Mit der Ape durch Baden-Baden

Baden-Baden (co) – Heinrich Liesen beglückt Senioren bei kostenlosen Ausfahrten mit seiner dreirädrigen Ape. Er bringt auch regelmäßig Besucher zum Obstgut Leisberg.

Chauffeur Heinrich Liesen in seiner Ape Calessino mit den fröhlichen Passagieren Ottilie Krieg und Johanna Moser. Foto: Conny Hecker-Stock

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Chauffeur Heinrich Liesen in seiner Ape Calessino mit den fröhlichen Passagieren Ottilie Krieg und Johanna Moser. Foto: Conny Hecker-Stock

Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick zwischen Heinrich Liesen und der Ape Calessino, dieser Ikone unter den italienischen Dreiradfahrzeugen. Der rührige Professor im Unruhestand sah sofort Sightseeing-Touren mit Senioren vor seinem inneren Auge.
Vor rund fünf Jahren hatte Liesen über das Internet sein erstes Date mit diesem charismatischen Romantiker, dem er sofort verfiel. Damals war die Ape jedoch nur über eine Firma in Wangen im Allgäu zu beziehen und hätte persönlich abgeholt werden müssen. Also verlor man sich wieder aus den Augen, doch das Gefährt ließ ihm keine Ruhe. Als er vor drei Jahren erneut im Internet recherchierte, war das Objekt seiner heimlichen Leidenschaft bedeutend näher gerückt und wurde jetzt über eine Karlsruher Firma vertrieben.

Obstguttaxi fährt am kommenden Sonntag

Eine der ersten fünf dortigen Exemplare wurde die Seine, und die enge Beziehung dauert bis heute an. Eingeweiht hat er das ursprünglich vor rund 70 Jahren geborene, heute im Neo-Vintage-Stil aufgepeppte Kultfahrzeug, dessen Wendigkeit ebenso beeindruckt wie sein eleganter Stil mit drei großzügigen Einzelsitzen, bei Seniorentransporten ins Obstgut Leisberg. Wer gerne an den dortigen Festen teilnehmen möchte, aber nicht mehr so gut zu Fuß ist, wird von Liesen am Klosterplatz aufgesammelt und in der Ape ganz romantisch mit elf PS nach oben befördert.

Das nächste Mal ist er in dieser Mission übrigens am kommenden Sonntag unterwegs: Von 14 bis 16.30 Uhr befördert er an diesem Tag wieder alle, die nicht so gut zu Fuß sind, mit dem Obstguttaxi hinauf zum Obstgut, wo die Bürgergemeinschaft Unterbeuern wieder eine Verkaufsaktion macht.

Doch das war ihm nicht genug. Er klopfte bei verschiedenen Seniorenheimen an mit dem Vorschlag, älteren Menschen eine Ausfahrt zu ermöglichen und so etwas Abwechslung in ihren Alltag zu bringen. Auf dem Schafberg war Liesen mit seiner Idee sogleich höchst willkommen. Pflegedienstleiter Willi Allgeier bestätigt die Erfahrung Liesens, dass bei vielen Senioren während der Fahrt das Gedächtnis aktiviert wird, sei es durch den Anblick bekannter Gebäude oder durch Liesens Erzählungen dazu. Denn während der gut eineinhalbstündigen, völlig unentgeltlichen Ausfahrten zum Schloss Seelach, durch die Allee zum Kloster oder Theater bis zur selbst Einheimischen oft unbekannten Stourdza-Kapelle, auf den Beutig zum Rosengarten oder den Florentinerberg und hoch zum Neuen Schloss weiß der engagierte Chauffeur immer Anekdoten aus der Historie zu erzählen. Und da Liesen Arzt ist, bestehen auch keinerlei Bedenken, sollte unterwegs bei seinen Passagieren Unpässlichkeiten auftreten.

Fahrgäste stehen am Schafberg Schlange

Etwas verärgert war er nur, als er trotz Gemeinnützigkeit für eine Sondererlaubnis zum Passieren des Leopoldsplatzes oder der Allee 95 Euro berappen sollte. Doch ein Gespräch mit Bürgermeister Roland Kaiser klärte die Sachlage, der will jetzt für eine Lizenz sorgen.

Der engagierte Professor, der sieben Olympische Spiele und drei Nationalmannschaften betreute und mit dem Thema Alterssport habilitierte, sieht sich auf einem Weg zurück zu seinen Wurzeln. Er hat noch viele Ideen, um Senioren über Abwechslung und Bewegung neue Lebensfreude zu verschaffen. Auf dem Schafberg stehen seine Fahrgäste fast schon Schlange, so beliebt sind seine Ausfahrten bei den dortigen Bewohnern.

„So wunderbar habe ich mir das nicht vorgestellt“ oder „ich muss gleich weinen, so schön ist das“ bekommt er da unterwegs zu hören. Während Johanna Moser vergnügt einsteigt für ihre bereits dritte Fahrt in der schicken Ape, übt Ottilie Krieg übermütig schon mal das Grüßen nach rechts und links wie Queen Mum. Und sollte es auf einer Fahrt mal besonders lustig zugehen, müssen die Senioren nicht pünktlich zum Abendessen um 17 Uhr zurück sein: „Das sehen wir dann locker“ verabschiedet Willi Allgeier seine fröhlichen Schützlinge mit einem Schmunzeln.

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Erstellt:
11. August 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 54sec

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