Mit der Drohne durch die Baden-Badener Kanalisation

Baden-Baden (sga) – Bald will das Regierungspräsidium die B500 zwischen Ebert- und Verfassungsplatz in Baden-Baden sanieren. Darum muss der darunter liegende Kanal begutachtet werden – mittels Drohne.

„Das sieht gut aus“: Sebastian Brunner schaut sich die Aufnahmen live auf einem Bildschirm an. Foto: Sarah Gallenberger

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„Das sieht gut aus“: Sebastian Brunner schaut sich die Aufnahmen live auf einem Bildschirm an. Foto: Sarah Gallenberger

Einen Tag braucht die Drohne, um den Hauptsammler der Kurstadt zu durchfliegen. Dort filmt sie, was beim Überqueren des Verfassungsplatzes sonst im Verborgenen bleibt: die Kanalisation von Baden-Baden. Die fliegende Kamera ist nicht ohne Grund im Einsatz: Das Regierungspräsidium Karlsruhe will in naher Zukunft den Fahrbahnbelag der B500 (Ebert- bis Verfassungsplatz) sanieren.
Wann mit den Arbeiten begonnen wird und wie lange sie andauern sollen, ist Stand jetzt noch unklar. Fakt ist jedoch: Vorher müssen die Zustände aller Kanäle in dieser Umgebung erfasst werden. „Dafür würden wir normalerweise etwa eine Woche brauchen“, erklärt Matthias Sopper von den Stadtwerken.

Normalerweise soll heißen: Ein Wagen fährt mit einer Kamera durch den Kanal und filmt dort das Innere. „Dafür hätten wir die große Wassermasse allerdings erst umpumpen müssen“, führt Sopper aus. Das ginge nur durch eine entsprechende Verrohrung, die den Verkehr stark beeinträchtigt hätte.

Sebastian Brunner steigt in den Gully, um den Kanal nach möglichen Hindernissen abzusuchen. Foto: Sarah Gallenberger

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Sebastian Brunner steigt in den Gully, um den Kanal nach möglichen Hindernissen abzusuchen. Foto: Sarah Gallenberger

Von der am Dienstag eingesetzten Drohne allerdings haben Fußgänger und Autofahrer nur wenig mitbekommen. Über den Tag verteilt mussten zwar einzelne Streckenabschnitte gesperrt werden, doch die Umleitung auf die anderen Fahrbahnen erfolgte mühelos. Und der Einsatz der fliegenden Technik spart laut Sopper nicht nur Platz. Die Arbeit mit ihr sei viel sicherer und die Inspektion könne schneller durchgeführt werden.

Bei den Stadtwerken ist die Freude über die technische Lösung groß. Diese muss laut Sopper zwar nicht überall eingesetzt werden (Hausanschlüsse und Straßeneinläufe können mit einer Satellitenkamera befahren werden), doch im Bereich Ebert- und Verfassungsplatz sitze unterhalb der Fahrbahn nun mal der eiförmige Hauptsammler, also ein ständig wasserführender Kanal.

Hier kommt Sebastian Brunner vom Ingenieurbüro Isas ins Spiel. Mit gesicherter Kleidung am Körper und Helm auf dem Kopf steigt er die Treppe in den Kanal hinunter, um wenig später wieder aus dem geöffneten Gully zu schlüpfen. In seiner Hand hält er kleine Büschel aus Wuzeln, „die könnten die Drohne stören“, deshalb hat er sie vorher sicherheitshalber entfernt. Nun kommt die Kanaldrohne, die von der gleichnamigen Firma gestellt und in Kooperation mit Isas genutzt wird, zum Zug.

Zur Energieversorgung braucht es kein Kabel, allerdings sollte die Drohne nach spätestens acht Minuten wieder an die frische Luft, weil ihre Batterie nicht länger ausreicht. Um die Propeller vor den harten Kanalwänden zu schützen, sitzt das Gerät Technik in einem Käfig.

Zum Schutz der Propeller sitzt die Drohne in einem Käfig. Foto: Sarah Gallenberger

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Zum Schutz der Propeller sitzt die Drohne in einem Käfig. Foto: Sarah Gallenberger

Dann hebt die Drohne auch schon ab und fliegt langsam durch den geöffneten Gully in den Hauptkanal, der mit einer Breite von 90 Zentimetern und einer Höhe von 1,25 Metern genug Platz bietet. Weil es dort unten stockdunkel ist, sorgen LED-Lampen an der fliegenden Kamera für eine entsprechende Beleuchtung. „Das sieht gut aus“, sagt Brunner, während er auf einem Bildschirm das Innere des Kanals begutachtet. Der ist übrigens schon über hundert Jahre alt, weiß Sopper. Und freut sich: „Prinzipiell kann man sagen, dass sich die Kanäle in Baden-Baden in einem sehr guten Zustand befinden.“ Zur Sicherheit werde alle zehn bis 15 Jahre kontrolliert, ob nicht doch noch an irgendeiner Stelle eine Maßnahme nötig ist.

Wie es in dem Hauptsammler unter dem Ebert- und Verfassungsplatz aussieht, werden die Bilder später zeigen. Eins ist laut Sebastian Brunner allerdings jetzt schon sicher: „Drohnen kommen bei Kanalinspektionen erst seit rund einem Jahr zum Einsatz. Baden-Baden ist somit eine der ersten Städte.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
18. August 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

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