Mit dem Unimog nach Paris

Kuppenheim (sawe) – Der Kuppenheimer Bernd Hoffmann liebt die Herausforderungen: Er hat einen 58 Jahre alten Unimog selbst restauriert und will damit nach Paris auf die Champs-Élysées fahren.

Bernd Hoffmann vor seinem restaurierten Unimog-Oldtimer mit dem Autokennzeichen für Bühl. Das passt ganz gut, weil BH auch seine Namensinitialen sind. Foto: F. Vetter

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Bernd Hoffmann vor seinem restaurierten Unimog-Oldtimer mit dem Autokennzeichen für Bühl. Das passt ganz gut, weil BH auch seine Namensinitialen sind. Foto: F. Vetter

Bernd Hoffmann hat sich vor zwei Jahren einen neuen fahrbaren Untersatz gekauft. Das Gefährt wurde bereits vor 58 Jahren gebaut und ist maximal 70 Stundenkilometer schnell. Bei dem Oldtimer handelt es sich um ein Nutzfahrzeug – genauer gesagt, einen Mercedes-Benz-Unimog 411, gebaut in Gaggenau, der jahrelang sein Dasein im Elsass fristete und ziemlich heruntergekommen war. Der Kuppenheimer hat ihn aufwendig zu einem echten Schmuckstück restauriert, das bald auch die Franzosen bewundern können. Denn wozu kauft man sich schon einen Unimog, wenn man Bernd Hoffmann heißt? Antwort: Man tuckert damit nach Paris über die Champs-Élysées ganz früh am Morgen, wenn die Sonne aufgeht.


Vom 411er Virus infiziert

Diese etwas verrückt anmutende Idee passt zu dem 64-Jährigen, der sich immer wieder neue Herausforderungen sucht. Und wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, dann bringt er es auch zu Ende. Aufgeben ist für ihn keine Option. Bernd Hoffmann hat über 20 Jahre im Ausland gearbeitet, davon 13 Jahre im Mittleren Osten und neun Jahre in Afrika. Vergangenes Jahr machte der Globetrotter sein 26 Jahre altes Motorrad wieder flott und düste damit über 9 050 Kilometer durch zwölf Länder (das BT berichtete).

In seinem bisherigen Leben hat er insgesamt 60 Länder besucht. „Ich bin ein Getriebener, ich muss immer etwas tun. Den ganzen Tag nur im Café herumzusitzen, der Typ bin ich nicht“, sagt der 64-Jährige. Und so ist der Ruhestand in Kuppenheim eher ein Unruhestand. So kam es auch, dass sein Interesse geweckt wurde, als ihm jemand von dem 34 PS starken Unimog, Baujahr 1962, erzählte, der in Kaufenheim im Elsass stand. Schließlich habe er mal den Beruf des Kfz-Mechanikers gelernt, es habe ihn daher gereizt, dem Oldtimer wieder Leben einzuhauchen, auch wenn er damals noch nicht an eine vollständige Restauration gedacht habe: „Nach einer gründlichen Grundreinigung, war mein erster Gedanke, die Bremsanlage instand zu setzen.“ Räder und Bremstrommeln wurden abmontiert, Bremsbacken ausgebaut, Beläge abgenietet. Die Radbremszylinder waren so verschlissen, dass er alle vier Zylinder erneuern musste. Die Bremsleitungen mussten zum Teil ausgetauscht werden, da sich bereits der Rost hineingefressen hatte. Auch die Reifen waren nicht mehr zu gebrauchen. Also mussten neue her, nachdem die Felgen sandgestrahlt und pulverbeschichtet waren.

Und so kam eines zum anderen, wie es so ist, wenn man mal ein Werk begonnen hat – und so war es um den Kuppenheimer geschehen: „Ich war mittendrin in der Restauration und vom 411er Virus infiziert.“

Bei Wind und Wetter gearbeitet

Aus Platzgründen stand der Unimog unter einer Überdachung, die zur Hälfte offen war.

Hoffmann hat sich aber auch nicht von widrigen Begleitumständen wie Wind, Kälte und Regen von seinem Vorhaben abbringen lassen und in Handarbeit viele Arbeiten ausgeführt. Die Pritsche wurde ausgebaut und zum Sandstrahlen und zum Lackieren außer Haus gegeben, ebenso wurde der Pritschenboden erneuert. Allerdings wurden die Arbeiten nicht zu seiner Zufriedenheit ausgeführt, bei Minusgraden habe er dann selbst den Pritschenboden nachgeschweißt und sauber abgeschliffen, berichtet er. Der Arbeitsaufwand, um die Kabine wieder auf den neuesten Stand zu bringen, sei enorm gewesen, der Kostenaufwand ebenso. Auch bei den Karosseriearbeiten musste er nachschweißen, erzählt er von Tiefschlägen und davon, dass er zwischendurch manchmal die Lust verloren habe, weiterzumachen. Getan hat er es trotzdem. Den Rahmen, das Getriebe, die Achsen und andere Teile habe er von Hand tagelang abgeschliffen und lackiert und die Kabine, als sie schließlich fertig war, alleine aufgebaut. „Ich weiß nicht, wie oft ich vom Unimog rauf und runter gestiegen bin, bis die Kabine passte.“ Allerdings musste da selbst der konditionsstarke Kuppenheimer pausieren, da ihm von dieser Aktion alles wehtat.

Motor gibt seinen Geist auf

Dann kam der große Tag, der Motor lief zum ersten Mal – doch die Freude wich schnell einer großen Enttäuschung: Rauchbildung, Zylinderkopfdichtung durch. Der Motor war hinüber und musste komplett überholt werden. Mehr als 32 000 Euro habe er schließlich inklusive Kauf in die Restauration des Gefährts gesteckt, erzählt Bernd Hoffmann von seinem kostspieligen „Hobby“. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Die TÜV-Abnahme mit dem „H“-Kennzeichen habe er gleich bestanden, berichtet er nicht ohne Stolz.

Eigentlich hatte sich der 64-Jährige zum Ziel gesetzt, exakt am 14. Juli, und damit am Nationalfeiertag der Franzosen, mit der französischen und der deutschen Flagge im Unimog nach Paris zu fahren, weil er diesen auch am 14. Juli 2018 im Elsass gekauft hatte. Allerdings muss der neue Motor erst einmal eingefahren werden, bevor er die weite Strecke zur französischen Hauptstadt in Angriff nehmen kann.

100 Kilometer sollte er bis dahin schon gelaufen sein, meint Hoffmann, der deshalb in nächster Zeit mehrere Spazierfahrten in der näheren Umgebung, aber auch im Elsass mit dem Unimog unternehmen will. Dass er auf jeden Fall nach Paris fahren wird, steht für ihn außer Frage. Danach will er das restaurierte Gefährt verkaufen und seine Memoiren schreiben – bei seinem aufregenden Leben und seinen ausgefallenen Ideen dürfte das eine spannende Lektüre werden.

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Erstellt:
27. Juli 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 37sec

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