiheit um die Ecke komme“, erklärt Welsch, die selbst gehandicapt und Rollstuhlfahrerin ist. Aber die Stadtwerke hätten sofort ihre Bereitschaft signalisiert, mitzumachen.

„Ich habe den Strandrollstuhl ausgesucht, ausprobiert und bin sehr zufrieden“, so Welsch weiter, während sie sich von ihrem Vater in den Strandrollstuhl hieven lässt, der eine gewisse Ähnlichkeit mit einem motorisierten Dreirad aufweist.

Vom Sitz ins kühle Nass gleiten

Thomas Müller und ein Strandbad-Mitarbeiter schaffen es mühelos, den Wagen über den Sandstrand zum Wasser zu ziehen. Dessen dicke Ballonreifen sorgen dafür, dass er nicht im feinen Sand stecken bleibt. Wollte Welsch jetzt den Sprung ins erfrischende Nass wagen, würden ihre Helfer sie ins Wasser ziehen, wo der Wagen dank mehrerer Auftriebshilfen nicht untergeht, erklärt die Behindertenbeauftragte. „Vom Sitz aus kann ich mich dann einfach ins Wasser gleiten lassen!“

Thomas Müller betont, dass im neuen Strandbad Sandweier von Anfang an Menschen mit Behinderung gedacht wurde. Es gibt barrierefreie Parkplätze, ebenerdige Zugänge sowie eine rollstuhlgerechte Dusche und Umkleidekabine.

Der 3.000 Euro teure Strandrollstuhl befindet sich im Eingangsbereich des Strandbades, „wer ihn benötigt, kann sich einfach an die Mitarbeiter wenden“, wird erklärt. Und Nora Welsch ergänzt: „Er ist auch für ältere Menschen geeignet.“ Sie wünscht sich, dass das Gefährt in Zukunft immer öfter benutzt wird, denn „je mehr dies geschieht, desto mehr ist sein Einsatz Alltag“.

So sollen bald auch andere Strandbäder die Idee aufgreifen und selbst einen Strandrollstuhl anschaffen. „Schwimmen ist für Behinderte sehr gut geeignet“, erklärt sie.

Und sie gibt zu bedenken, dass jeder zweite Mensch mit Behinderung keinen Sport treibt, obwohl viele dies gerne tun würden, denn einfache Zugangsmöglichkeiten zu Sportstätten sind immer noch Mangelware. Mit Hilfsmitteln wie einem Strandrollstuhl könnten die Zeiten vorbei sein, in denen Behinderte zum Zuschauen verdammt sind.

Ihr Autor

Ulrich Philipp

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Erstellt:
16. Juni 2021, 12:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 13sec

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