Mit der Ausstellung „in den Wald eintauchen“

Baden-Baden (sj) – Gäste müssen sich noch gedulden, bevor sie das Besucherzentrum betreten können, dafür ist Corona verantwortlich. Die offizielle Eröffnung ist erst im kommenden März geplant.

In den drei Bauriegeln A, B und C können Besucher auf insgesamt 1.000 Quadratmetern die neue Nationalpark-Dauerausstellung erleben. Foto: Stefan Jehle

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In den drei Bauriegeln A, B und C können Besucher auf insgesamt 1.000 Quadratmetern die neue Nationalpark-Dauerausstellung erleben. Foto: Stefan Jehle

In den Wald eintauchen – so nennt Friedo Meger den Gestaltungsentwurf für die Nationalpark-Ausstellung, mit dem sein Team der Hamburger Agentur „Kunstraum“ im März 2015 einen europaweiten Wettbewerb unter 160 Teilnehmern für sich entschieden hat. Hinter dem Entwurf verbirgt sich die Idee, anhand des mehrere Jahrhunderte währenden Lebenszyklus‘ einer Tanne den Besuchern den Lebensraum Wald näherzubringen.

In den drei jeweils bis zu 60 Meter langen Bauriegeln des Besucherzentrums, die wie zufällig übereinander geworfene Baumstämme wirken sollen, werden auf insgesamt 1.000 Quadratmetern die einzelnen Lebenszyklen erklärt. Das geschieht „in einer bildlichen Mischung aus real gedrehten Filmszenen und am Computer entstandenen Animationen“, so Meger. Der schätzungsweise bis zu 200 oder mehr Jahre alt werdende Baum ist im Film-Plot 45 Meter lang. Von dem abgebrochenen Stammfuß mit zirka 1,5 Meter Durchmesser, der als reales Objekt in die Ausstellung eingefügt wurde – bis hin zu einzelnen Stammteilen, hinauf bis zur Krone.

Einige Tücken für die Ausstellungsmacher

„Die Geschichte, die wir erzählen, ist die von einer Tanne, die so ungefähr um das Jahr 1450 gekeimt ist“, sagt Ausstellungsmacher Meger. Es barg einige Tücken, ein reales Objekt dieser Länge in den Bau einzufügen. Die Planer waren vor die Frage gestellt: Wie macht man das, ohne dass man ständig drüber klettern muss – und gegebenenfalls auch mal darunter durchgehen kann?

Aufbau des Stammfußes der Tanne, die Riegel A prägen wird. Foto: Jasmin Himmel/Nationalpark Schwarzwald

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Aufbau des Stammfußes der Tanne, die Riegel A prägen wird. Foto: Jasmin Himmel/Nationalpark Schwarzwald

Während der größte der Ausstellungsbereiche im Bauriegel A von der toten Tanne und dem daraus resultierenden Leben dominiert wird, beschäftigt sich ein zweiter Bereich mit „Störungen“, die einen Wald verändern. Etwa die Jahreszeiten oder heftige Stürme wie Orkan „Lothar“ Ende Dezember 1999. Dieser Teil befindet sich im Bauriegel B. Was Veränderungen und „Störungen“ angeht, sagt Meger, könne man schon jetzt viele Details in der Natur beobachten. „Weil der Wilde See schon seit über 100 Jahren als Bannwald nicht mehr bewirtschaftet wird, findet man dort Arten und Urwaldrelikte, die es im Wirtschaftswald nicht gibt.“

Bäume und Pilze – faszinierende Lebensgemeinschaften

Im Bauriegel C geht es dann unter die Erde, allerdings nur bildlich, nicht baulich. Der Inhalt auf den verbleibenden 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche handelt von den Lebewesen unter der Erde, zum Beispiel von den faszinierenden Lebensgemeinschaften, die Bäume und Pilze bilden.

Die Ausstellungsmacher sahen sich wiederholt mit den Tücken der eigenwilligen Architektur des Besucherzentrums konfrontiert. Die drei Bauriegel A, B und C sind jeweils leicht geneigt, als (bildlich gesehen) übereinander gestürztes totes Holz. „Das war erst einmal eine Herausforderung: Eine Ausstellung in Räumen, die nicht komplett barrierefrei sind“, erinnert sich Meger. Doch die „Kunstraum“-Profis haben die Hürden offenbar überwunden. Sie sind sich auch sicher, den Eröffnungstermin einhalten zu können, der ja bereits seit zwei Jahren feststeht.

Theoretisch rund 360 Besucher in der Stunde

Theoretisch möglich wäre nach der Eröffnung eine Besucherzahl von etwa 360 Gästen in der Stunde. Wenn die Pandemie nicht wäre. Die Zahl 360 ist ein errechneter Wert, sie ergibt sich aus der Ausstellungsfläche von 1.000 Quadratmetern und der – in Zusammenarbeit mit der Uni Kiel berechneten – Verweildauer einzelner Besucher vor interaktiven Exponaten.

Noch bleibt das alles aber Hypothese, ebenso wie dieser Text virtuell entstehen musste – ohne eigene Vorab-Besichtigung der Ausstellungsräume auf dem Ruhestein.

„Die Ausstellung soll Lust machen, rauszugehen und in den Wald einzutauchen“, sagt Meger. Derzeit bleibt der Gang nach draußen aber noch die einzige Option.

Ihr Autor

Stefan Jehle

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Erstellt:
14. Oktober 2020, 13:24 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 44sec

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