Mit der Kirche durch Loffenau

Loffenau (kie) – Die neue „Ortsfibel Loffenau“ schickt Kinder und Erwachsene auf Entdeckungsreise durchs Dorf. Das Projekt geht auf eine Initiative von Pfarrer Florian Lampadius zurück.

Mit der Fibel in der Hand lässt sich Loffenau neu entdecken. Foto: Franziska Kiedaisch

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Mit der Fibel in der Hand lässt sich Loffenau neu entdecken. Foto: Franziska Kiedaisch

Was hat ein Unfallbericht des Bürgermeisters aus Kindertagen mit dem Pfarrhaus zu tun? Welche Fachwerkbauweisen finden sich im Ort? Und wie lautet die Inschrift, die seit mehr als 100 Jahren Erstklässler am Schulportal begrüßt? Die „Ortsfibel Loffenau“ stellt ihren Lesern diese und weitere Fragen – und erhöht ganz nebenbei deren Ortskenntnis.

Das spielerische Entdecken steht im Mittelpunkt des bunten und liebevoll gestalteten Buchs, das die Loffenauer Kindergartenkinder und Grundschüler bereits vor Weihnachten geschenkt bekommen haben. Anhand von 16 Bauwerken und Landmarken beschreibt die Ortsfibel einen rund zweieinhalb Kilometer langen Rundgang durchs Dorf. Auf 52 Seiten werden etwa die drei Kirchen im Ort, das Rathaus, die Gemeindekelter oder der Sägmühlteich vorgestellt – Rätsel, Aufgaben und Ausmalvorlagen zu jeder Station geben dem Rundgang die Aura einer Schatzsuche. Als wiederkehrendes Motiv dient der Fibel ein Leiterwagen, in dem das Bild einer bunten Kirche transportiert wird – und das hat seinen Grund. „Es ist ein Symbol, das weiterwandert. Und darauf kommt es mir an: Man macht sich mit der Fibel wie ein Pilger auf den Weg durch den Ort“, erklärt Initiator Florian Lampadius, der seit rund eineinhalb Jahren evangelischer Pfarrer der Gemeinde ist.

Die Idee zur Ortsfibel entstand während der ersten Corona-Welle im Frühjahr, als der Pfarrer aufgrund zweier kirchlicher Publikationen Kontakt zum J. S. Klotz Verlagshaus aus Bauschlott (Enzkreis) hatte. Als Vorbild für die „Ortsfibel Loffenau“ diente dann ein bereits bestehender Ortsführer aus dem Enzkreis.

Das Wesentliche fügen dem Buch die Leser hinzu

Lampadius hatte von Beginn an die Idee eines sogenannten Halbskripts, in dem sich Texte, Bilder und Freiräume für persönliche Eintragungen abwechseln und überlappen können; eine Verlagsmitarbeiterin setzte die Wünsche laut Lampadius mit viel Engagement „sehr gut“ um. Unter Mitwirkung mehrerer Autoren wurden die Texte formuliert, Layout und historische Einordnung übernahm der Verlag.

Doch das Wesentliche fügen dem Buch die Leser hinzu: Nach und nach wird die Fibel damit ein Abbild der Erfahrungen ihres Besitzers. „Es ist ein persönliches Buch“, sagt Lampadius, „aber auch ein Arbeitsbuch“. Da Lampadius in Loffenau nicht nur Pfarrer, sondern auch evangelischer Religionslehrer der Grundschule ist, möchte er die Fibel auch im Unterricht nutzen. Vorstellbar wäre etwa eine Erkundungstour durchs Dorf mithilfe der Fibel, an deren Ende religionspädagogische Fragen im Unterricht aufgegriffen würden, sagt er.

Für das „Projekt Ortsfibel“, wie der 54-Jährige es nennt, hat er einen Zuschuss des Kirchenbezirks erhalten, der rund die Hälfte der Unkosten für die 250 Buchexemplare ausmacht; die andere Hälfte wurde über private Spenden finanziert. Gegen einen Kostenbeitrag von zehn Euro können Interessierte eine Ortsfibel im Pfarramt oder im „Lädle“ erwerben.

Ziel sei es von Beginn an gewesen, einen Beitrag für den Zusammenhalt in der Gemeinde zu leisten: „Wünschenswert ist, dass historisches Wissen vertieft wird, und ein roter Faden durch das Verstehen von Gesamtzusammenhängen entsteht“, sagt Lampadius.

Und so richtet sich das Buch zwar in erster Linie an Kinder, doch auch Erwachsene können etwas in Sachen Ortsgeschichte dazulernen. Mit Neugier und der nötigen Offenheit können selbst Einheimische mit der Fibel in der Hand noch etwas in Loffenau entdecken.


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