Mit einem Song 12.000 Euro für Künstler in Not

Bietigheim (mak) – Der Bietigheimer Eventmanager und Sänger Walter Irion zieht eine positive Bilanz seiner Hilfsaktion mit dem Song „We Can Make the Change“, die seit März gelaufen ist.

Leere Ränge, keine Zuschauer: Irion in dem Video-Clip „We Can Make the Change“. Foto: Walter Irion

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Leere Ränge, keine Zuschauer: Irion in dem Video-Clip „We Can Make the Change“. Foto: Walter Irion

Ein Song, 4:28 Minuten lang, für 4,28 Euro, und das 4 Monate und 28 Tage: Mit dieser Aktion und seinem Lied „We Can Make the Change“ hat der Bietigheimer Eventmanager und Singer-Songwriter Walter Irion seit März rund 12.000 Euro für in Not geratene Künstler zusammengebracht: „Das finde ich schon klasse! Ich bin stolz darauf und dankbar für alle, die mich unterstützt haben“, zieht er Bilanz. Trotz aller Freude über dieses Ergebnis betrübt ihn die Sorge um seine Künstlerkollegen. Die Absage von Großveranstaltungen und Konzerten aufgrund der Corona-Pandemie hat auch den 56-Jährigen finanziell ziemlich getroffen: „Rund 70 Prozent meines gesamten Einkommens sind im vergangenen Jahr weggebrochen“, berichtet er im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt. Irion konnte zwar teilweise noch auf Ersparnisse zurückgreifen, doch er musste sich auch etwas einfallen lassen: Ich habe während des Lockdowns ein Glückstagebuch und kleine Bücher mit Weisheiten geschrieben und übers Internet vertrieben sowie Hofkonzerte für einzelne Haushalte angeboten“, führt der Sänger weiter aus. Innerhalb kürzester Zeit hatte er mehrere Anfragen: „Das war total nett und heimelig und hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Dieses Format möchte ich beibehalten.“

Künstler in Existenz bedroht

Der Bietigheimer Eventmanager organisiert seit Jahren den Kehler Messdi mit fünf Live-Bühnen, die an vier Tagen bespielt werden. Er hat gute Kontakte zu rund 40 Bands und kennt die Sorgen seiner Kollegen. „Die kämpfen alle ums nackte Überleben. Einige sind auch aus dem Beruf rausgegangen und haben irgendwelche Jobs angenommen, um Geld zu verdienen.“ Doch nicht alle kamen mit der existenzbedrohenden Lage klar. Irion berichtet von drei Künstlern, die sich das Leben genommen haben, weil sie keinen Ausweg mehr sahen: „Ich habe sie alle persönlich gekannt, das hat mich zutiefst erschüttert“, so der 56-Jährige. Für ihn war klar, dass er helfen wollte, und so kam die Idee mit dem Charity-Song „We Can Make the Change.“ Unterstützung bekam er vom Auer Unternehmen Ultimate Entertainment, das kostenlos den Video-Clip zum Lied produzierte. Nach zwei Drehtagen bei den Volksschauspielen Ötigheim, die ebenfalls kein Geld verlangten, war alles im Kasten. Und Irion schien einen Nerv getroffen zu haben, etliche Radiosender spielten seinen Song, eine Jury mit Vertretern von Schwarzwaldradio und Hitradio Ohr wählte ihn zum „Mutmacher des Monats April“. Ob er auch Mutmacher des Jahres wird, hängt vom Publikum ab. Der Betrag von 12.000 Euro ging an die Künstler-Help-Box der Organisation „Ladie’s Voice“ der Karlsruher Sängerin Danny Konz. „Ich unterstütze ihre Hilfsorganisation schon seit Jahren. Danny hat sehr viel Empathie und weiß, wie man mit Künstlern umgeht, die Hilfe benötigen“, hebt Walter Irion hervor. Die ausgezahlten Beträge seien zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, verschaffen aber Luft, um Atem zu holen, weiß der Bietigheimer, der übrigens im Duo „Irion und Memphis Freeman“ am 23. Juli in Essig’s Hofladen in Bietigheim auftritt. Nachdem nun vereinzelt wieder Auftritte möglich sind, lasse die Spendenbereitschaft nach, doch alle Großveranstaltungen, die als Haupteinnahmequelle existenziell sind, wurden bis Jahresende abgesagt, weiß Irion. Konzerte und Jubiläen wurden ins nächste Jahr verschoben und werden auch bereits fest geplant, doch für dieses Jahr fehlen den Künstlern eben die lebensnotwendigen Einkünfte.

Deshalb ist der Song nach wie vor auf Irions Homepage (www.irion-music.de) abrufbar. „Für den Herbst habe ich weitere Aktionen in Planung, um Spenden für Künstler in der Region zu sammeln“, blickt der Künstler voraus.


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