Mit der Murgtalbahn von Forbach nach Gaggenau unterwegs

Gaggenau (BNN) – Die Murgtalbahn gilt als eine der schönsten Eisenbahnstrecken Deutschlands. Haben die Fahrgäste und der Lokführer noch Augen für die Schönheit der Strecke?

Lokführer aus Leidenschaft: Dominik Fritsch fährt Stadtbahnen nach Ubstadt, Achern oder Herrenberg. Die Murgtalbahn ist seine Lieblingsstrecke. Foto: Marie Orphal

Lokführer aus Leidenschaft: Dominik Fritsch fährt Stadtbahnen nach Ubstadt, Achern oder Herrenberg. Die Murgtalbahn ist seine Lieblingsstrecke. Foto: Marie Orphal

In Forbach ist Endstation. Mit kreischenden Bremsen kommt die S81 an einem Montagmittag am Bahnhof zum Stehen. Es piepst, die Türen öffnen sich, Schulkinder strömen ins Freie.

Dominik Fritsch springt aus dem Führerhaus der weißen Stadtbahn. Der 34-Jährige hat Feierabend. Seit den frühen Morgenstunden ist er auf den Beinen.

In Forbach hat der Mann mit der Mütze und der orangefarbenen Warnweste die Murgtalbahn für die Fahrt vorbereitet. Dazu gehört Bremsen testen, Elektronik und Technik überprüfen, Verbandskasten und Feuerlöscher kontrollieren. Genau zwölf Minuten braucht Fritsch dafür pro Zug, er hat die Zeit gestoppt.

Zimmermann aus Forbach schulte zum Stadtbahnfahrer um

Um 4.36 Uhr ist der junge Mann dann vom Bahnhof in Forbach in Richtung Karlsruhe aufgebrochen. Von Karlsruhe aus ging es weiter bis nach Odenheim, dann zurück nach Karlsruhe und wieder zu seinem Heimatbahnhof Forbach. Seit 2015 arbeitet Fritsch als Lokführer. Eigentlich ist er gelernter Zimmermann. Aber Stadtbahn fahren, „das war schon immer mein Traumjob.“ Also ließ er sich zum Triebfahrzeugführer ausbilden.

Heute fährt er Strecken nach Bad Herrenalb und Ittersbach, steuert Bahnen nach Ubstadt, Achern, Herrenberg oder Hochstetten. Seine Lieblingsstrecke ist die Murgtalbahn. „Das ist meine Linie.“ Nicht nur, weil Fritsch aus Forbach kommt und mittlerweile in Gernsbach lebt. „Die Strecke ist landschaftlich am schönsten“, findet er. „Man kann tagtäglich sehen, wie sich die Umgebung verändert.“

Endstation: Am Bahnhof in Forbach enden einige Fahrten der Murgtalbahn. Andere Züge fahren weiter bis nach Freudenstadt. Foto: Marie Orphal

Endstation: Am Bahnhof in Forbach enden einige Fahrten der Murgtalbahn. Andere Züge fahren weiter bis nach Freudenstadt. Foto: Marie Orphal

Zum Beispiel zwischen Hilpertsau und Weisenbach. Dort steht die Firma Baden Board, die den Betrieb Ende März eingestellt hat. Der Lkw-Verkehr dort sei zuletzt immer weniger geworden, sagt Frietsch. „Und es brennt seltener Licht.“ Auch die Bauarbeiten am Rastatter Bahnhof und das Ende und den Abriss der Firma Kronospan in Bischweier hat der Lokführer aus dem Führerhaus beobachtet.

Lokführer macht Sonderausbildung für Steilstück nach Freudenstadt

Eine Herausforderung ist der Streckenabschnitt nach Freudenstadt. Für das steile Stück musste Fritsch eine Sonderausbildung absolvieren. Etwa dreimal die Woche steuert er seitdem Stadtbahnen durchs Murgtal. Pro Dienst fährt er die Strecke bis zu dreimal hin und zurück. Meistens ist er allein, ab und zu hat er Auszubildende dabei. Langweilig wird ihm im Führerhaus nie. „Nur manchmal ist es etwas zäh, wenn man früh morgens fährt und noch müde ist.“ Viele Pendler kennt der Lokführer inzwischen, am Bahnsteig sieht er immer wieder bekannte Gesichter.

Nicht immer läuft alles glatt. Fahrzeug- und Streckenstörungen, Verspätungen und pöbelnde Fahrgäste sind die Schattenseiten des Berufs, sagt Fritsch. „Auf Beleidigungen reagiere ich schon gar nicht mehr.“

In Forbach setzt sich die Bahn in Richtung Karlsruhe in Bewegung. Ursula Maasz hat den ganzen Wagen für sich. Die 26-Jährige lässt sich auf einen Sitz in einem Vierabteil fallen und hievt ihren Wanderrucksack auf den Platz neben sich. Maasz hat drei Wandertage und insgesamt 60 Kilometer in den Knochen.

Touristin aus Hamburg fährt mit Bahn durchs Murgtal

Die Hamburgerin ist einen Teil des Westwegs von Kniebis bis nach Forbach gelaufen, vorbei an Mummelsee, Hornisgrinde, Badener Höhe und Schwarzenbach-Talsperre. Übernachtet hat sie mit Isomatte und Schlafsack in Wetterschutzhütten auf dem Weg. „Das muss man schon wollen.“

Aus Hamburg angereist: Ursula Maasz ist einen Teil des Westwegs gewandert. Mit der Murgtalbahn geht es nun von Forbach nach Karlsruhe. Foto: Marie Orphal

Aus Hamburg angereist: Ursula Maasz ist einen Teil des Westwegs gewandert. Mit der Murgtalbahn geht es nun von Forbach nach Karlsruhe. Foto: Marie Orphal

Jetzt geht es mit der Stadtbahn bis Karlsruhe und von dort aus zu ihren Eltern nach Stuttgart. Auf der Bahnfahrt schaut sie abwechselnd aufs Smartphone und aus dem Fenster. „Eine schöne Strecke“ sagt Maasz: „So viele Berge bin ich aus Hamburg nicht gewohnt.“ Aber schon nach wenigen Stationen fallen ihr die Augen zu.

In Gernsbach-Mitte steigt Bektas Tuerksal zu. Der Mann mit der neongelben Jacke kommt von der Frühschicht beim Bierdeckelhersteller Katz in Weisenbach. Ein Kollege hat ihn mit nach Gernsbach genommen, von dort fährt er mit der S81 bis nach Gaggenau. Die Strecke fährt der 51-Jährige täglich zweimal.

Pendelt täglich: Bektas Tuerksal fährt mit der Murgtalbahn zur Arbeit und zurück. Foto: Marie Orphal

Pendelt täglich: Bektas Tuerksal fährt mit der Murgtalbahn zur Arbeit und zurück. Foto: Marie Orphal

Mittlerweile sei die Fahrt Normalität geworden, räumt er ein. „Aber es ist eine schöne Strecke mit toller Natur, es gibt immer etwas zu sehen.“ Besonders gerne beobachtet er die Eisvögel und Wildgänse an der Murg. Neun Minuten dauert die Fahrt, in Gaggenau steigt Tuerksal aus. Die Stadtbahn fährt weiter über Rastatt bis nach Karlsruhe.

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Ihr Autor

BNN-Volontärin Marie Orphal

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Erstellt:
15. April 2022, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 16sec

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