Mit einem guten Gefühl raus aus der Opferrolle

Baden-Baden (for) – Die Begleit-App „Way-Guard“ vom Versicherungskonzern Axa verknüpft Nutzer in alltäglichen Situationen mit einer Sicherheits- und Notrufleitstelle.

Albert Dahmen hat die App gemeinsam mit seinem Team vom Versicherungskonzern Axa und mit der Kölner Kriminalpolizei entwickelt. Foto: Axa

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Albert Dahmen hat die App gemeinsam mit seinem Team vom Versicherungskonzern Axa und mit der Kölner Kriminalpolizei entwickelt. Foto: Axa

Nervöse Blicke nach hinten und den Schlüssel fest umklammert als Waffe in der Hand, die Kopfhörer bleiben in der Tasche, damit man Schritte, die sich langsam nähern, nicht überhört. Die Absatzschuhe sollten bei Einbruch der Dunkelheit besser den Turnschuhen weichen – schließlich kann man mit denen im Notfall besser rennen. Die meisten Mädchen und Frauen kennen diese Situation, besonders wenn die Dämmerung einbricht, fühlen sich viele draußen nicht mehr sicher.

Begleitung durch professionelle Mitarbeiter

Albert Dahmen, Leiter der Innovationseinheit „Axa Transactional Business“ beim Axa-Versicherungskonzern, hat sich diesem Problem bereits 2015 angenommen und in Zusammenarbeit mit der Kölner Polizei die Begleit-App „Way-Guard“ entwickelt. Diese App können Kinder, Frauen und Männer in alltäglichen Situationen nutzen, um sich sicherer zu fühlen. Nutzer haben die Möglichkeit, sich entweder von Freunden oder dem Team von „Way-Guard“, bestehend aus Mitarbeitern einer der größten privaten Notruf- und Serviceleitstellen Deutschlands, virtuell begleiten zu lassen. Dieses Team ist rund um die Uhr im Einsatz. Der jeweilige Begleiter sieht immer den aktuellen Standort des Nutzers, optional kann man auch mit dem Begleiter telefonieren. Wird der Nutzer von einem Freund begleitet, hat er zusätzlich die Möglichkeit zu chatten. Im Ernstfall kann der Nutzer über die Way-Guard-App einen Notruf auslösen, bei dem sein aktueller GPS-Standort an die professionelle Leitstelle übertragen wird, sodass diese schnell und gezielt Hilfe organisieren kann. Den Notruf kann aber nicht nur der Nutzer selbst, sondern immer auch der persönliche Begleiter auslösen.

2.000 Notrufe eingegangen

Dass ein solcher Notruf ausgelöst wird, komme regelmäßig vor, berichtet Dahmen. „In den fünfeinhalb Jahren seit unserem Start sind rund 2.000 Notrufe eingegangen. Allerdings sind da natürlich auch viele Testanrufe dabei von Nutzerinnen und Nutzern, die ausprobieren wollen, ob das wirklich funktioniert. Aber zehn bis 15 Prozent davon haben wir tatsächlich an die Polizei weitergeleitet.“

Was danach passiere, wisse das Team aus datenschutzrechtlichen Gründen meistens nicht. Einmal hätten die professionell geschulten Mitarbeitenden der Leitstelle aber ein Leben retten können. „Ein junges Mädchen, das einen medizinischen Notfall hatte, konnte damals nur noch den Notruf auslösen, sie konnte nicht mehr sprechen, weil sie aufgrund einer Nervenerkrankung auch einen Kreislaufzusammenbruch erlitten hatte“, erzählt Dahmen. Ein Leitstellenmitarbeiter habe die Situation richtig eingeschätzt „und dadurch konnte das Mädchen vom Rettungsdienst in einem Wald gefunden und gerettet werden.“ Auch an einen Überfall auf eine Rollstuhlfahrerin kann sich Dahmen noch erinnern. In diesem Fall sei das „Way-Guard“-Team im Nachgang sogar gebeten worden, bei der Aufklärung des Verbrechens mitzuhelfen. „Wenn das gewünscht ist und die Nutzerinnen und Nutzer zustimmen, können wir die Gesprächsaufzeichnungen und Standortdaten natürlich an die Ermittler weitergeben.“

Nicht nur für Notfälle entwickelt

Allerdings sei „Way-Guard“ nicht nur für Notfälle wie diese entwickelt worden. „Wir sehen, dass die App hauptsächlich nachts genutzt wird, also sobald es dunkler wird bis tief in den frühen Morgen hinein“, sagt Dahmen. Daneben würde die App aber auch immer wieder beim Joggen, Ausreiten oder Gassigehen genutzt, „um sich sicherer zu fühlen“. Zwar könne „Way-Guard“ im Zweifel kein Verbrechen verhindern, „aber wir können dazu beitragen, dass sich Menschen anders verhalten und eine andere Art der Sicherheit ausstrahlen“, fügt Dahmen hinzu. Das könne im besten Fall dazu führen, dass man nicht zum Opfer wird, „insofern ist es wichtig, dass man mit einem guten Gefühl unterwegs ist“.

Als die App 2016 an den Start ging, habe das Team rund um „Way-Guard“ viel positive Resonanz erhalten. „Mittlerweile haben sich mehr als 400.000 Menschen in Deutschland und in der deutschsprachigen Schweiz registriert.“ Zwar seien die Nutzerzahlen während des Lockdowns etwas zurückgegangen, der Mord an einer jungen Frau in England und die damit verbundene öffentliche Debatte führten derzeit aber wieder zu „wahnsinnigen Registrierungszahlen“.

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